Veröffentl. am / Aktualisiert am

40 Jahre „Rock Me Amadeus“ Nr. 1 in den USA! Rudi Dolezal mit neuem Falco-Buch und Leseshow

Der Wiener Dokufilmer und Autor hat das Buch „Falco – Die ganze Wahrheit” geschrieben und geht damit auf Lesetour. Dolezal im Interview – und zehn Bücher zu gewinnen!

Facebook
Twitter

Foto von David Schoof
David Schoof
Autor
Lesezeit
11 min

Rudi Dolezal war Falcos Freund und produzierte seine Musikvideos

© Archive Prods. LLC

Zum 40. Jahrestag von „Rock Me Amadeus“ als Nr. 1 in den US-Charts (29. März 1986) hat Dokufilmer und Auto Rudi Dolezal, 68, ein neues Buch über Falco geschrieben. TV-MEDIA verlost zehn signierte Exemplare - Infos zum Gewinnspiel weiter unten! Dolezal geht mit „Falco - Die ganze Wahrheit“ auch auf multimediale Leseshow (Infos zu Buch und Tourdaten siehe unten). Wir sprachen mit dem langjährigen Wegbegleiter und Freund Falcos.

TV-MEDIA: Was war Ihre Motivation, jetzt ein Buch über Falco zu schreiben?

Rudi Dolezal: Zwei Dinge: Das eine war, dass schon voriges Jahr viele 40 Jahre Nummer 1 in Amerika abgefeiert haben – was aber nicht stimmt. Erst am 29. März 2026 jährt sich dieser Tag zum 40. Mal. Das andere war, dass Leute, die Falco nie getroffen haben, so viel Blödsinn und Unwahrheiten über ihn gesagt haben. Das hat mich aufgeregt. Und dann habe ich mir gedacht, nachdem ich einer der letzten Zeitzeugen bin, die sehr viel face to face mit ihm gearbeitet haben und befreundet mit ihm waren, mache ich noch einmal was. Ich hab ja schon direkt nach seinem Tod das Falco-Buch Hoch wie nie geschrieben, das auch verfilmt hätte werden sollen.

TV-MEDIA: Das neue Buch ist wie „My Friend Freddie“ über Queen-Legende Freddie Mercury keine klassische Bio …

Dolezal: Ich habe überlegt: Was sind die Dinge, die noch in keinem Falco-Buch waren, wenig diskutiert wurden, und wie kann ich etwas dazu beitragen, den Lesern auch den anderen Hans Hölzel ein bisschen näher zu bringen? Den Menschen, den Zweifelnden, den Typen, der weg wollte vom Alkohol. Der einen Leidensdruck hatte. Sein Hauptproblem waren ja nicht die Drogen, sondern, dass er Antidepressiva mit Whisky runtergekippt hat. Ich habe viele Gespräche mit ihm darüber geführt. Dieses Buch muss man so wie das Freddie-Buch nicht chronologisch lesen, es beinhaltet eher Phänomene und herausgezogene Dinge, die ich wichtig finde. Es ist eine emotionale Berg- und Talfahrt, und ich hoffe, dass es genauso leicht und angenehm zu lesen ist wieMy Friend Freddie“.

TV-MEDIA: Sie schildern witzige Begebenheiten, beschönigen aber auch nichts …

Dolezal: Das Buch heißt „Die ganze Wahrheit“, und zur ganzen Wahrheit gehören natürlich die Exzesse, die Skandale, aber dazu gehört auch der andere Hans, der zum Teil konsequent an seinem Cleansein, an seinen Entzügen gearbeitet hat. Ich habe mir auch gedacht, wir sind im Jahr 2026, da kann man viel mehr erzählen als noch zu Falcos Lebzeiten, als das noch echte Skandale waren, weil man inzwischen eine große Distanz hat.

TV-MEDIA: Welche Quellen haben Sie bei der Auswahl der Kapitel, der Anekdoten angezapft. Nur Ihr Gedächtnis?

Dolezal: Ich hatte Notizen, Tonbandaufnahmen, deswegen habe ich mich an Dialoge erinnert. Und wie der Falco geredet hat, hab ich natürlich intus, vor meinem geistigen Ohr sozusagen. Außerdem hatte ich über Falcos Ex-Manager Horst Borg Zugang zu seinen Tagebüchern, teils schriftlich, teils über Diktiergerätaufnahmen.

TV-MEDIA: Warum ist Falco heute immer noch populär?

Dolezal: Die Falco-Musik ist nicht alt geworden, Falco ist nicht alt geworden. Paulus Manker sagt im Buch: „Der Mann starb zum richtigen Zeitpunkt“. Warum? Weil wir keine Falco-Fotos mit Bierbauch kennen, keine mit Glatze, mit grauen Haaren, tiefen Falten im Gesicht. Es gibt den Falco nur so, wie wir uns an ihn erinnern, mit knapp 41. Wobei ich gemerkt habe, dass sich auch die junge Generation für ihn interessiert. Und zwar für seine Musik und nicht für die Skandalgeschichten. Da hat sich Sichtweise schon verschoben.

TV-MEDIA: Zu „Rock Me Amadeus“: Haben Sie damals geahnt, dass das Lied ein internationaler Hit werden könnte?

Dolezal: Es war einer der wenigen Hits, den ich erraten habe. Wir waren uns alle sicher: Das wird ein Welthit! Und das ist ja auch das, was mich mit dem Hans verbunden hat: über den Tellerrand schauen. Okay, Österreich super und Deutschland zehnmal mehr, wunderbar, aber: The Sky is the Limit. Entscheidend war, dass Horst Borg die Bolland-Brüder als Produzenten für das dritte Falco-Album engagiert hat. Das war eine Hitfabrik, die haben unzählige Hitparadenstürmer produziert, Status Quo, Samantha Fox. Und die Bollands hatten diese Songs für das Album alle schon, auch „Amadeus“. Bis auf die Falco-Lyrics war das fix fertig. Bei „Jeanny“ das Gleiche, nur war das am Anfang ein schmalziger Liebessong, und Hans hat das mit dem Text, den er drübergeredet hat, zu einer Kriminalgeschichte gemacht. Das einzige Video übrigens, das ich gemacht habe, das jemals auf den Index kam und verboten wurde in ganz Österreich, Deutschland und der Schweiz.

TV-MEDIA: Der Erfolg des Songs „Rock me Amadeus“ ist untrennbar mit dem von Ihnen produzierten Video verbunden …

Dolezal: Das Video ist unter anderem auch deswegen so geil, weil Falco einfach super performt. Er steigt aus dieser Kutsche aus, und dann denkst du dir: Wow! Und auch wenn Eigenlob stinkt: Das ist natürlich ein geniales Konzept gewesen, da haben wir uns alle selber übertroffen. Die ursprüngliche Idee war ja, den Song als ORF-Beitrag für die Goldene Rose von Montreux zu verfilmen, als Teil einer Fernsehshow. Weil eine ähnliche Show – Leonard Cohens „I Am a Hotel“ im Jahr davor gewonnen hatte.

TV-MEDIA: Und das mit schmalem Budget?

Dolezal: Schmal ist gar kein Ausdruck! Ich selbst habe umgerechnet 500 Euro Regiegage bekommen.

TV-MEDIA: Aber fürs Renommee hat es Ihnen sicher etwas gebracht?

Dolezal: Natürlich war es ein Türöffner. Allein, dass Freddie Mercury gesagt hat, dass es eines der besten Videos ist und er gerne den Kardinal gespielt hätte, war eine nachträgliche Adelung. Eine Anekdote, die nicht im Buch ist: 1986 ist das Video natürlich auf Heavy Rotation bei MTV gelaufen, auf der ganzen Welt. Der Hans ist damals mit dem Hans Mahr auf Urlaub gewesen, auf den Virgin Islands, glaube ich. Und ist dort keinen einzigen Tag an den Strand gegangen. Er ist den ganzen Tag vorm Fernseher gesessen und hat gewartet, bis wieder „Rock me Amadeus“ kommt, einmal in der Stunde auf MTV.

TV-MEDIA: Andererseits war Falco nicht zum Feiern zumute, als sein Lied Nr. 1 in den USA wurde ...

Dolezal: Das ist der große Gegensatz. Er saß im Oswald und Kalb in Wien, alle um ihn haben gefeiert, und er war ganz traurig und hat gemeint, das werde ich nie wieder schaffen. Das hat aber auch mit der prinzipiellen Problematik der Person und des Charakters Hans Hölzel zu tun. Ein Mann, der bis zu seinem Tod jede seiner Freundinnen seiner Mutter vorstellen musste, bevor er mit ihr zusammengehen konnte. Der mich bei „Out of the Dark“ gefragt hat: Glaubst du, kann ich mich das trauen? Ist das nicht peinlich, wenn ich „Muss ich denn sterben, um zu leben“ singe? Der bis zum Schluss unsicher war.

TV-MEDIA:  Ist das Amadeus-Video auch Teil Ihrer Leseshow?

Dolezal: Ja, es gibt als Rarität und Weltpremiere die sogenannte Millenniumsversion. Weil ich nach einigen Jahren gefunden habe, dass man angesichts schneller werdender Fernsehgewohnheiten einen neuen Schnitt machen müsste. Es gibt neue Szenen, wir haben ein Gelage eingebaut, Exzesse im Rokoko-Stil. Seinerzeit wurde es nicht gespielt, weil man fand, es wäre zu frivol. Generell ist die Leseshow ein Konzept, das sich permanent neu erfindet und verbessert. Begonnen haben wir mit Freddie, dann kam „100 Jahre Austropop“ und jetzt eben „Falco - Die ganze Wahrheit“. Ich werde nicht nur lesen, sondern unter Umständen auch Dinge, die im Buch sind, frei erzählen. Dazu gibt es Videozuspielungen, die mit dem Erzählten zu tun haben. Nicht nur Musikvideos, auch Interviews. Und dann gibt es im zweiten Teil wie immer die Fragestunde, Q&A, unter dem Titel, „Was Sie schon immer über Falco wissen wollten.“


Tourdaten & Buch

Termine

Teilnahme am Gewinnspiel

Ähnliche Artikel
Über den Autor
David Schoof
David Schoof

TV-MEDIA-Chefredakteur David Schoof

E-Mail für dich!

Abonniere unseren Newsletter und erhalte Infos zu Highlights, Neuerscheinungen sowie Filmen und Serien, die nur mehr kurz verfügbar sind.

Die Rechtmäßigkeit der Datenverarbeitung bleibt bis zum Zeitpunkt eines allfälligen Widerrufs unberührt. Die Einwilligung ist freiwillig. Nähere Informationen zum Datenschutz finden Sie in der Datenschutz-Policy, z.B. aufrufbar unter vgn.at/Datenschutzpolicy.