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Gabriela Zerhau – Die Regie-Pionierin
Als sie in den 80er-Jahren anfing, gab es gefühlt keine fünf Regisseurinnen im deutschen Sprachraum. Gabriela Zerhau gehörte dazu. Zur Ausstrahlung ihres neuen Films, der ZDF-Tragikomödie „Fast perfekte Frauen” (zu sehen in der ZDF Mediathek), baten wir die 70-Jährige aus Altaussee zum Interview über ihren spannenden Karriereweg.


Gabriela Zerhau
© APA-Images / Martin HuberTV-MEDIA: Wann haben Sie gewusst, dass Sie Regisseurin werden wollen?
Gabriela Zerhau: Ich habe in München Germanistik und Theaterwissenschaft studiert, war immer als Komparsin bei Filmproduktionen und fand das ganz toll. Mich hat die Atmosphäre am Filmset fasziniert. Dann habe ich bei der Theaterwissenschaft ein Film-Seminar belegt und von da an war es um mich geschehen. Ich habe mich Learning by Doing hochgearbeitet: Skriptgirl, Regieassistenz – und irgendwann durfte ich dann selbst drehen.
TV-MEDIA: Wie viele Regisseurinnen gab es, als Sie begonnen haben?
Gabriela Zerhau: Nicht viele. Doris Dörrie, Vivian Naefe, noch ein paar andere. Ich kann mich erinnern, damals haben die Redakteure, es waren überwiegend männliche Redakteure, gesagt: Komm, jetzt trauen wir uns was. Wir nehmen eine Frau als Regisseurin. Eine von uns wurde es dann. Aber das ist schon lange her.
TV-MEDIA: Was hat sich geändert?
Gabriela Zerhau: Bei den Jungen, die jetzt nachkommen, bin ich immer ganz baff, was die können. Es sind zwar immer noch mehr Männer, aber das hat sich schon gravierend geändert. Gott sei Dank.
TV-MEDIA: Ihre erste Regiearbeit war 1984.
Gabriela Zerhau: Ja, das war aufregend. Ich war 28. Am zweiten Drehtag habe ich dem Produzenten gesagt, sei mir nicht böse, ich kaufe mir jetzt ein One-Way-Ticket nach Bali und komme nie mehr zurück. Ich war völlig überfordert von der Verantwortung. So ein Film kostet ja sehr viel Geld. Er hat gesagt: Bleib noch einen Tag und überleg’s dir. Das habe ich getan und bin noch einen weiteren Tag geblieben und noch einen und habe so zurück in die Normalität gefunden.
TV-MEDIA: Mir hat ein Jungregisseur erzählt, dass er von einem arrivierten Schauspieler jeden Tag getestet und auf die Probe gestellt wurde. Ist Ihnen das auch passiert?
Gabriela Zerhau: In der Tat. Ich habe mit Klaus Wennemann – Gott hab ihn selig, er ist nicht mehr unter uns – eine Serie gedreht und er hat jeden Tag mit mir diskutiert. Wenn ich gesagt habe, gehe von links nach rechts, hat er gesagt: Warum gehe ich nicht von rechts nach links? Wenn ich gesagt habe, du stehst am Fenster, hat er gesagt: Warum stehe ich nicht an der Tür? Dann hat er die Dialoge hinterfragt, die wir vorher alle besprochen hatten. Es war richtig anstrengend.
TV-MEDIA: Wie ist das ausgegangen?
Gabriela Zerhau: Es hat sich nicht gebessert. Wir haben das beide ausgestanden (lacht).
TV-MEDIA: Sie haben viele anspruchsvolle Filme gedreht, aber auch – und das meine ich nicht böse – Drehbücher für „Ein Schloss am Wörthersee” geschrieben.
Gabriela Zerhau: Ja, das war in meinen ersten Jahren. Ich habe Produzent Karli Spiehs und seine ganze Entourage geliebt. Die waren so lustig. Der Karli Spiehs hat nie gesagt: Was für einen Film drehen wir, sondern wo drehen wir, wo ist es schön? (lacht)
TV-MEDIA: Drehort vor Drehbuch.
Gabriela Zerhau: Genau! Die Hotels mussten schön sein und ein Casino musste in der Nähe sein, weil er und Otto Retzer immer ins Casino gegangen sind (lacht). Diese Spiehs-Retzer-Familie war schon etwas ganz Besonderes.
TV-MEDIA: Etwas Besonderes muss es für Sie gewesen sein, den Altaussee-Film „Ein Dorf wehrt sich” zu drehen.
Gabriela Zerhau: Oh ja, ich hatte solche Angst, dass ich den Film in den Sand setze. Da haben so viele Altausseer mitgespielt, und ich lebe ja in Altaussee (und München). Ich dachte: Wenn die den Film ablehnen, muss ich emigrieren.
TV-MEDIA: Die Sorge war Gott sei Dank unbegründet.
Gabriela Zerhau: Jetzt machen sie Führungen im Altausseer Salzbergwerk, wo auch unser Film erwähnt wird. Wir sind Teil des kulturellen Erbes (lacht).
TV-MEDIA: Ihr aktueller Film „Fast perfekte Frauen” ist ein sehr schöner Film geworden. Wie ist Ihnen die Idee dazu gekommen?
Gabriela Zerhau: Ganz einfach, ich war selber auf Kur. Ich fand das so spannend, dass da wildfremde Frauen aufeinandertreffen und sich in kürzester Zeit eine Kraft entwickelt, die man sich vorher nicht hätte vorstellen können.
TV-MEDIA: Haben Sie etwas von echten Personen ins Drehbuch übernommen?
Gabriela Zerhau: Man nimmt bei jedem Drehbuch irgendetwas aus seiner eigenen Erfahrung mit. Meistens sind es drei, vier Charaktere, die sich dann in einer Person sammeln.
TV-MEDIA: Was wäre das für ein Film, wenn Sie ihn nur mit Männern gedreht hätten?
Gabriela Zerhau: Das haben wir uns auch gefragt. Ich weiß nicht, ob Männer sich so schnell öffnen wie Frauen. Vielleicht ist das ein Klischee, andererseits hatten wir ein Bühnengespräch nach einer Festival-Aufführung von „Fast perfekte Frauen”, wo viele Zuschauerinnen Fragen gestellt haben, es ging um Gefühle, Träume, Enttäuschungen, Hoffnungen, und dann meldet sich EIN Mann und fragt: Wo haben Sie das gedreht? (Lacht) Also nur sachbezogen. Männer würden sich vielleicht die ersten zweieinhalb Wochen über Fakten unterhalten, dann bleiben ihnen noch ein paar Tage, in denen sie sich vielleicht öffnen - und dann ist es vorbei. Aber auch das wäre irgendwie interessant.

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