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Das Bellaria ist zurück!
Das traditionsreiche Wiener Kino hat nach jahrelanger Pause neu eröffnet – begleitet von zahlreichen prominenten Gästen aus Kultur, Medien und Sport. TV MEDIA war bei der Eröffnungsfeier dabei.

2019 musste das Haus schließen, danach folgten Pandemie, Umbau, Genehmigungen und viele offene Fragen. Dass das Bellaria heute wieder spielt, ist vor allem dem Engagement von Sophie Stejskal und Michael Stejskal zu verdanken, den Betreibern des Votiv Kinos und des Kino de France, die sich seit Jahren der Wiener Programmkino-Kultur verschrieben haben. „Wir haben immer gewusst, dass dieses Kino Potenzial hat, aber es hat deutlich länger gedauert, als wir gedacht haben.“ Der Saal wurde komplett modernisiert: neue Sitze, neue Projektionstechnik, eine zeitgemäße Lüftung. „Viele kommen herein und sagen sofort: Es fühlt sich genauso an wie früher“, sagt Sophie Stejskal. „Das ist für uns das schönste Kompliment, weil genau das wollten wir erreichen.“ Heute verfügt das Kino über 116 Sitzplätze und modernste Technik. Gezeigt werden aktuelle Programmkino-Highlights im Original mit deutschen Untertiteln sowie Klassiker aus über 100 Jahren Filmgeschichte, eine Mischung aus neuen Entdeckungen und und vertrauten Filmklassikern. „Kino ist einer der letzten Orte, an denen man seine Aufmerksamkeit wirklich auf eine Sache richtet“, sagt Michael Stejskal. „Man sitzt gemeinsam in einem Raum, schaut auf dieselbe Leinwand und erlebt zur selben Zeit dieselben Emotionen. Dieses gemeinsame Erleben ist etwas ganz Besonderes.“ Dass dieses Bedürfnis wieder stärker wird, spüren sie deutlich. „Es gibt eine richtige Renaissance des Programmkinos“, sagt er. „Die Menschen wollen wieder rausgehen, gemeinsam etwas erleben und nicht nur zu Hause vor dem Bildschirm sitzen.“
Mittendrin bei der Premiere: bekannte Gesichter, die das Kino seit Jahren begleiten. 3sat-Moderatorin Lilian Moschen verbindet mit dem Kino sehr persönliche Erinnerungen. „Ein Kinoabend ist für mich immer etwas Besonderes“, sagt sie. „Natürlich ist es schön, mit Freunden zu gehen. Aber ich gehe auch sehr gern alleine ins Kino.“ Für sie ist das Kino ein Ort der Konzentration und manchmal auch des Rückzugs. „Diese Zeit nur für sich, komplett in einen Film eintauchen und danach noch lange darüber nachdenken, das ist etwas, das man zu Hause so nicht erlebt.“
Auch die ehemalige Skirennläuferin und Doppelweltmeisterin Elisabeth Görgl ließ sich das Comeback des Traditionskinos nicht entgehen. Sie sieht im Kino weit mehr als nur Unterhaltung. „Wien ist eine Kulturstadt, und Kino gehört einfach dazu“, sagt sie. An ihren ersten Kinobesuch erinnert sie sich noch gut: „Das war mit der Schule – Die unendliche Geschichte. Das vergisst man nicht.“ Vor allem aber schätzt sie das Gemeinschaftserlebnis. „Danach noch zusammensitzen und über das Gesehene reden, das gehört für mich zum Kino dazu.“
Genau dieses Zusammensitzen und Weiterreden soll künftig auch ein zentraler Teil des neuen Bellaria-Kinos sein. Deshalb gehört zum Kino nun auch die Kinobar „Bella Bella“, betrieben von Moritz Baier. Sie versteht sich als Treffpunkt vor und nach dem Film, als Ort, an dem der Abend nicht mit dem Abspann endet. „Ich habe eine emotionale Beziehung zu solchen alten Plätzen“, erzählt Baier. „Als ich gelesen habe, dass das Kino schließen soll, bin ich einfach hineingegangen und habe gefragt, wer zuständig ist.“ Was folgte, war ein langer Weg mit vielen Gesprächen und Planungen. „Es hat Jahre gedauert, bis alles geklärt war“, sagt er. „Aber jetzt sind wir unglaublich froh, dass das Kino wieder lebt.“ Ein Kino mit Geschichte – und mit Zukunft. Nach 115 Jahren beginnt hier gerade das nächste Kapitel.
(c) Foto: Stefanie Weberhofer

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