Veröffentl. am / Aktualisiert am
Der Österreichische Filmpreis
TV-MEDIA ist heuer zum ersten Mal Fördermitglied des Österreichischen Filmpreises und damit auch an der Wahl zum besten Spielfilm, zur besten Doku und zu den besten Schauspielern Österreichs maßgeblich beteiligt. Als klarer Favorit geht Perla mit 13 Nominierungen, darunter als Bester Spielfilm, ins Rennen um die Wendeltreppe. Ein Drama über eine Frau, die einst schwanger aus der Tschechoslowakei nach Wien floh und dann wieder retour ging. Bei der Diagonale 2025 gab’s dafür den Publikumspreis. Kurz vor der großen Gala am 18. Juni (ORF on und Joyn übertragen ab 19.00 Uhr) baten wir die Geschäftsführerin Katharina Albrecht zum Interview.

TV-MEDIA: Sie sind seit fünf Jahren Chefin der Akademie des österreichischen Films und damit quasi auch eine Art Botschafterin des Austro-Films, national wie international. Wo liegt denn die Quelle Ihrer Liebe für den Film?
Katharina Albrecht: Ich bin in einer sehr künstlerischen Familie aufgewachsen, ich habe dann was völlig anderes studiert, Arabistik, aber habe immer gewusst, ich würde gerne ins Kulturmanagement gehen und mein Thema war immer, dass ich eigentlich eher so einen Bauchkasten an Interessen herumgetragen habe. Deswegen habe ich in vielen kulturellen Bereichen gearbeitet. Der Film ist in der intensiven Form erst zu mir gekommen, als ich mit der Akademie angefangen habe zu arbeiten. Aber ich bin immer schon wahnsinnig viel ins Kino gegangen. – Es hat mir viel Freude gemacht, so tief in diese Materie einzusteigen und mittlerweile bin ich da schon durchaus versierter und ein großer Fan. (lacht)
TV-MEDIA: Und dann sind Sie auch als gebürtige Deutsche in ein durchaus österreichisch „Blase“ gestoßen …
Albrecht: Ich bin gar keine Deutschgeborene, sondern eine in Wien Geborene. Meine Mutter war Österreicherin und Kostümbildnerin am Burgtheater, mein Vater deutscher Dirigent. Mit zwei Jahren sind wir nach Berlin gegangen, ich habe in Wien studiert, bin dann wieder nach Berlin arbeiten gegangen. – Deswegen ist mir die österreichische Seele, das österreichische Kulturschaffen sehr nah und ich habe mir nicht so schwer damit getan. Ich weiß, dass die Österreicher das jetzt vielleicht nicht so gerne hören, aber mir hat meine deutsche Hälfte auch durchaus immer geholfen …
TV-MEDIA: Welche österreichischen Filme und Serien haben Sie damals geschaut?
Albrecht: „Kottan ermittelt“ und auch „Müllers Büro“. Meine Cousinen leben hier. Meine besten Freunde haben hier gewohnt. Das heißt, ich hatte immer einen Austausch. Auch was das Fernsehen betrifft. In Deutschland hatten wir zum Beispiel nicht Mein Onkel vom Mars, dafür hatten wir die Sesamtstrasse. Durch den Austausch war mir das Österreichische durchaus bekannt, die Vielfalt ist mir erst richtig bewusst geworden, als ich dann angefangen habe, mich damit zu beschäftigen. Es gibt wirklich ein ganz großartiges Filmschaffen in diesem Land. Das begeistert mich jedes Jahr wieder.
TV-MEDIA: Der Grund, warum wir hier sitzen, ist der Österreichische Filmpreis, der am 18. Juni vergeben wird. Großer Favorit ist Perla mit 13 Nominierungen. Inwiefern steht denn Perla für den Austro-Film?
Albrecht: Zum einen freut mich, dass Alexandra Makarová eine junge Filmschaffende ist, die mit „Perla“ jetzt so ein fulminantes Werk hingelegt hat. Gleichzeitig spielt Simon Schwarz mit, einer unserer Publikumslieblinge. Perla beleuchtet wunderschön etwas, was in uns allen immer noch drin ist, dieser Ost-West-Konflikt. Ich kann mich daran gut erinnern. Ich bin in West-Berlin aufgewachsen. Und ich kenne viele von diesen Geschichten und diese Zerrissenheit, die da drin herrscht. Und das ist auch unser Nachbarland. Ich glaube, das hat einfach einen Nerv getroffen. Mit dieser wirklich, wie ich finde, wunderschönen Erzählweise. Das ist berechtigt ein vielfach nominierter Film.
TV-MEDIA: Beim heimischen Publikum kam allerdings „Aufputz is’“ viel besser an. Das waren fast eine halbe Million Besucher im Kino, „Perla“ sahen 8.000. Provokant gesagt: Das bestätigt so ein bisschen das Image, der Filmpreis sei für die Filmelite Österreichs.
Albrecht: Ich habe mich sehr bemüht, das in den letzten fünf Jahren ein bisschen zu ändern. Ich bin genauso stolz auf „Aufputzt is’“, wir jubeln hier über jede Besucherzusatzzahl die kommt, und da machen wir überhaupt keinen Unterschied, so wie ich es auch nicht mag, zwischen E- und U-Musik zu unterscheiden. Ich habe mich so sehr bemüht, ein breiteres Bewusstsein aufzubauen – mit Filmpreis und der Tour, die die Gewinnerfilme und Preisträgerfilme in die Bundesländer bringt, über Film- und Medienbildung, die Filme in die Schulen bringt. In anderen Ländern, wo es schon eine längere Filmkultur gibt, so wie in Spanien oder in Frankreich, ist man wahnsinnig stolz auf das heimische Filmschaffen, sei es jetzt der Arthouse-Film oder der Mainstream-Film. Beides hat seine absolute Berechtigung.
TV-MEDIA: Welcher österreichische Film hat es denn Ihnen letztes Jahr angetan?
Albrecht: Also ich finde, wir hatten ein ganz starkes Jahr. Mich hat z. B. „Noch lange keine Lippizaner“ sehr begeistert. „Girls & Gods“ genauso, wie auch „Vier minus drei“ und „Perla“. Jeder auf seine Art und Weise.
TV-MEDIA: Der österreichische Film ist auf internationalen Festivals gerne gesehen. Andreas Prochaska zum Beispiel, auch Filmpreis-nominiert, feierte mit „Welcome Home Baby“ in Berlin Premiere. Von Ruzowitzky und Haneke nicht zu reden. Wie ist es denn so allgemein um den Austro-Film bestellt? Im Hinblick auf die prekäre Budget-Situation.
Albrecht: Der Wegfall von ÖFI+ und die Fördereinschränkungen haben die Branche hart getroffen. Was wir jetzt sehen, ist der Erfolg der letzten drei Jahre, in denen es mehr Geld gab. Wir haben uns professionalisiert und damit auf ein internationales Niveau hochgeschraubt, wir haben jetzt die neuen hq7 Film-Studios – und dann ist natürlich so ein Cut hart. Jetzt müssen alle um wieder geringere Töpfe kämpfen. Dazu kommen die steigenden Produktionskosten. Ich spüre es beim Filmpreis, ich spüre es bei allem, bei Technik wie Catering. Und das ist so schade, dass man, wenn man an so einem Peak ist, plötzlich so abrupt eingebremst wird. Ich würde mir sehr wünschen, dass wir eine Lösung finden, um diese erfolgreiche Fahrt nach oben, die auch den Medien- und Wirtschaftsstandort Österreich stärkt und Arbeitsplätze schafft, fortsetzen zu können. Denn momentan geht auch das Vertrauen der internationalen Produktionen verloren. Wir arbeiten daran, wie wir das in irgendeiner Art und Weise wieder auffangen können.
TV-MEDIA: Wie stehen Sie zu Streamingabgabe und Investitionsverpflichtung?
Albrecht: Keiner wird daran zweifeln, dass die großen Online-Anbieter in Österreich viel Geld umsetzen. In anderen Ländern ist das ganz normal. Hier müssen die großen Streaming-Anbieter durch die Investitionsverpflichtung in nationale Filme und Musik investieren. In Frankreich und Spanien ist es gelungen, in der Schweiz auch. Ich bin auch eine große Netflix-, Amazon-, Apple-Schauerin, aber wir wollen doch alle unsere österreichische Kultur, unsere Sprache weiterhin in unseren medialen Inhalten sehen und hören. Da reden wir auch von Filmen wie „Auputzt’ is“ und den Stipsits-Filmen im Fernsehen.
TV-MEDIA: Zurück zum Filmpreis. Was erwartet uns?
Albrecht: Der Österreichische Filmpreis wird jedes in 18 Kategorien vergeben und zeichnet das vielfältige österreichische Filmschaffen aus. Das Motto ist dieses Jahr „Eine Bühne für den Film“, ein Konzept von Julia Edtmeier und Alexander Pschill. Es wird ein sehr abwechslungsreicher Abend, der die Brücke spannt von der Stummfilmzeit bis heute. Es kommen viele prominente Filmschaffende, Valerie Pachner, Robert Stadlober, Simon Schwarz, Gerhard Liebmann und viele mehr. Der Filmpreis wird live auf ORF ON und JOYN zu sehen sein. Ab 22.6 gibt es eine 45minütige Sondersendung auf JOYN. Der ORF macht eine breite Berichterstattung drumherum.
TV-MEDIA: Zum Schluss: Woran arbeiten Sie neben den Filmpreis gerade?
Albrecht: Ich möchte unbedingt, dass es in Zukunft mehr Kinder- und Familienfilme in Österreich gibt. Weil diese Filme viele Leute abholen und ein Kinder- und Familienfilm eine lange Laufzeit hat. Wir versuchen das aufzubauen, dazu gehört, dass es in die Ausbildung reinkommt. Ein weiteres großes Anliegen von mir ist es, die Schnittstelle zwischen Bildung und Kultur zu stärken. Wir brauchen hier mehr Vermittlung, damit die Kultur in all ihren Facetten auch die nächste Generation erreicht.

E-Mail für dich!
Abonniere unseren Newsletter und erhalte Infos zu Highlights, Neuerscheinungen sowie Filmen und Serien, die nur mehr kurz verfügbar sind.