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Linda Lampenius beim ESC 2026: Die Favoritin, die Wien in Flammen setzen will
Finnland schickt eine Legende nach Wien: Linda Lampenius, 56, Weltklasse-Geigerin, Skandalnudel und Nationalheldin in einem, ist die klare ESC-Favoritin 2026. Mit ihrem Song Liekinheitin – auf Deutsch: Flammenwerfer – heizt sie nicht nur den Wettquoten ein, sondern einem ganzen Land die Stimmung an. Und Finnland glaubt fest daran: Diesmal wird gewonnen.

Linda Lampenius
© Yle / Nelli KenttäSauna, Eishockey – und Eurovision
Was bringt Finninnen und Finnen wirklich zum Kochen? Sauna und Salmiaklakritze sind ein guter Anfang – aber Song Contest toppt alles. Der nationale Vorentscheid Uuden Musiikin Kilpailu ist im 5,6-Millionen-Einwohner-Land ein echtes Volksspektakel: Über 2,5 Millionen Zuschauer verfolgten die Sendung, 450.000 Stimmen wurden abgegeben. Der Löwenanteil davon ging an eine einzige Frau: Linda Lampenius.
Wer ist Linda Lampenius? Weltstar, Vorkämpferin, Kultfigur
Die Helsinkierin gehört zur schwedischsprachigen Minderheit Finnlands und trat zeitweise unter dem Künstlernamen Linda Braga auf. Als Violinistin gilt sie als eine der begnadetsten ihrer Generation – neben Klassik beherrscht sie Jazz, Pop und Folk. Der Spiegel brachte ihr Markenzeichen einmal auf den Punkt: Sie streiche „mit vollem Einsatz ihres Körpers."
Doch Lampenius war nie nur Musikerin. Sie modelte für Björn Borgs Unterwäsche-Kollektion, posierte nackt mit ihrer Geige im Playboy und absolvierte 1999 – blond und kurvig wie Pamela Anderson – einen Gastauftritt in Baywatch. Vier Jahre saß sie außerdem als Abgeordnete der liberalen Schwedischen Volkspartei im Stadtparlament von Helsinki. Eine Frau, die Schubladen sprengt.
Linda Lampenius
Der Kampf, der sie zur Heldin machte
Was Lampenius in Finnland endgültig zur Ikone machte, ist keine musikalische Leistung – sondern Mut. 2001 warnte sie öffentlich davor, sich in die Residenz des finnisch-kanadischen Mode-Tycoons Peter Nygård einladen zu lassen. Nygård, dessen Vermögen auf 800 Millionen Dollar geschätzt wurde, reagierte mit einer Anwaltsarmada. Lampenius musste auf eigene Kosten eine ganzseitige Entschuldigung in einer großen Zeitung schalten. Ihr Ruf war vorerst ruiniert.
Die Gerechtigkeit kam spät, aber sie kam: 2024 wurde Nygård von einem Gericht in Toronto wegen jahrzehntelangen sexuellen Missbrauchs zu elf Jahren Haft verurteilt. Im Dezember 2025 erstattete der Zeitungsverlag Lampenius sogar die Kosten für das rund 25 Jahre zurückliegende Inserat. Seither gilt sie in Finnland nicht mehr als Skandalnudel, sondern als mutige Vorkämpferin gegen sexuelle Belästigung.

Linda Lampenius
© Sarah Louise Bennett / EBUESC 2026 Wien: Finnland kühlt schon den Sekt
Fans und Buchmacher sind sich einig: Finnland fährt in Wien einen Erdrutschsieg ein – auf Finnisch „maanvyörymä voitto". Und tatsächlich wird im wiederholt zum glücklichsten Land der Welt gewählten Staat bereits vorsorglich gefeiert. Selbst die finnische Botschaft in Wien dreht auf: Neben der traditionellen Song-Contest-Party steigt ein gemeinsames Event mit den Botschaften Norwegens und Dänemarks sowie eine Karaoke-Party.
Botschafterin Nina Vaskunlahti bleibt dabei diplomatisch zurückhaltend und wünscht „eine unvergessliche ESC-Woche" – sie weiß, dass Umfragewerte keine Garantie sind. 2023 war Käärijä mit Cha Cha Cha der klare Publikumsliebling, wurde aber durch das Jury-Ranking noch von Schwedens Loreen abgefangen.

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