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Andreas Vitásek: „Meine Frau hat gesagt, das ist der einzige Scheidungsgrund”
Der Kabarettist ist mit seinem neuen Programm „Wie es mir gefällt” auf Tour. (Termine siehe hier: https://www.vitasek.at/termine). Mit uns schaut er zurück auf die wichtigsten Filme in seiner Schauspielkarriere – vom Kino-Superhit „Müllers Büro” (1986; 441.135 verkaufte Tickets!) bis zum TV-Quotenerfolg „Und ewig schweigen die Männer” (2008; 1 Million. TV-Zuseher).


Andreas Vitásek
© Valerie LoudonTV-MEDIA: Wir machen aus mehreren Gründen ein Interview: Neues Programm und mehrere Jubiläen. 70. Geburtstag, 45 Jahre auf der Bühne ...
Vitásek: Ja, ich habe mir gedacht: Das ist eine gute Gelegenheit, um ein Programm zu machen, wo man ein bisschen zurückschaut. Ich spiele nicht unbedingt die Nummern, die am besten angekommen sind, sondern schaue sie mir an, ob sie noch funktionieren. Ein paar sind allgemeingültig, ein paar muss man ein bisschen aktualisieren.
TV-MEDIA: „Wie es mir gefällt“ klingt auch ein bisschen nach: Ich bin jetzt 70, ich mache, was ich will, mir ist es wurscht, was die Leute sagen.
Vitásek: Es ist mir nicht wurscht, was die Leute denken. Aber ab einem gewissen Alter kann man sich Freiheiten nehmen. Mein Vorbild ist Bob Dylan. Der macht auch eine „Never Ending Tour” und verändert ständig seine Setlist.
TV-MEDIA: Dylan kommt heuer nach Wien.
Vitásek: Und ich kann nicht hingehen, weil ich selber spielen muss. Ich hab mich so geärgert. Andererseits: Dylan ist live was für Spezialisten. Ich hab mehrere Konzerte von ihm gesehen. Einmal ist er nur hinter einer Hammondorgel gestanden, wie so ein kleiner Mexikaner unter einem großen Sombrero. Die Begleitband hat den Charme vom Haus der Begegnung im achten Bezirk gehabt. Einmal ist ein Scheinwerfer ausgefallen – das kann ein Fehler gewesen sein oder auch die Lichtshow. Und alle haben gesagt: Er war so gut drauf. Dabei hat er nur einmal zum Publikum gesagt: „Hi, Fans.“ Es ist schon ein Erlebnis, den Herrn zu sehen. Aber Platte ist besser.
TV-MEDIA: Zurück zu Ihnen: Ein weiteres Jubiläum ist 40 Jahre „Müllers Büro” von Regisseur Niki List. Sie sollen zuerst nicht so angetan gewesen sein.
Vitásek: Ich habe das Drehbuch gelesen und gesagt: „Das ist kein Film.“ Gleichzeitig hatte ich das Angebot gehabt, die Serie „Mozart und Meisel” zu drehen. Zu Niki List habe ich gesagt: „Sorry, aber ich mache die Fernsehserie. Das ist seriöser.“ Gott sei Dank wurde der Dreh der Serie um ein Jahr verschoben. Dann konnte ich „Müllers Büro” doch machen. Aber auch in dem Glauben, dass der Film nie ins Kino kommt oder vielleicht ins Stadtkino.
TV-MEDIA: Und dann wurden es eine halbe Million Besucher.
Vitásek: Das war wie eine Lawine. Der Film hat zuerst bei der Berlinale einen riesigen Erfolg gehabt, das ist dann nach Österreich rübergeschwappt. Das war wie ein Traum.
TV-MEDIA: 10 Jahre später war „Ein fast perfekter Seitensprung” mit Ihnen und Elfi Eschke auch ein Riesenhit im Kino – 150.000 verkaufte Tickets.
Vitásek: Das ist eine sehr schöne Erinnerung. Ich habe gern mit Regisseur Reinhard Schwabenitzky gearbeitet, und die Elfi war eine tolle Kollegin.
TV-MEDIA: Damals war ein Markenzeichen der Filme, dass Elfi Eschke in den Filmen ihres eigenen Ehemanns Reinhard Schwabenitzky ständig nackt war.
Vitásek: Es war auch ein Statement: Da ist eine Frau, die nicht den gängigen Schönheitsidealen entspricht und einfach zu ihrem Körper steht. Aber es war schon auch der Reinhard Schwabenitzky, der das forciert hat. Er hat gesagt: „Geh, da sieht man doch nichts. Jetzt mach das Handtuch ein bisschen weiter auf.“ Die Elfi hat keine exhibitionistische Ader gehabt. Ich kann mich an eine Szene erinnern, wo sie in der Badewanne saß, die voller Schaum war, damit man nichts sieht. Dann sagt der Kameramann: „Moment, wir müssen umleuchten, das passt nicht.“ In der Zeit ist der ganze Schaum verschwunden.
TV-MEDIA: Aber Sie haben ja auch immer wieder Sexszenen mit ihr gehabt. War das komisch für dich, dass ihr Mann da hinter der Kamera war?
Vitásek: Nein. Es gibt nichts Unerotischeres, als Sexszenen zu drehen.
TV-MEDIA: Bei der „Brüder”-Trilogie (2002 bis 2005, mit Erwin Steinhauer und Wolfgang Böck) gab es keine Sexszenen.
Vitásek: Nein, aber einen Zungenkuss mit einem Mann. Ich habe einen Homosexuellen gespielt und der Kollege vom Burgtheater, der meinen Freund spielte, hat mir seine Zuge bei der Probe tief in den Hals gesteckt. Da habe ich gesagt: „Du, das ist immer noch eine Probe.” (lacht) Aber der musste sich halt reinfühlen, der war ein Method Actor.
TV-MEDIA: Welcher der drei Teile hat Ihnen am besten gefallen?
Vitásek: Ich liebe die ganze Trilogie. Das kann ich mir nach wie vor anschauen. Vor allem die dritte Folge, der Jakobsweg – das hatte für österreichische Fernsehproduktionen schon eine hohe Qualität. Da mussten wir einen Teil vom Jakobsweg absperren. Als österreichische Pilger gekommen sind, wurde ihnen gesagt: „Sie können nicht weitergehen, da dreht der ORF.” Das war eine harte Ansage (lacht).
TV-MEDIA: „Und ewig schweigen die Männer” um einen Mann in der Midlife Crisis hat 2008 über eine Million TV-Zuseher gehabt. Wie sind da Ihre Erinnerungen?
Vitásek: Sehr schön, auch weil ich gelernt habe, mit einer Harley-Davidson zu fahren. Was gar nicht so einfach ist. Die ist konzipiert für lange Highways in Amerika und nicht für die kurvige Höhenstraße in Wien. Wenn man stehen bleibt, muss man sofort beide Beine auf den Boden stellen. Das habe ich vergessen und bin schon mit ihr umgekippt am ersten Drehtag.
TV-MEDIA: Haben Sie sich danach eine Harley zugelegt?
Vitásek: Nein, meine Frau hat gesagt: „Wenn du Motorrad fährst, ist das der einzige Scheidungsgrund.”
TV-MEDIA: Sind Sie noch zusammen?
Vitásek: Ja, wir sind glücklich verheiratet.