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Ärger mit Netflix: bald nur noch KI-Synchronstimmen?

Natascha Geisler war die deutsche Stimme von Jennifer Lopez. Bis sie sich weigerte, eine KI-Klausel zu unterschreiben.

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Peter Slavin
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Natascha Geisler zeigt Mut gegenüber Netflix

Natascha Geisler zeigt Mut gegenüber Netflix

© IMAGO Images/Future Image

„Ohne jede Freiwilligkeit”

Natascha Geisler ist seit ihrem achten Lebensjahr Synchronsprecherin – wobei: Sie selbst nennt sich Synchronschauspielerin. Das ergibt Sinn. Die Menschen, die im Studio stehen und Hollywood-Stars ihre Stimme leihen, sagen nicht einfach einen Text auf. Sie spielen diese Rolle mit ihrer Stimme. Doch der Beruf droht auszusterben. Vor Kurzem ließ Amazon Prime den Film „Deadly Patient” von einer KI synchronisieren. Das Ergebnis war ein Desaster mit Texten wie „Ich sollte da gestorben haben“.

Aber KI lernt schnell, und vor allem die Streamer zeigen wenig Skrupel, wenn es um die Zukunft der Branche geht. Netflix hat Synchronschauspielern einen neuen Vertrag mit einer KI-Klausel präsentiert. Natascha Geisler wollte ihn nicht unterschreiben – und ist nun nicht mehr die feste Stimme u. a. von Jennifer Lopez, die sie seit 2000 (in „The Cell”) gesprochen hat. Wir fragten bei der 51-jährigen Münchnerin nach.

Die deutsche Stimme von Superstars Jennifer Lopez war seit 2000 Natascha Geisler.

© IMAGO Images/Cover-Images

TV-Media: Was ist los zwischen Ihnen und Streaminggigant Netflix?

Natascha Geisler: Ich würde es gar nicht so persönlich formulieren, aber es ist gerade fordernd mit Netflix aufgrund der aktuellen Vetragssituation. Um es auf das Wichtigste runterzubrechen: Es gibt eine KI-Klausel, wo es darum geht, dass unsere Stimmen für KI-Trainings genutzt werden sollen. Und wir haben gar nicht die Möglichkeit zu sagen, ob wir das wollen oder nicht. Es ist ohne jede Freiwilligkeit.

TV-Media: Was ist das größte Problem an dieser KI-Klausel?

Geisler: Eines vorweg: Wir sind nicht technikfeindlich, darum geht es nicht in der Debatte. Sondern um Urheberrecht, um Persönlichkeitsrecht, um das Recht an der eigenen Stimme und das Recht an der schöpferischen Kunst, die wir leisten und nicht in eine KI einpflegen lassen wollen.

TV-Media: Wenn man die KI mit Stimmen der Synchronschauspieler füttert, sind diese wohl irgendwann nicht mehr nötig …

Geisler: Das ist es, was in Zukunft passieren könnte. Es gibt jetzt gerade aktuell ein sehr deutliches Beispiel auf einer anderen Plattform mit dem Film „Deadly Patient”.

TV-Media:  … den Prime wieder runtergenommen hat, weil die Synchronisation von der KI katastrophal war.

Geisler: Womit wir bei einer ganz entscheidenden Sache sind: Es geht nicht nur um unsere Stimmen im herkömmlichen Sinn, sondern um die Kunst dahinter, das Timing, das Erfassen der Emotionen.

TV-Media: Sie haben den Netflix-Vertrag nicht unterschrieben. Haben Sie dadurch Synchron-Jobs verloren?

Geisler: Oh ja, einige.

TV-Media: Ist die Tür zu Netflix zu?

Geisler: Ich habe mehrfach gesagt, dass ich unter Ausschluss dieser Klausel gerne wieder zusammenarbeiten würde, aber darauf hat Netflix nicht einmal reagiert.

TV-Media: Jetzt übernehmen Kolleginnen diese Sprecher-Jobs bei Netflix. Hart ausgedrückt ist das jetzt einfach Pech für Sie?

Geisler: Ja, selbst gewählt. Es ist meine freie Entscheidung, und dazu stehe ich auch.

Link zum VDS – Verband deutscher Sprecher

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Über den Autor
Peter Slavin
Peter Slavin

Mitglied der Chefredaktion von TV-MEDIA. Ist der Meinung, dass ein Leben ohne Filme, Serien und Musik möglich ist, aber überhaupt keinen Spaß macht. Schaut sich vom A-Liebesfilm bis zum B-Grusler alles an. Sogar Musicals, auch wenn er singende Dialoge seltsam findet.

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