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Antonia Stabinger im Gespräch

Zwei Monate lang hat Antonia Stabinger ihr Homeoffice ans Meer verlegt. Gemeinsam mit Kind, Hund und zwei Jobs war das zwar alles andere als unkompliziert, sagt sie rückblickend, aber genau die richtige Entscheidung. Dass sich unbequeme Wege oft lohnen, zieht sich auch durch ihr preisgekröntes Kabarettprogramm Angenehm. Die 41-jährige wurde dafür 2025 mit dem Österreichischen Kabarettpreis ausgezeichnet. Nun eröffnet die gebürtige Grazerin die neue ORF-1-Reihe DIE.NACHT Sommerfrische. Im TV-MEDIA-Interview erzählt sie, warum die Pflegemutterschaft die beste Entscheidung ihres Lebens war, welchen Rat sie Männern mitgeben möchte und weshalb am Ende alle davon profitieren, wenn Frauen nicht für andere angenehm sein müssen.

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Carina Dieringer
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7 min

TV-MEDIA: Warum gilt bei Frauen oft: Je angenehmer im Sinne von angepasst, desto beliebter sind sie?

Stabinger: Meine Lieblingsfreundinnen sind die, die durchaus harsch und klar in ihren Ansagen sind. Die schmieren einem keinen Honig ums Maul, sondern man kommt direkt zur Sache. Da weiß man immer, woran man ist. Wenn man das als Gegenüber annehmen kann, ist das angenehmer!

TV-MEDIA: Viele Ihrer Pointen drehen sich um Rollenbilder. Sind wir überhaupt bereit, Frauen wirklich frei sein zu lassen?

Stabinger: Ich glaube: immer mehr. Weil die Gesellschaft versteht, dass alle dadurch einen Vorteil haben, wenn Frauen selbstbestimmt leben. Die Erkenntnis, dass Feminismus tatsächlich auch Männern sehr viel bringt, sickert langsam durch. Ich beobachte das bei befreundeten Paaren: Wenn Frauen nicht in alten Rollenbildern verhaftet sind, verändert sich etwas. Wenn Frauen selbstbestimmt leben und nicht gezwungenermaßen zu Hause bleiben und alles allein stemmen müssen, dann ist das Verhältnis in der Partnerschaft auf Augenhöhe und die Beziehung hält mehr aus. Das ist gut für alle.

TV-MEDIA: In Ihrem Programm bekommt auch die Clit/Doris eine Stimme. Warum tun wir uns bis heute so schwer, offen über weibliche Lust zu sprechen?

Stabinger: Es ist noch relativ neu, dass Frauen Freude am Sex haben dürfen. Das müssen wir alle erst lernen. Aber auch hier zahlt es sich aus, sich über diese Grenze zu trauen. Nicht nur für die Frauen, sondern auch für die Männer. Es macht schließlich mehr Spaß, wenn man merkt, dass das Gegenüber auch Spaß hat. So können alle Geschlechter in meinem Programm etwas über Geschlechtlichkeit lernen. 

TV-MEDIA: Wie wäre die Welt, wenn Frauen Männerprivilegien hätten?

Stabinger: Das ist die große Frage. Ich glaube, sie wäre sehr schön. Aber man weiß es halt nicht. Deswegen würde ich sagen: Probieren wir es mal aus.

TV-MEDIA: Welchen Rat würden Sie Männern gerne mit auf den Weg geben?

Stabinger: Traut euch, aus der Komfortzone und über die alten Rollenbilder hinauszuschauen. Euer Leben wird dadurch selbstbestimmter und individueller werden, auch ihr dürft alles sein!

TV-MEDIA: Sie haben sich entschieden, ohne Partner Pflegemutter zu werden. 

Stabinger: Ich habe das tatsächlich gemacht, weil ich die Schlagzeilen immer weniger ausgehalten habe. Dass wir darüber diskutieren, ob wir Leute im Mittelmeer ertrinken lassen oder vielleicht doch retten – das wurde mir zu krass. Ich habe das Gefühl bekommen, ich möchte auch abseits der Bühne sinnvolle Dinge machen. Dann habe ich mir gedacht: Ja gut, ich könnte Geld spenden. Aber ich wollte selbst das Gefühl haben, ich mache das Leben von zumindest einer Person  signifikant besser. Dann habe ich von dem Konzept der Pflegekinder gehört. Das hat mich so beeindruckt, dass ich beschlossen habe, das zu machen. Es war die beste Entscheidung meines Lebens. Auch ganz egoistisch gesprochen: Es macht mir die Krisen dieser Welt aushaltbarer, weil ich das Gefühl habe, ich tue in einem kleinen Rahmen etwas, das etwas verändert. Das ist jetzt aber natürlich kein Sozialprojekt mehr für mich. Das ist mein Kind und es wird für immer bleiben!

TV-MEDIA:Wie haben die Menschen in Ihrem Umfeld darauf reagiert?

Stabinger: Eigentlich war für die meisten vor allem überraschend, wie ich Mutter geworden bin. Als ich mit dem Kinderwagen die ersten Male unterwegs war, sind Leute, mit denen ich noch nie ein Wort gewechselt hatte, mit dem Auto auf der Straße stehen geblieben und haben gesagt: „Bitte was? Wie geht das?“ Weil ich ja nicht schwanger war. Die waren völlig aus dem Häuschen. Einen Tag bevor meine Tochter bei mir eingezogen ist, war das Saisonabschlussfest im Kabarett Niedermair. Dann bin ich dort gestanden, mit einem Spritzer  und habe gesagt: „Morgen bekomme ich ein Kind.“ Alle haben auf meinen Bauch geschaut, dann auf mein Getränk und dann auf mich und gefragt: „Was?“ 

TV-MEDIA: Gibt es etwas, das Sie Ihrer Pflegetochter unbedingt mitgeben möchten, weil Sie es selbst erst spät gelernt haben?

Stabinger: Nimm dir deinen Raum, hör immer auf dein Gefühl und – auch wenn das zu meinem Nachteil sein wird – nur weil eine Person erwachsen ist, heißt es noch lange nicht, dass sie recht hat.

TV-MEDIA: Sie singen am Ende Ihres Programms ein Loblied auf den Widerstand. Wo ertappen Sie sich manchmal selbst dabei, es sich lieber bequem zu machen?

Stabinger: Im Bett in der Früh zum Beispiel. Da liege ich sehr gern und denke mir: „Mensch, zum Glück ist mein Beruf so.“ Aber jetzt mit Aufstehen und Kindergarten sollte man vielleicht doch zeitig los. Heute bin ich zum Beispiel wieder zu spät gekommen, aber es ist ja ein bisschen Ferienmodus. Also: Im Bett in der Früh – da bin ich schwer rauszukriegen.

Fotocredit: © Jasmin Schuller

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