Oscars: Wie funktioniert die Verleihung der Awards und wer darf dabei mitreden?

Mehr zum Thema: The Oscars – Academy Award

Kleine Goldstatue, große Wirkung: Für Filmschaffende ist der Oscar die größte Ehre – doch wie kommt man an ihn ran?

Kleine Goldstatue, große Wirkung: Für Filmschaffende ist der Oscar die größte Ehre – doch wie kommt man an ihn ran?

Seit 1929 werden in Hollywood jährlich die besten Filme und deren Protagonist*innen vor bzw. hinter der Kamera geehrt und mit dem sogenannten Oscar belohnt. Für diese Goldstatuette würde so mancher Filmschaffende alles geben – doch wie kommt man an so ein Ding ran, und wie funktionieren die Academy Awards eigentlich? So viel sei vorab verraten: Hinter den Kulissen geht es ziemlich mathematisch zu!

Wer darf nominiert werden? / Welche Filme kommen infrage?

Sie ahnen es: Um eine Nominierung für den heißbegehrten Oscar zu erhalten, muss ein Film gewisse Kriterien erfüllen. In erster Linie muss er einmal eine Spielzeit von über 40 Minuten haben (dies gilt natürlich nicht für die Kurzfilm-Kategorien) und im jeweiligen Vorjahr mindestens eine Woche lang im County von Los Angeles im Kino gelaufen sein. Überdies darf der Film vor den Awards nicht anderweitig als im Kino gezeigt worden sein – also etwa im TV oder bei einem Streaming-Anbieter. Eine gleichzeitige Premiere im Los Angeles County und per VoD ist jedoch erlaubt. Zusätzlich muss ein offizielles Screen-Credits-Formular eingereicht werden. Besondere Regeln gelten für Dokumentarfilme, Animationsfilme, Kurzfilme aller Art, fremdsprachige Filme sowie Filmmusik und -songs.

Wer gibt seine Stimme ab? / Wer sind die Wähler?

Bei den meisten Oscar-Kategorien (insgesamt gibt es aktuell übrigens 24) darf für bis zu fünf Kandidaten gestimmt werden, mehr als einer muss aber nicht genannt werden; bei „Make-up und Frisuren“ nur für bis zu drei, weil es dort nur drei Nominierte gibt. Beim „Besten Film“ sind zwar fünf bis zehn Nominierte möglich, trotzdem kann nur für bis zu fünf gestimmt werden. Ihre Favoriten ordnen die Wähler nach Präferenz, deswegen heißt das Ganze auch Rangfolge-Wahlverfahren.

Abstimmen dürfen nur die Mitglieder des jeweiligen Zweiges, mit Ausnahme der Kategorie „Bester Film“. Was bedeutet das im Klartext? Regisseure geben ihre Votes in der „Beste Regie“-Kategorie ab, Schauspieler stimmen für „Beste/r Schauspieler/in“ bzw. „Beste/r Nebendarsteller/in“, die Autoren dürfen bei den „Drehbuch“-Nominierungen mitbestimmen und so weiter. Einige Kategorien bestimmen ihre Nominierten durch Komitees (so z. B. „Fremdsprachiger Film“, „Animationsfilm“, „Visuelle Effekte“) bzw. erstellen zunächst eine Shortlist („Dokumentarfilm“, „Make-up und Frisuren“ sowie alle Filme der „Kurzfilm“-Kategorien).

Wie funktioniert die Auszählung?

Für die Auswertung der Stimmen ist die Firma PricewaterhouseCoopers zuständig. Deren Mitarbeiter zählen – bitte festhalten – tatsächlich per Hand aus, indem sie die eingeschickten bzw. ausgedruckten Stimmzettel wieder und wieder zu Häufchen auf- und umschichten, bis alle Nominierten ermittelt sind. Dass dabei strengste Geheimhaltung das oberste Gebot ist, muss freilich nicht extra erwähnt werden. Besondere Maßnahmen werden für die wahrscheinlich wichtigste Kategorie („Bester Film“) getroffen: Sämtliche Stimmzettel werden zunächst nach dem Kandidaten geordnet, der bei ihnen jeweils auf Platz 1 steht. Anwärter, die nirgends auf Platz 1 aufscheinen, scheiden an dieser Stelle bereits aus. Damit soll sichergestellt werden, dass ein Kandidat mindestens einen hingebungsvollen Unterstützer hat und nicht nur jede Menge halbherzige.

Was bitte ist die „magische Zahl“?

Nach diesem Schritt kommt die sogenannte „magische Zahl“ ins Spiel. Auch hier muss man kein sonderliches Genie sein, um zu erraten, was passiert: Es wird ein wenig mathematisch. Die ominöse Zahl gibt an, wie viele Stimmen ein Kandidat mindestens haben muss, um auf jeden Fall nominiert zu werden, und wird ermittelt, indem die Anzahl der Abstimmenden durch die Anzahl der zu Nominierenden plus 1 geteilt und dem Ergebnis 1 hinzugezählt (bei ganzzahligen Ergebnissen) bzw. es aufgerundet wird. Erreichen dann so viele Kandidaten, wie es Plätze gibt, diese Zahl, ist es mathematisch unmöglich, dass noch ein weiterer Kandidat genügend Stimmen bekommt. Ziemlich komplex, oder?

Ein kleines Fallbeispiel: Für die aktuellen Oscars sind insgesamt 6.687 Academy-Mitglieder wahlberechtigt. Da sie alle in der Kategorie „Bester Film“ abstimmen durften, gibt es dort mit 608 die größte „magische Zahl“ (6.687 geteilt durch 10 plus 1, dann aufgerundet = 608). Erreichen zehn Kandidaten jeweils mindestens 608 Stimmen, ergibt dies zusammen 6.080. Ein elfter könnte dann nur noch 607 erreichen, nicht genug für eine Nominierung.

Der größte Zweig der Academy sind die Schauspieler mit 1.158 Mitgliedern, was 194 zur magischen Zahl macht (1.158 geteilt durch 5 plus 1, anschließend 1 dazugezählt). Der kleinste Zweig, der für einen Oscar nominiert wird, sind die Kostümdesigner mit 117, bei denen die magische Zahl 20 lautet (117 geteilt durch 5 plus 1, dann aufgerundet). Vorausgesetzt natürlich, alle stimmen ab.

Und was ist die „Überschuss-Regel“?

Was im (Mathe-)Lehrbuch steht, trifft bekanntlich selten ein – oder haben Sie tatsächlich jemals besagte Person beim Einkaufen getroffen, die 20 Melonen auf einmal im Einkaufswagerl liegen hat? Auch bei den Oscars fällt die Abstimmung im seltensten Fall so ideal aus, dass alle Plätze durch sofortiges Erreichen der „magischen Zahl“ besetzt werden. Deswegen geht es im nächsten Step meistens ans große Umverteilen. Die Stimmen aller Kandidaten, die bis hierhin mindestens 20 Prozent (abgerundet) mehr Stimmen erhalten haben als die magische Zahl, werden aufgeteilt (jedoch nur in der ersten Wahlrunde). Der Anteil jeder Stimme, den sie zum Erreichen der magischen Zahl benötigen, geht tatsächlich an sie, der (auf eine Nachkommastelle abgerundete) Rest an den Kandidaten auf dem Stimmzettel, der auf dem höchsten Rang darunter steht, der noch im Rennen und noch nicht nominiert ist. (Ja, es wird wieder etwas komplexer.) Warum man die Umverteilung macht, ist simpel: Durch diese Regelung kann jeder guten Gewissens für einen Kandidaten stimmen, von dem er annimmt, dass er ohnehin besonders viele Stimmen erhält, ohne dass die überflüssigen Stimmen verloren gehen.

Sollte zum Beispiel La La Land 1.520 Stimmen erhalten haben, obwohl er nur 608 benötigte, braucht er von jeder Stimme nur 2/5, um auf 608 ganze Stimmen zu kommen. Die restlichen 3/5 jeder Stimme gehen somit an einen anderen Kandidaten auf dem Stimmzettel.

Nach dieser Umverteilung wird, wenn es noch nicht genügend Nominierte gibt, eine neue magische Zahl errechnet, da ja nun weniger Stimmzettel im Spiel und weniger Nominierungsplätze zu füllen sind. Dann geht der ganze Spaß von vorne los. Jedes Mal, wenn dabei kein Kandidat die magische Zahl erreicht, fällt der Letztplatzierte weg, und seine Stimmzettel werden an die auf ihnen jeweils höchstplatzierten verteilt, die noch im Rennen und noch nicht nominiert sind – und zwar als ganze Stimmen, nicht nur anteilige.

An dieser Stelle sind wir uns ehrlich gesagt nicht sicher, ob man einen Doppeldoktor in Atomphysik haben muss, um bei den Oscar-Auswertungen klugscheißern zu dürfen …

Die Oscar-Nominierungen für den „Besten Film“

Für den „Besten Film“ gibt es freilich Extrawürstel (immerhin ist die Kategorie ja unter Filmfreunden quasi heilig) und damit keine fixe Anzahl Nominierungen, sondern fünf bis zehn. Zudem muss ein Kandidat auf mindestens fünf Prozent der Stimmen kommen, um als „Best Picture“ nominiert zu werden. Man will damit sicherstellen, dass nicht jeder x-beliebige Streifen in der Liste aufscheinen kann.

Abermals wird die „magische Zahl“ berechnet, ausgehend von maximal zehn möglichen Nominierungen. Wer sie erreicht, ist nominiert. Erhält ein Kandidat mindestens zehn Prozent (abgerundet) mehr Stimmen, als zum Erreichen der magischen Zahl nötig sind, werden die Stimmen abermals anteilig umverteilt. Anschließend wird ermittelt, ob durch dieses Verfahren weitere Nominierte aufgepoppt sind.

Hat ein Film nach dieser Umverteilung weniger als ein Prozent (aufgerundet) der Stimmen, ist er aus dem Rennen – und seine Stimmzettel werden ebenfalls umverteilt (und zwar wie gehabt an die auf ihnen jeweils Höchstplatzierten, die noch im Rennen sind; jetzt wieder als ganze Stimmen, nicht nur anteilig). Dadurch soll sichergestellt werden, dass die Stimmen von exzentrischen Wahlen nicht verfallen. Alle Filme, die nun mindestens fünf Prozent der Stimmen haben, sind ebenfalls nominiert.

Sind das mindestens fünf und maximal zehn, stehen die Nominees fest. Puh! Sind es weniger als fünf, geht die ganze Chose mit allen Stimmzetteln nochmal von vorne los, allerdings mit fünf statt bis zu zehn zu füllenden Plätzen – und somit einer höheren magischen Zahl. Gibt es mehr als zehn Filme, die mindestens fünf Prozent der Stimmen haben, wird so lange der jeweils letzte Platz umverteilt, bis es höchstens zehn gibt, die die erste magische Zahl erreichen, und nicht nur mindestens fünf Prozent aller Stimmen.

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