Geheimnisvolle Filmtitel: Was hinter A Clockwork Orange & Co steckt

Was haben diese Titel eigentlich mit der Handlung in den Filmen zu tun?

Was haben diese Titel eigentlich mit der Handlung in den Filmen zu tun?

Wir haben die Filme schon zigmal gesehen und uns vielleicht hie und da einmal Gedanken über die Titelgebung gemacht. Aber was haben zum Beispiel ein Uhrwerk und eine Orange mit Alex und seinen Gewaltorgien in ‚A Clockwork Orange‘ zu tun? Oder: Wer oder was sind ‚Reservoir Dogs‘? Und was genau wurde eigentlich ,vom Winde verweht‘?

Wir haben uns auf Spurensuche begeben und konnten jetzt die ominösen Hintergründe zu so manch obskurem Filmtitel ermitteln.

The Breakfast Club

Im Film sind lediglich Nachsitz-Schüler zu sehen, die aber nie wirklich zusammen frühstücken. Also woher kommt der Titel des Kultfilms mit Molly Ringwald und Konsorten? Es war so: Studenten und Personal der New Trier High School haben den Begriff „Breakfast Club“ erfunden. Gemeint waren damit die Kids (und Lehrer), die vor der regulären Schulzeit nach- bzw. „vorsitzen“ mussten. Regisseur John Hughes’ Sohn hatte einen Freund, der dem Breakfast Club angehörte. So erklärt sich dann auch der Filmtitel.

Cloverfield

Eigentlich hätte der Titel ja ‚Greyshot‘ (nach dem Bogengang, in dem die Überlebenden Schutz suchen) lauten sollen, dann entschieden sich die Macher aber doch für ‚Cloverfield‘. Computerfreunde kennen Cloverfield vielleicht noch als CPU-Name einer Intel-Prozessorengeneration für Tablets. Aber sonst? Die Story spielt in New York ... Des Rätsels Lösung: Cloverfield ist der FBI-Code für den Fall, dass ein Monster mal eine Stadt angreift. Und: J. J. Abrams (der Produzent des Films) fährt auf seinem Arbeitsweg ins Santa-Monica-Büro auf einer Straße, die Richtung Santa Monica Airport führt. Dieser hatte ursprünglich den Namen Clover Field.

Reservoir Dogs

Alle wollen Mr. Black sein – na ja, das können wir irgendwie verstehen, wer will schon Mr. Pink sein? Aber wie ist Quentin Tarantino bloß auf diesen Filmtitel gekommen? In der Zeit, als er in einer Videothek arbeitete, hatte er ein Erlebnis: Er war dabei, einem Kunden den französischen Film ‚Auf Wiedersehen, Kinder‘ (‚Au revoir, les enfants‘) von Louis Malle zu empfehlen, was dieser aber – des Französischen nicht mächtig – mit den Worten „I don’t want no reservoir dogs!“ ablehnte.

Eyes Wide Shut

Tja, Augen weit geschlossen. Wenn man länger drüber nachdenkt, dann wird einem ganz schwindlig davon. Und dann noch Nicole Kidman und Tom Cruise und dieses superheiße Maskending. Aber ja, der Titel spielt auf die Lebenslügen der zwei Harfords an, die ihnen zwar deutlich bewusst sind, vor denen sie jedoch lieber die Augen verschließen. Schönes Wortspiel!

Vom Winde verweht

Im Laufe der Stunden, die dieser Monumentalklassiker dauert, wird ja so einiges verweht: Die Saat (tatsächlich vom Wind), Rhett, der sich zum Schluss vertschüsst, alles vorbei, alles verweht eben. Ist es das, was uns der Titel sagen will? Jein. In Wahrheit stammt der Titel ,Gone with the Wind‘ aus dem Gedicht ,Cynara‘ von Ernest Dowson. Cynara ist die lateinische Bezeichnung für Disteln, darunter übrigens auch die schwer zu knackende, aber lecker schmeckende Artischocke. Dahinter steckt noch eine andere Story mit dem römischen Philosophen Horaz und einer unglücklichen Liebesbekanntschaft, der Griechin Cinara (die er gerne kosten wollte, an der er sich aber leider sozusagen gestochen hat, weil sie nichts von ihm wissen wollte). Der Dichter Dowson verliebte sich 1889 in die damals noch minderjährige Adelaide „Missie“ Foltinowicz, die später auch noch seinen Heiratsantrag ablehnte. Der Weg war frei für sein Cynara-Gedicht, in dem eine Zeile „I have forgot much, Cynara! gone with the wind“ lautet und seine Verzweiflung ausdrückt. Diese hat dann wiederum Margaret Mitchell seinerzeit inspiriert, das Buch ‚Gone With the Wind‘ zu schreiben.

The Pink Panther

Wofür steht eigentlich „Pink Panther“? Für den Inspektor, nicht wahr? Oder jedenfalls für den rosaroten Panther (auch Paulchen Panther genannt, man sieht ihn am Plakat im Hintergrund)! Alles falsch, wie eingefleischte Fans wissen. Der Pink Panther ist ein überdurchschnittlich großer Diamant, der aufgrund seines rosaroten Schimmers und eines kleinen Schattens in der Mitte einem springenden Panther ähnelt.

Equilibrium

Christian Bale ist ein Gott, jaja. Und der Film, nun, der heißt halt ‚Equilibrium – Killer of Emotions‘. Gleichgewicht also, gut, hm. Na Hauptsache, das mit den Gefühlen kriegen sie hin. Eine offizielle Erklärung für den Filmtitel gibt es nicht. Aber die Moral des Films (wenn man nicht nur auf die Kampfszenen scharf war) rechtfertigt ihn: Am Ende gibt es für Preston eine Art Gleichgewicht (wohl seines persönlichen Schreckens): Er hat seine Freiheit gewonnen, aber alles, woran er geglaubt hat, liegt in Trümmern – und ohne den betäubenden Einfluss der Droge muss er sich jetzt auch seinen eigenen Untaten stellen. Und dann wäre da noch die Gleichgewichtstheorie der Intimität (engl.: Equilibrium theory of intimacy) von Argyle & Dean bzw. Argyle & Kendon, die besagt, dass eine Abweichung vom Gleichgewicht eine Tendenz zu einem kompensatorischen Ausgleich hervorruft. So geschehen in ‚Equilibrium‘.

Vanilla Sky

Dieser Titel klingt lecker, doch was hat es mit dem Vanillehimmel auf sich? Wer den Film gesehen und gut aufgepasst hat, weiß es sicher. Für die anderen gibt es diese Erklärung: Der Titel des Films leitet sich von dem „vanillefarbenen Himmel“ im Gemälde ,Die Seine bei Argenteuil‘ (1873) vom französischen Maler Claude Monet her.

A Clockwork Orange

Hinterfragt man den Titel von Stanley Kubricks Kultfilm mit Malcolm McDowell in der Hauptrolle, so landet man schnell bei der Buchvorlage von Anthony Burgess. Lassen wir ihn daher selbst zu Wort kommen: „1945, als ich von der Army kam, hörte ich einen achtzigjährigen Cockney in einem Londoner Pub von jemandem sagen, er sei schräg wie eine aufgezogene Orange (as queer as a clockwork orange). Der Ausdruck faszinierte mich als eine Äußerung volkstümlicher Surrealistik. Die Gelegenheit, die Redensart auch als Titel zu benutzen, kam 1961, als ich mich daranmachte, einen Roman zum Thema Gehirnwäsche zu schreiben. Der Mensch ist ein Mikrokosmos, er ist ein Gewächs, organisch wie eine Frucht, er hat Farbe, Zerbrechlichkeit und Süße. Ihn zu manipulieren, zu konditionieren, bedeutet, ihn in ein mechanisches Objekt zu verwandeln – eine Uhrwerk-Orange.“

Trainspotting

Trainspotting ist die hobbymäßige Beobachtung von Zügen. So weit, so gut. Doch wann beobachtet jemand im Film Züge? Auch bei diesem Filmtitel lohnt ein Blick ins Buch: Trainspotting bezieht sich auf eine Szene im namensgebenden Roman, die im Film nicht vorkommt und in der Begbie und Renton an einem Bahnhof Begbies heruntergekommenen Vater treffen, der sie fragt, ob sie Trainspotter wären.

The Big Easy (Der große Leichtsinn)

In der Übersetzung heißt ‚The Big Easy‘ eigentlich „Unbeschwertheit“, tatsächlich ist es aber ein in den USA gebräuchlicher Spitzname für die Stadt New Orleans.

Magnolia

Zu diesem Titel gibt es einiges Wissenswertes: Die Zahlen 8 und 2 sind mehrfach im Film zu sehen. So trägt etwa in den drei Episoden des Vorspanns ein Erhängter die Nummer 82 auf der Brust, auf einem Feuerlöschflugzeug steht die 82 und ein Seil formt eine 82 neben einem Buben, der auf dem Dach steht, kurz bevor er hinunterspringt. Auf der Anzeigentafel zum Galadiner der forensischen Mediziner ist der Beginn auf 8:20 pm angesetzt. Ein Schriftzug im Film setzt die Regenwahrscheinlichkeit auf 82 % fest. Während Donnie in einer Bar von seiner Vergangenheit erzählt, sind die Zahlen 8 und 2 nebeneinander auf einer Tafel zu sehen. Im Casino braucht Craig als Karte eine 2 für ein gutes Blatt, bekommt jedoch eine 8. Donnie Smiths Gewinn aus der Spielshow wird auf den 28. April 1968 (9 minus 1 und 8 minus 6) datiert. Außerdem sieht man auf den Werbetafeln an den Bushaltestellen die Aufschrift „Exodus 8,2“. Zu guter Letzt erwähnte Regisseur Anderson in einer US-Talkshow, dass auch der Filmtitel kein Zufall sei, habe doch das Wort „Magnolia“ acht Buchstaben. Der Filmtitel hat aber auch noch andere Bezüge zum Film und den Zahlen 8 und 2 selbst, was Anderson u. a. im Filmabspann aufführt: Eine der Straßen, in denen der Film spielt, ist der „Magnolia Blvd.“ im San Fernando Valley. „Magnolia“ klingt so ähnlich wie der im Abspann erwähnte Terminus „Magonia“, den Charles Fort und Jacques Vallée geprägt haben, für einen Ort im Himmel, an dem Dinge so lange verbleiben, bis sie wieder auf die Erde zurückfallen.

Wenn der Postmann zweimal klingelt

Hat sich zwar eingespielt, dass man bei dem „Sprichwort“ automatisch an eine heiße Affäre denkt (Frau ist daheim und wartet auf den Postler, der quasi als Zeichen zweimal klingelt), tatsächlich ist Jack Nicholson aber kein Briefträger oder klingelt sonst in irgendeiner Weise an der Türe von Jessica Lange. Um den Titel zu ergründen, muss man sich der Romanvorlage von James M. Cain annehmen: Nach dem Grund für den Titel gefragt, sagte Cain, dass er mit der Veröffentlichungsgeschichte des Romans zusammenhänge: Er sei bereits von 13 Verlegern abgewiesen worden, bevor er vom 14. angenommen wurde. Als er gefragt wurde, wie das Buch denn heißen solle, entschloss er sich dazu, sich auf seine Erfahrung zu verlassen, und schlug ,The Postman Always Rings Twice’ vor. Der englische Titel hat nämlich eine doppelte Bedeutung: „The Postman Always Rings Twice“ bedeutet nicht nur „Der Postbote klingelt immer zweimal“, sondern auch „Es gibt immer eine zweite Chance“. Dies trifft sowohl auf Cain als auch auf verschiedene Situationen im Buch zu. Da dieses Wortspiel im Deutschen nicht existiert, wurde für die Übersetzung zunächst ein anderer Titel verwendet. Aufgrund der erfolgreichen Verfilmung wurde später jedoch eine bewusste Falschübersetzung in Anlehnung an den englischen Titel gewählt („Postman" heißt im Deutschen „Postbote“ oder „Briefträger“, nicht jedoch „Postmann“).

Pulp Fiction

Dieser Titel ist der englischen Umgangssprache entnommen. Mit ihm wird Trivial- oder Schundliteratur (englisch: pulp fiction) bezeichnet, also Nachfolger der Groschenromane, wobei in einem Heft meist mehrere Kurzgeschichten zusammengefasst sind. Und tatsächlich – ,Pulp Ficton‘ besteht aus drei verschiedenen Episoden.

Einer flog über das Kuckucksnest

Bei diesem Film weiß jeder, worum es geht: Leute in einer psychiatrischen Anstalt, die jeweils den einen oder anderen „Vogel“ haben. Doch warum dann Kuckucksnest und nicht Vogelnest? Es ist so: Der Titel der Romanvorlage von Ken Kesey leitet sich von einem englischen Kinderreim ab. Die Verse „ ... one flew east, one flew west, one flew over the cuckoo’s nest“ sind der Romanhandlung vorangestellt. Die Verse tauchen ein zweites Mal auf, wenn der Erzähler sich daran erinnert, wie er gemeinsam mit seiner Großmutter den in der Sonne trocknenden Lachs bewachte und sie die Kinder über Stunden mit dem Abzählreim beschäftigte.
Tingle, tingle, tangle toes
she’s a good fisherman,
catches hens,
puts ’em inna pens …
wire blier, limber lock,
three geese inna flock …
One flew east,
And one flew west,
And one flew over the cuckoo’s nest.

Die Absurdität des Abzählreims besteht darin, dass drei Gänse (geese), die in einem Schwarm (flock) fliegen, nicht gleichzeitig in verschiedene Richtungen (east, west) fliegen können und der Kuckuck kein Nest baut. „Cuckoo“ hat in der amerikanischen Umgangssprache auch die Bedeutung „verrückt“. Das „cuckoo’s nest“ kann daher für die psychiatrische Anstalt stehen.

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