"Spider-Noir "ist zwar eine Superheldenserie, aber zuallererst eine klassische Detektivgeschichte in der Tradition des Film Noir der 40er-Jahre, und gibt sich auch visuell vollends dem Genre hin. Wer den vor Kreativität überbordenden Animationshit "Spider-Man: A New Universe" gesehen hat, kennt die alter-native, in schwarz gekleidete Version des Spinnenhelden bereits. Schon 2019 lieh Nicolas Cage der Marvel-Figur seine Stimme, in der Realserie verkörpert er sie nun mit vollem Körpereinsatz. Mit Peter Parker und Teenie-Problemen hat "Spider-Noir" erfrischenderweise nichts zu tun. Die Geschichte spielt im New York der 30er, wo der alternde Privatdetektiv Ben Reilly (Nicolas Cage) gerade so über die Runden kommt. Sein Spinnenkostüm hat er nach einer Tragödie vor Jahren an den Nagel gehängt, seither hat der irische Gangsterboss Silvermane (Brendan Gleeson) in der Metropole freie Hand. Doch als Kriegsveteranen mit eigenartigen Fähigkeiten die Stadt unsicher machen und eine mysteriöse Nachtclub-Performerin (Li Jun Li) seine Hilfe sucht, wird es für den desillusionierten Ermittler Zeit, wieder als Spinne gegen die kriminellen Machenschaften in der Stadt vorzugehen. Unterstützt wird er von seiner cleveren Sekretärin Janet (Karen Rodriguez) und seinem Freund Robbie Robertson (Lamorne Morris), einem entschlossenen Journalisten, der als einer von wenigen von Reillys zweiter Identität weiß.
Mit viel Liebe zum Detail rekonstruiert "Spider-Noir Bildsprache "und Stimmung des Film Noir samt gekonntem Spiel mit Licht und Schatten sowie ungewöhnlichen Kameraperspektiven. Die Stadt wird geplagt von Korruption, eine undurchsichtige Femme Fatale bringt die Geschichte ins Rollen, und unser Protagonist ist dem einen oder anderen Drink nicht abgeneigt. Unverkennbar hat sich Cage von Humphrey Bogarts Rollen in diversen Film-Noir-Klassikern ("Tote schlafen fest", "Die Spur des Falken") inspirieren lassen und ist als cleverer, vom Leben gezeichneter Detektiv so einnehmend lässig, dass die Serie auch ohne die Superheldenaction bestens funktionieren würde. Neben der wunderbar altmodisch wirkenden SW-Fassung wird die Serie auch in Farbe veröffentlicht, wohl um die jüngere Zielgruppe nicht abzuschrecken. Auch wenn die Farbversion handwerklich stark umgesetzt ist, stilistisch für sich steht und an knalligere Comics erinnert, ist es die Version in Schwarz-Weiß, in der die Stärken der Serie wirklich hervortreten. Trotz erwachsener Männer in schrägen Kostümen und überzeichneter Bösewichte entsteht hier eine gewisse Ernsthaftigkeit, die Cage und Co mit feinem Gespür für die komödiantischeren Szenen auflockern. In Farbe wirken diese Slapstick-Elemente und die flotten Dialoge im Vergleich oft zu verspielt. Der omnipräsente Rauch der Zigaretten, die heruntergekommene Metropole und nicht zuletzt die Krimigeschichte voller ambivalenter Figuren selbst, das passt perfekt zu der visuellen Handschrift des Film Noir. Eine originelle Comicserie, die vor allem filmisch etwas wagt – davon gerne mehr!
