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Melissa Naschweng: Erste Hauptrolle für den Schlagerstar

Eigentlich kennt man Melissa Naschenweng als erfolgreiche Sängerin, die mit ihren Liedern durchs Land tourt und von Fans liebevoll als „Alpenbarbie“ gefeiert wird. In Herzklang – Zurück zu mir zeigt sie nun eine neue Seite: Erstmals stand die 35-Jährige als Hauptdarstellerin vor der Kamera. Sie spielt Sängerin Melanie, die, nachdem sie ihren Freund Marc (Michael Steinocher) in flagranti beim Betrug erwischt, ihrer Karriere vorübergehend den Rücken kehrt und bei ihrer Oma auf einer Kärntner Alm mit anpackt. Zwischen Stallarbeit und ungewohnter Ruhe findet sie dort Abstand vom Star-Trubel und beginnt, ihr Leben neu zu ordnen. Gleichzeitig begegnet sie Wald- und Wiesencowboy Ben (Ferdinand Seebacher), der neue Gefühle in ihr weckt. Wir sprachen mit Melissa Naschenweng.

Foto: (c) ORF/Graf Film/Melissa Naschenweng

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Carina Dieringer
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8 min

TV-MEDIA: Sie standen erstmals als Hauptdarstellerin vor der Kamera. Wie war das?
Melissa Naschenweng: Ich war ziemlich aufgeregt, weil ich wusste, dass da ganz tolle Schauspieler an meiner Seite sind. Die größte Umstellung war für mich das Tempo. Auf der Bühne passiert alles in einem ganz eigenen Rhythmus, eher nach dem Motto „Es passiert, wie es passiert“. Da ist es ganz egal, wenn mal etwas anders ist. Aber beim Film dreht man Szenen öfter, und da muss man natürlich immer und immer wieder die gleichen Emotionen transportieren. Das war schon eine echte Herausforderung. Da kann man nicht einfach drauflosreden, was ich auf der Bühne schon mache. Genau das macht den Reiz eines Konzerts aus.

TV-MEDIA: Sie spielen eine erfolgreiche Sängerin zwischen Bühne und Rückzug in die Berge. Sind das ein Stück weit Sie?
Naschenweng: Da steckt viel von meinem Leben drin. So war es bestimmt auch ein- facher für mich, als wenn ich in eine andere Figur schlüpfen hätte müssen. Melanie und ich haben viele Gemeinsamkeiten. Meine Heimat Kärnten hat mich genauso stark geprägt wie sie. Ich singe ja nicht umsonst so viel über die Bergbauernbuam, über das Wiesen mähen und Heu umdrehen. Ich habe mir anfangs sehr schwer getan, Kärnten zu verlassen und hatte mit über 20 Jahren noch Heimweh, was damals niemand verstanden hat. Sogar, wenn mein Papa mit war, habe ich gesagt, nein, da sind keine Berge, da gibt es das Essen nicht, das ich kenne, ich will heim. Und dann habe ich begonnen, über das Gefühl von daheim und über das Leben von daheim zu singen. Daraus entstand, dass ich die Leute, die meine Konzerte besuchen, nun als meine Bergbauernfamilie bezeichne. Somit fühlt sich jedes Konzert ein bisschen wie Heimkommen an.

TV-MEDIA: Als Künstlerin stehen Sie ständig im Rampenlicht. Kennen Sie das mit dem dadurch entstandenen Druck und den Zweifeln der Öffentlichkeit?
Naschenweng: Ja, das ist tatsächlich autobiografisch. Wahrscheinlich ist es sogar das, was mich am meisten mit Melanie verbindet. Der Druck, die Kommentare, jeder kleine Fehler wird auf die Waagschale gelegt. Man beginnt zu zweifeln: Haben die Leute recht? Stimmt das, was geschrieben wird? Ich werde immer wieder damit konfrontiert, dass ein Bergbauernmädel nicht so gekleidet auf der Bühne stehen kann. Aber warum nicht? In diesem Film versuche ich, den Spagat zu erklären. Dass es, wenn man heimkommt und den Koffer abstellt, sehr wohl möglich ist, mit dem Stallgewand schnell die Kühe zu melken. Wobei die Melanie ja noch ziemlich natürlich ist auf der Bühne, da bin ja ich selbst noch einen Ticken mehr Glam.

TV-MEDIA: Zwischen Glamour und Gummistiefeln, wo fühlen Sie sich wirklich zuhause?
Naschenweng: Es ist die Mischung. Nur die Berge reichen mir auch nicht. Wenn ich nur daheim bin, fühle ich mich irgendwie eingesperrt. Aber wenn ich nur auf der Bühne bin, sehne ich mich wieder nach meiner Heimat. Ich brauche sowohl das eine als auch das andere. Für mich ist es die Balance: Zu wissen, ich kann wieder wegfahren und zu wissen, ich kann wieder heimkommen. Wohler fühle ich mich jedenfalls definitiv in Gummistiefeln. Ich weiß nicht, ob es überhaupt Frauen gibt, die wirklich gerne in High Heels gehen. Ich jedenfalls nicht. Sie sehen cool aus, aber das Gehen ist vom Wohlfühlfaktor weit weg.

TV-MEDIA: Wenn man ständig zwischen Öffentlichkeit und Rückzug pendelt, stellt sich automatisch die Frage nach dem privaten Raum. Haben Sie überhaupt noch Orte, an denen Sie ganz für sich sein können?
Naschenweng: Ich lebe in einem Dorf mit 33 Einwohnern, im Sommer stehe ich mit dem Rechen am Feld. Da kann ich schon noch ich selbst sein. Alles andere würde ich auch nicht schaffen. Wenn man immer nur funktionieren muss, das wäre nichts für mich. Ab und zu muss ich mich einfach einmal gehen lassen, mit der Jogginghose einen Tag nichts tun. Wenn ich heimkomme, will ich gar nicht die ganze Zeit über mein Leben reden. Ich besuche ein paar Freunde, meine Cousinen, die alle schon Kinder haben, meine Patenkinder. Da ist so viel zu tun und genau das macht es aus: Immer wieder heimkommen und dann wieder mit voller Energie wegzufahren.

TV-MEDIA: Im Film beginnt Ihre Figur, eigene Songs zu schreiben, als sie zur Ruhe kommt. Entstehen auch Ihre besten Ideen eher in stillen Momenten als im Trubel?
Naschenweng: Eigentlich sogar dann, wenn ich wirklich richtig fertig bin. Wenn mir alles einfach zu viel ist, dann schreibe ich. Ja, das Leben schreibt tatsächlich die schönsten Lieder. Aber bei mir ist es so, dass meine Fanbase gewachsen ist durch diese vielen lustigen Lieder mit diesem Augenzwinkern. Das muss ich ehrlich gesagt gestehen, das kann ich nicht. Ich kann nur ein bisschen tiefgründiger werden. So wie zum Beispiel eben bei dem Song vom Film “Hoamat in mir”. Am liebsten schreibe ich, wenn ich daheim, weg vom Schuss. Natürlich fallen mir immer wieder ein paar Wörter auch während einem Konzert ein, aber ich kann kein Lied im Stress schreiben. 

TV-MEDIA: Der Film hat etwas sehr Hoffnungsvolles: dass man jederzeit neu anfangen kann.
Naschenweng: Es ist nie zu spät für einen Neuanfang. Alles, was passiert, hat seinen Sinn, auch wenn man es in dem Moment nicht spürt. Also wenn man nicht versteht, was da gerade passiert, aber tief im Schmerz, wo es weh tut und brennt, liegt der Sinn, den man dann erkennt.

TV-MEDIA: Nach Ihrer ersten Hauptrolle: Hat Sie das Filmfieber gepackt?
Naschenweng: Ja, es hat mir wirklich mehr gefallen, als ich mir gedacht habe. Es waren intensive Drehtage, meistens zwischen 12 und 14 Stunden, fünf Tage die Woche, sechs Wochen lang. Das darf man nicht unterschätzen. Es war wirklich anstrengend. Ich wusste, ich muss schlafen, weil sonst der nächste Tag nicht funktioniert. Aber es hat mir sehr großen Spaß bereitet und vielleicht sieht man mich mal wieder.

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