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BRÜLL, MIAU, KRAH!

Ein Bär, der fast einen Oscar bekam, ein Rabe, der mit James Stewart spielte, und eine Katze zum Fürchten – aus dem Leben dreier Tierstars.

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Foto von Peter Slavin
Peter Slavin
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5 min
Tonic the Cat

Tonic the Cat bei der Premiere von „Caught Stealing” (2025)

© IMAGO / Imagn Images

Nur einmal kam es in der Geschichte der Oscars vor, dass ein Schauspieler vor der Verlesung der Gewinner in die Kamera sagte: „Ich habe mir soeben in die Hose gemacht.“ Die Rede ist von Mike Myers („Austin Powers”), der 1998 den Umschlag mit den Gewinnern für den besten Tonschnitt von einem lebendigen Bären überreicht bekam. Oder bekommen sollte. Der Umschlag fiel dem Bären aus den Tatzen, bewegen wollte er sich auch nicht. Am Ende musste sein Trainer das Kuvert an Myers übergeben, der sichtlich erleichtert war, dem Drei-Meter-Tier nicht zu nahe gekommen zu sein. Siehe Video unten:

Mike Meyers und Bart the Bear bei den Oscars 1998

Der John Wayne der Bären

Es muss das Lampenfieber wegen der Liveshow gewesen sein, dass den Bären so unrund machte, denn sonst war er vor Kameras ein absoluter Vollprofi: Bart the Bear war ein tierischer Darsteller, der in seiner Karriere mit Brad Pitt, Anthony Hopkins, Robert Redford und Steven Seagal arbeitete. Eine ernst gemeinte Kampagne machte sich dafür stark, Bart für einen Oscar zu nominieren (wurde von der Academy abgeschmettert). Für Steven Seagal gab es das unseres Wissens nach nie.

Bart wurde am 19. 1. 1977 in einem Zoo in Baltimore geboren. Die Tiertrainer Doug und Lynne Seus adoptierten den Kodiakbären, schon mit vier Jahren hatte er seinen ersten Kinoauftritt im heute völlig vergessenen Western „Windwalker”. Bart erreichte ein Extremgardemaß von 293 cm (und 680 kg Gewicht) und feierte 1988 nach einigen Kleinrollen seinen Durchbruch in Jean-Jacques Annauds Kinohit „Der Bär”. Seine „schauspielerische“ Leistung in diesem Film war der Grund für besagte Oscarkampagne. Danach folgten weitere starke Performances in „Legenden der Leidenschaft”, „Wolfsblut” und „Auf Messers Schneide”. Regisseur Lee Tamahori nannte Bart ehrfurchtsvoll den „John Wayne der Bären“. Seine Karriere endete traurig: Bart starb 2000 an Krebs.

Der furchtlose Regisseur Annaud mit seinem Hauptdarsteller Bart (1998).

© IMAGO / Imagn Images

Der Rabe von Oz

Jahrzehnte vor dem Bären sorgte ein Vogel für Furore in Hollywood: Jimmy the Raven. Der Kolkrabe wurde in den 1930er-Jahren in der kalifornischen Mojave-Wüste von Hollywood-Tiertrainer Henry Wagstaff Twiford in einem Nest gefunden. Er brauchte laut eigener Aussage eineinhalb Jahre, um dem Vogel u. a. beizubringen, auf einer Schreibmaschine zu schreiben, eine Zigarette anzuzünden und auf einem Minimotorrad zu fahren.

Laut Twifford spielte Jimmy in über 1.000 Filmen mit (wohl eine glatte Lüge), aber jedenfalls in zwei bedeutenden: „Der Zauberer von Oz” und „Ist das Leben nicht schön?”, wo Jimmys Co-Star James Stewart behauptete, dass der Rabe der „schlauste Schauspieler am Set“ war. Außerdem erzählte Stewart, dass sowohl er als auch der Vogel sich umdrehten, wenn Regisseur Frank Capra am Set nach „Jimmy“ rief.

Während des Zweiten Weltkriegs besuchte Jimmy – der Rabe, nicht Stewart! – verwundete Soldaten im Spital, wofür er vom Roten Kreuz mit einer Goldmedaille geehrt wurde. Sein letzter Film war die Jerry-Lewis/Dean-Martin-Komödie „Der Zirkusclown” (1954). Was danach mit Jimmy the Raven passierte, ist leider nicht bekannt.

Zwei Jimmys: Jimmy the Raven und James Stewart in „Ist das Leben nicht schön?” (1946)

© IMAGO / Imagn Images

Die Horrorkatze

Noch am Anfang seiner Karriere steht Tonic the Cat, auch genannt Tonic the Horror Cat. Es ist nicht schwer zu erraten, in welchem Genre der Kater eingesetzt wird. Zuerst war er in der Stephen-King-Neuverfilmung „Friedhof der Kuscheltiere” (2019) als Zombie-Katze Church zu sehen, danach hatte Tonic einen Kurzauftritt als Dewey im Slasher „Thanksgiving” (2023), in den USA wird er außerdem für zahlreiche Werbespots gebucht, zuletzt spielte er eine tragende Rolle in der Thrillerkomödie „Caught Stealing” (2025). Bei der Premiere des Films mit Austin Butler und Zoe Kravitz machte Tonic in Lederjacke die beste Figur.

Tonic wurde als junger herrenloser Streuner auf der Straße gefunden. Seine Trainerin Melissa Millett erinnert sich: „Er ist einfach die Straße entlangspaziert.“ Melissa adoptierte ihn, er war zehn Monate alt, und erkannte sein Talent. Kameras und PR-Events machen ihm nichts aus – siehe Foto unten. Einziger „Nachteil“, so Melissa: „Tonic ist ein Feinschmecker. Wir müssen das Futter über Nacht wegsperren.“

Sorry, Austin Butler & Co: Kater Tonic ist der Coolste (Premiere von „Caught Stealing”, 2025)

© IMAGO / Imagn Images
Über den Autor
Peter Slavin
Peter Slavin

Mitglied der Chefredaktion von TV-MEDIA. Ist der Meinung, dass ein Leben ohne Filme, Serien und Musik möglich ist, aber überhaupt keinen Spaß macht. Schaut sich vom A-Liebesfilm bis zum B-Grusler alles an. Sogar Musicals, auch wenn er singende Dialoge seltsam findet.

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