Staffel 1: Krankenhausserien zählen zu den erfolgreichsten Formaten im linearen TV und im Streaming. Manche sind möglichst realistisch gehalten („KRANK Berlin“) andere setzen auf zwischenmenschliche Dramen im Seifenoperstil („Greys Anatomy“) oder feiern ein ambivalentes Arztgenie (Dr. House, gerade auf Netflix).Um herauszustechen muss man etwas anders machen, das wissen auch Schauspieler Noah Wyle und die Produzenten R. Scott Gemmill und John Wells, die in den 90ern und 2000ern zusammen an einem der Meilensteine des Genres arbeiteten: „Emergency Room“. Im Zuge der Pandemie entwickelten sie die Idee einer zeitgemäßen Version der Kultserie, die die heutigen Probleme im Gesundheitswesen, wie die Ablehnung wissenschaftlich fundierter Behandlungsmethoden, thematisiert. Im Raum stand ein echtes Spin-off, am Ende wurde es eine von „E.R.“ losgelöste originäre Serie, die das Genre mit einer simplen aber effektiven Idee aufmischt.
15-Stunden-Schicht in Echtzeit. Wir folgen dem Arzt Michael „Robby“ Robinavitch (gespielt von „E.R.“-Veteran und Produzent Noah Wyle selbst) während einer Schicht in der Notaufnahme eines Krankenhauses in Pittsburgh, von den Angestellten nur ‚The Pitt‘ genannt, und zwar Stunde für Stunde. Vom Arbeitsbeginn um sieben Uhr in der Früh, bis zum Ende um zehn Uhr am Abend. Jede der fünfzehn Folgen deckt eine Stunde im Leben von Robby und seinem Team, u.a. die Stationsleiterin Dana und der Arzt Frank, ab. An diesem Tag treffen außerdem vier Studierende ein. Wir erleben den stressigen Krankenhausalltag aus vielen Perspektiven, während es für Robby eine Schicht wie jede andere ist, erfahren Melissa und Dennis zum ersten Mal, was es braucht, um einen Tag im Pitt zu überleben …
Staffel 1: Das intensive Arztdrama „The Pitt“ startet als Aushängeschild des bei uns neuen Streamingdienstes HBO Max und will die Probleme des Gesundheitssystems spürbar machen. Tatsächlich werden hier kleine und große Fälle versorgt, so wenige Patient*innen wie möglich sollen in die teureren Betten in den oberen Etagen aufrücken. Diese gesundheitspolitischen Problematiken rückt die Serie immer wieder ins Zentrum der Erzählung und vermischt kleine Schicksale, mit folgenübergreifenden Handlungselementen. „The Pitt“ geht es um Realismus, um das Nachfühlen der Ausnahmesituation, in der sich das Gesundheitspersonal, nicht nur in den USA, täglich befindet. Das erreicht die Serie neben der Echtzeit-Inszenierung durch eine wackelige Handkamera, oft sehr explizite Szenen und den Verweis auf tagesaktuelle Themen. Das wäre schon genug, das Problem liegt darin, dass die Serie auch noch eine unterhaltsame Show im klassischen Network-Stil mit vielen, wöchentlich veröffentlichten Folgen sein will. Die Serie krankt jedoch an hölzernen Dialogen, emotionalisierenden Geschichten und vielen blassen Nebenfiguren. Der harte Realismus wird dadurch immer wieder untergraben, das Resultat ist weder wirklich erschreckend noch sonderlich mitreißend. Das sieht die Mehrheit freilich anders, die Serie gewann im September 2025 mehrere Emmys, u. a. für die Beste Dramaserie und Hauptdarsteller. Zum Start ist die gesamte erste Staffel verfügbar, sowie die Auftaktfolge von Staffel 2, danach folgt wöchentlich eine weitere Stunde einer neuen Schicht in der Notaufnahme.
