Das Leben ist noch immer unfair! Genie Malcolm muss sich erneut mit seiner überdrehten Familie auseinandersetzen, nachdem er sie jahrelang ignoriert hat Das Leben ist unfair. So endete der bekannte Titelsong „Boss of Me“ von They Might Be Giants. Was Malcolm (Frankie Muniz) dann meist im Kreis seiner exzentrischen Familie erlebte, war, zumindest in seinen jugendlichen Augen, auch ziemlich unfair. Streit mit den Brüdern, Hänseleien in der Schule, unglückliche Schwärmereien, das immer knappe Haushaltsbudget sowie eine dominante Mutter.
Sieben Staffeln lief "Malcolm Mittendrin" in den USA auf FOX, dann war wegen sinkender Quoten Schluss. Auch hierzulande hat die Familie, deren Wohnort und Nachname nie gelüftet wurden, sich ihren festen Platz im Nachmittagsprogramm gesichert. Lois (Jane Kaczmarek), die resolute Matriarchin, der feinfühlige chaotische Vater Hal (Bryan Cranston), der rebellische Älteste Francis (Christopher Masterson), der zerstörerische Zweite Reese (Justin Berfield) sowie der sensible, musikalisch begabte Jüngste, Dewey (Erik Per Sullivan) vervollständigten die Truppe. Später kam noch Babybruder Jamie dazu. 20 Jahre später gibt es nun also ein Wiedersehen sowie einige neue, äußerst unfaire Situationen, die die Familie mit Karacho meistern muss.
So muss der Zuschauer feststellen, dass Malcolm nicht, wie von seiner Familie erwartet, US-Präsident geworden ist, sondern eine Wohltätigkeitsorganisation leitet. Vielmehr noch, im Glauben, so ein besserer Mensch zu sein, hat er seit Jahren minimalen Kontakt mit seiner Familie – und ihnen auch verschwiegen, dass er eine Tochter im Teenageralter, Leah (Keeley Karsten), hat. Nun steht das 40-jährige Hochzeitsjubiläum der Eltern an. Der Druck, aufzutauchen, baut sich in Form des sechsten, non-binären Kindes von Hal und Lois, Kelly (Vaughan Murrae), auf. Das wurde bereits im Finale mit einer neuen Schwangerschaft Lois‘ angedeutet, nun hat es die ehrenvolle Aufgabe, den Eltern mitzuteilen, dass Malcolm sich wieder drücken will.
Das will Lois natürlich nicht auf sich sitzen lassen und sucht die Konfrontation. Der Schock, dass Malcolm all die Jahre gelogen und mit der Enkeltochter jegliche Treffen vermieden hat, sitzt tief. Doch Lois ist, wie schon zu Urserien-Zeiten, Meisterin der Organisation. Sohn und Enkelkind sind auf der Prioritätenliste noch im mittleren Segment gereiht, erst einmal heißt es, die Feier zum 40. Hochzeitstag auf die Beine zu stellen. Die Tage, als man noch jeden Cent umdrehen musste, scheinen vorbei zu sein, das Event wird riesig, die Soundanlage allein kostet über 1000 Dollar. Den Stress in der Familie gibt es aber noch immer umsonst. Reese und Kelly bekriegen sich mit der Offenbarung fieser Geheimnisse, Francis ist betrübt, dass er nicht mehr die größte Sorge seiner Eltern ist, Dewey, der für das Revival von Caleb Ellsworth-Clark dargestellt wird, ist als Pianist irgendwo in der Welt unterwegs, und Jamie – auch von einem neuen Darsteller (Anthony Timpano) gespielt – beim Militär. Leah hingegen ist angetan von der Idee, eine Familie zu haben, die sie als soziale Außenseiterin weniger bizarr und einsam wirken lässt, und möchte ihren Vater unbedingt dazu bewegen, an der Feier teilzunehmen.
Ein Gag-Feuerwerk an absurden Situationen und Dialogen, wie es das Markenzeichen der Serie wurde, darf man sich hier nur begrenzt erwarten. Das beste Wort, um „Unfair wie immer“ zu beschreiben, wäre wohl: nüchtern. Schöpfer Linwood Boomer bevorzugt einen ruhigeren Ton, setzt auf tiefergreifende Verständigung und kritische Hinterfragung von Dynamiken. Die Konflikte werden in manchen Momenten so seriös abgearbeitet, dass man sich fast wie im 2000er-Malcolm-Gegenpol „Eine himmlische Familie“ wähnt. Aber nur fast. Ein bisschen Humor besitzt „Malcolm mittendrin: Unfair wie immer“ dann doch. Wer aber eine Kopie des Originals sucht, wird leider enttäuscht sein.
