Wunderschön

Beschreibung

Am Anfang steht die Art Unzufriedenheit, die viele von uns aus der alltäglichen Mittendrin-Perspektive kennen: Frauke (Martina Gedeck) ist seit ewigen Zeiten mit dem jetzt frühpensionierten Wolfgang (Joachim Król) verheiratet, hat zwei Kinder aufgezogen und nun – kurz vor ihrem Sechziger – genug davon, nur noch als dauerfunktionierende Mutter und Hausfrau wahrgenommen zu werden. Sie hat das Gefühl, ihr Mann sieht sie nicht mehr – was dieser völlig verständnislos mit einem „Natürlich sehe ich dich. Du sitzt mir ja gerade gegenüber!“ abtut.

Julie (Emilia Schüle) ist 25 und Model. Eigentlich ist sie ganz gut im Geschäft, aber wenn man es in diesem Alter noch nicht auf die großen Laufstege geschafft hat, tickt die Uhr für die Katalogfoto-Liga bedrohlich laut. Da kann sie sich noch so quälen mit Abführ- und Entwässerungstabletten und noch so viel koksen gegen die schwindenden Kräfte: ein Kilo mehr auf der Agenturwaage kann das berufliche Todesurteil bedeuten.

Ganz anders drauf ist Lehrerin Vicky (Nora Tschirner): energiegeladen, feministisch und chaotisch. Sie hat dem Sex nicht abgeschworen – zum Beispiel mit dem neuen Turnlehrer Franz (Maximilian Brückner), wohl aber dem Modell Beziehung. Weil es ihrer Meinung nach nie gut gehen kann.

Das sieht sie bei ihrer besten Freundin Sonja (Karoline Herfurth), die als doppelte Jungmama nicht weiß, worüber sie lauter weinen soll: ihre nicht mehr perfekte Figur, die verblassenden Jobchancen oder das verloschene sexuelle Feuer mit Ehemann Milan (Friedrich Mücke).

Von all diesen Fährnissen weiß Schülerin Leyla (Dilara Aylin Ziem) noch nichts, aber dafür alles übers Dasein als dicke Außenseiterin und das Aufwachsen ohne Vater unter der Fuchtel einer perfekten, dünnen Karrieremutter (Melika Foroutan).

Als jeder dieser Schicksalswege in Richtung „Da muss es doch noch was anderes geben, da mach ich nicht mehr mit!“ umgelenkt wird, fangen sich plötzlich Beziehungen, Freundschaften, Weltsichten und Selbstwerteinschätzungen dramatisch zu verschieben an – was nicht ohne Folgen bleibt.

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Rezension: Unsere Kritik zum Film

Karoline Herfurth („Das perfekte Geheimnis“) spielt nicht nur die zentrale Rolle der Sonja (dafür hat sie zehn Kilo zugenommen, um „unperfekt“ zu sein, trotzdem wurde digital an Bauch, Taille und Oberschenkeln nachgewichtet, was etwas seltsam wirkt), sie hatte auch die Idee, war federführend beim Drehbuch – und hat den Episodenfilm „Wunderschön“ (2022) auch gleich selbst inszeniert.

Das ist ihr auch über weite Strecken wirklich gut gelungen. Vor allem hat sie es geschafft, für jede noch so kleine Rolle eine wirklich feine Besetzung zu finden, da schwächelt niemand.

Anfangs noch ein bisschen unübersichtlich, gewinnt „Wunderschön“ nach der ersten halben Stunde enorm, wenn klar wird, wie die Figuren miteinander verbunden sind. Am Anfang noch ein klares Episodendrama, verschmilzt mit zunehmender Laufzeit alles zu einer breit aufgestellten Generalhandlung.

Dass diese Laufzeit ruhig 20 Minuten kürzer sein könnte, die parallel laufenden Storys manchmal ein wenig feststecken (da treibt auch die immer wieder aufdringliche Musik nichts weiter) und die an sich gut beobachteten Eigenheiten von Frauen und Männern so dicht hintereinander fahren, dass der eine oder andere Klischee-Auffahrunfall unvermeidlich ist, steht auf einem anderen Blatt, ist aber nachsehbar.

Fazit: „Wunderschön“ ist gut besetzt und gut gespielt und behandelt ein wichtiges Thema – und unterhaltsam ist der Film sowieso!

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