Wildwood

Beschreibung

Der neue Film des Stop-Motion-Studios LAIKA ("Coraline") basiert auf dem gleichnamigen illustrierten Roman aus dem Jahr 2011 und handelt von der 12-jährigen Rue, die mit ihrer Familie in Portland lebt. Als ihr kleiner Bruder eines Tages von einer Schar Krähen entführt wird, macht sich das Mädchen gemeinsam mit ihrem Schulkollegen Curtis auf die Suche nach ihm. Dafür müssen sie sich in einen mysteriösen Wald am Rande der Stadt begeben, wo sie plötzlich in einer magischen Welt voller düsterer Mächte und sprechender Tiere landen. Rue und Curtis geraten in einen sich zuspitzenden Konflikt zwischen den Banditen des Waldes und der verbannten Herrscherin Alexandra, die von Trauer geplagt, einen schrecklichen Plan verfolgt.

Trailer

Wildwood – Trailer© YouTube

Rezension: Unsere Kritik zum Film

Während andere Studios auf digitale 3D-Animation setzen, erschafft das Team von LAIKA in mühevoller kleinteiliger Handarbeit fantasievolle Filme, die sich absolut nicht nur an Kinder richten. Nun erscheint mit Wildwood das bisher ambitionierteste Projekt des Studios aus Portland. Allein die Zahlen lassen staunen: Für die Produktion wurden rund 220 Puppen kreiert, über 130 Sets gebaut und ca. 142.000 austauschbare Gesichter für die einzelnen Figuren verwendet! Immerhin benötigt man 24 verschiedene Bilder für nur eine Sekunde Film. In Zeiten von Künstlicher Intelligenz ist eine solche Arbeitsweise ein Statement. Mit einer Laufzeit von 132 Minuten ist "Wildwood" der längste Stop-Motion-Film der Geschichte – und einer der beeindruckendsten.

Die Geschichte bedient sich etablierter Fantasyelemente, die wir aus "Der Herr der Ringe", "Narnia" oder "Prinzessin Mononoke" kennen. Die Originalität von "Wildwood" liegt eben nicht in der Erzählung selbst begründet, sondern in der Art und Weise, wie sie auf die Leinwand gebracht wurde. Wenn Federn und Blätter sich im Wind wiegen und die magische Waldwelt zum Leben erwacht, kann man kaum glauben, dass das hier ein Stop-Motion-Film ist. Um das Jugendbuch angemessen zu verfilmen, musste LAIKA selbst neue Techniken entwickeln und die Grenzen des im Genre Möglichen verschieben. So sehen wir in "Wildwood "epische Schlachtszenen wie aus "Braveheart", in denen sich Hunderte kleine Details im Bild gleichzeitig bewegen. Der unglaubliche Aufwand, der in jeder Sekunde steckt, ist jedoch am Ende magischer als die Geschichte selbst, die sich etwas zu sehr auf fade Fantasyklischees stützt und sich einer simplifizierte Trennung in Gut und Böse bedient. Obwohl man aus dem Staunen nicht mehr herauskommt, stellt sich die Frage, ob man die ganzen Ressourcen und das künstlerische Talent nicht für eine andere Geschichte hätte verwenden können. Die emotionale Tiefe, die das Epos suggeriert, wird nur selten tatsächlich spürbar. Fast bis zum Schluss müssen die Figuren noch in Dialogen die unnötig komplizierten Spielregeln der Welt erklären. Am irritierendsten ist aber wohl die unreflektiert vorgeführte Militarisierung der einfachen Bevölkerung, die in Zeiten wie diesen fehl am Platz wirkt, sowie die für ein junges Publikum viel zu drastische Brutalität. Der Kampf gegen den Faschismus kann hier nur durch Gewalt gewonnen werden. Auch Arbeiter*innen und Kinder sollen für das Gute in den Krieg ziehen und bereit sein, zu sterben. Trotz dieser inhaltlichen Schwächen muss man das visuell atemberaubende Fantasyabenteuer aber einfach im Kino erlebt haben, die Kleinsten bleiben aber lieber daheim.

Kinoprogramm

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