The Housemaid – Wenn sie wüsste

The Housemaid – Wenn sie wüsste

Beschreibung

Millie (Sydney Sweeney) ist aus einer schwierigen Vergangenheit, Gefängnisaufenthalt inklusive, in einer dunkelgrauen Gegenwart angekommen. Ohne festen Wohnsitz lebt sie in ihrem kleinen Auto – immer auf der Suche nach der nächsten Chance, einem Job oder zumindest etwas Ruhe. Doch dann fluten ein paar Sonnenstrahlen ins Dunkelgrau, und zwar in Form eines fast zu guten Jobangebots: Die wohlhabende Familie Winchester, die in einem Anwesen wie aus einem Architekturmagazin auf Long Island residiert, sucht eine Haushälterin. Beim Vorstellungsgespräch ist die Dame des Hauses Nina (Amanda Seyfried) zwar freundlich überdreht wie ein Desperate Housewife, und das Personalzimmer liegt abgeschieden unterm Dach. Aber im Vergleich zu ihrem jetzigen Leben scheint die Vorstellung, bei den Winchesters leben und arbeiten zu können, paradiesisch. Auch Hausherr Andrew (Brandon Sklenar) gibt sich freundlich und zuvorkommend, allerdings erweist sich Tochter Cecile (Indiana Elle) sehr bald als unberechenbares und schlecht erzogenes Kind. Auch bei Ehefrau Nina fällt die Maske: Stimmungsschwankungen, aggressive Provokationen und widersprüchliche Anweisungen beginnen den Alltag zu bestimmen. Kleine Zwischenfälle eskalieren, Regeln ändern sich ohne Erklärung, Türen bleiben verschlossen. Millie gerät zunehmend in Situationen, in denen sie als Schuldige für Situationen dasteht, mit denen sie nichts zu tun hat. Gleichzeitig bemerkt sie Risse in der perfekten Fassade der Winchesters und Hinweise auf ein mehr als seltsames Familiengefüge. Während sie versucht, ihre eigene Geschichte geheim zu halten, wird klar, dass die Geheimnisse der Winchesters um keinen Deut besser sind – und Millies Anwerbung als Hausmädchen viel war, aber kein Zufall ist …

Rezension: Unsere Kritik zum Film

Wer sich die Arbeit von Regisseur Paul Feig ansieht, findet zwei Konstanten: Der 63 Jahre alte Filmroutinier aus Michigan liebt zum einen radikale Komödienstoffe, vorzugsweise mit grellen weiblichen Charakteren im Zentrum („Brautalarm“, „Taffe Mädels“, „Spy – Susan Cooper Undercover“), was auch zur längeren Kollaboration mit Melissa McCarthy führte, die in seinen Filmen weit über ihrem Talent spielen konnte. Und zum anderen hat Feig vor einigen Jahren seine Liebe zu Psychothrillern entdeckt, die ebenfalls rund um außergewöhnliche Frauen kreisen, allerdings ohne Humor: „Nur ein kleiner Gefallen“, „Nur noch ein kleiner Gefallen“ und nun „The Housemaid – Wenn sie wüsste“.

Der aktuellste Thriller basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Freida McFadden und bestätigt den Erfolg der inzwischen auf drei Bücher angewachsenen Reihe: Kurz vor Weihnachten in den USA angelaufen, hat „The Housemaid“ weltweit bereits fast das Vierfache seines 35-Mio.Dollar-Budgets eingespielt. Tatsächlich erkennt man an Tempo, Figurenentwicklung, allgemeinem Look & Feel sowie den sehr ähnlichen thematischen Anknüpfungspunkten, dass bei „Nur ein kleiner Gefallen“ und „The Housemaid“ derselbe Macher auf dem Regiestuhl saß – soll sagen, dass Paul Feigs sorgfältige Art der Erzählung, wo kein Detail Zufall ist, auch in seinem neuesten Werk spür- und sichtbar ist (auch wenn sich Feinspitze in manchen Momenten fragen mögen, was wohl David Fincher aus diesem Stoff gemacht hätte).

Auch, dass hier eher auf die Story mit ihren Wendungen als auf ganz große Starnamen vertraut wird. Zwar kennt man Amanda Seyfried, die seit „Mamma Mia“ vor 17 Jahren bienenfleißig einen Film nach dem anderen dreht; ebenso werden Binge-Watcher der Erfolgsserien „White Lotus“ und „Euphoria“ Titelrollen-Darstellerin Sydney Sweeney richtig einordnen können. Hier können beide karriereförderlich zeigen, was in ihnen steckt, in einem sorgfältig aufgebauten und getakteten Spannungsspiel um Macht, Missbrauch und innere Abgründe. Noch dazu in einem Genre, das im Kino bedauerlicherweise nur noch eine Randexistenz ist, weil längst von den Streamern annihiliert und zur mittelmäßigen Alltagsware gemacht. Eines ist jedenfalls sicher: Die nächste „Housemaid“-Romanverfilmung, wieder von Paul Feig und mit Sydney Sweeney als Titelheldin, ist bereits in Arbeit. Passt absolut!