Beschreibung
Die Äußeren Hebriden sind eine raue, karge Inselgruppe im Atlantik vor Schottland, Dutzende davon sind unbewohnt. Auf einer davon, in einer aufgelassenen und fast vergessenen Leuchtturm-Station, lebt seit zehn Jahren völlig anonym ein graubärtiger Zausel (Jason Statham) mit seinem Hund – so abgeschieden und allein, dass auch der Wuff keinen Namen hat. Kontakt zu anderen Menschen: unerwünscht. Einmal pro Woche liefert ein Kutter von der einige Meilen entfernten Nachbarinsel eine Kiste bestellter Lebensmittel, die von der 13-jährigen Jessie (das irische Top-Talent Bodhi Rae Breathnach) an Land gerudert und vor die Tür gestellt werden, während ihr Onkel in der Anlegebucht auf dem kleinen Schiff bleibt. Ihre zaghaft-neugierigen Versuche, den schroffen Mann wenigstens in ein Gespräch zu verwickeln, bleiben erfolglos. Doch als eines Tages ein Sturm am Liefertag über die kleine Insel hereinbricht und den Kutter versenkt, rettet der Inselbewohner Jessie in letzter Sekunde vor dem Ertrinken, für ihren Onkel kommt leider jede Hilfe zu spät. Das am Bein verletzte Mädchen, das nun unfreiwillig Gast ist bei dem seltsamen Mann, hat zunächst Angst: Warum bringt er sie nicht in ein Spital auf einer Nachbarinsel, warum ruft er nicht die Polizei und meldet das tödliche Schiffsunglück? Irgendetwas hält ihn radikal ab, sich mit der Außenwelt in Verbindung zu setzen. Dass sie nach dem Tod des Onkels niemanden mehr hat und daher von keinem vermisst wird, macht ihre Lage nicht einfacher. Doch der Mann, der seinen Namen nicht nennen will, fasst langsam Vertrauen zu Jessie und umgekehrt. Sie ist blitzgescheit, empathisch und eine ausgezeichnete Schachspielerin. Als ihre Verletzung doch medizinische Hilfe braucht, beschließt er, allein zur nächsten Insel zu fahren. Dabei wird er ohne, es zu bemerken, von jemandem gefilmt – und die Überwachungssysteme des Geheimdienstes, in dem gerade mit Duldung der moralisch nicht einwandfreien Premierministerin ein Machtkampf wegen eines illegalen Programms tobt, schlagen an: Angeblich ist der Mann ein gesuchter Top-Terrorist, und gleich ist eine Eingreifeinheit aus Elitesoldaten unterwegs zur Insel, die dort eine tödliche Überraschung erlebt. Jessie und ihr Retter fliehen, und der Mann – es stellt sich heraus, dass er Michael Mason heißt und Teil der verbotenen Operation war – muss alles tun, um sie zu beschützen und vielleicht einen Weg zu finden, selbst zu überleben.
Rezension: Unsere Kritik zum Film
Die oft benutzte Formel üblicher Jason-Statham-Filme wie "Home Front", "The Beekeeper" (demnächst Fortsetzung!) oder "Working Man" kennen wir, und sie ist bewährt: Ehemaliger Elitekämpfer hat mit seiner Vergangenheit abgeschlossen, aber um Unschuldige zu schützen und die wirklich bösen Herren (und zuletzt auch Damen) dieser Welt in die Schranken zu weisen, kehrt er grimmig zurück und hinterlässt einen Bodycount, der auch John Rambo anerkennend nicken lassen würde. Das funktioniert, weil der einstige Weltklasse-Athlet Statham (Turmspringen) auch mit Ende 50 diese Rollen physisch absolut glaubwürdig verkörpert. Regisseur Ric Roman Waugh ("Angel Has Fallen", "Greenland") hat Actionerfahrung und die Weisheit, es hier nicht zu übertreiben: Die Kämpfe sind dynamisch und spannend, aber es tut gut, den grau werdenden Action-Hero auch von einer verwundbaren und nicht mehr so unglaubwürdig überlegenen Seite zu zeigen wie in früheren Filmen. Das hätte man ruhig noch stärker bespielen können – und vor allem gegen Ende scheint sich Statham (der in seinen Filmrollen nicht gerne verliert) als Produzent durchgesetzt zu haben, um zur gewohnten „Ich mach sie alle platt!“-Form zurückzufinden. Aber die Ansätze waren da, die Bilder der rauen Inseln sind eine beeindruckende Kulisse, und auch das spürbar höhere emotionale Gewicht in "Shelter" tut dem Action-Senior mehr als gut. Einen großen Teil davon liefert das irische Ausnahmetalent Bodhi Rae Breathnach, die alle Kollegen an die Wand spielt. Gerade war sie in "Hamnet" zu sehen, demnächst ist sie bei der Jane-Austen-Verfilmung "Sinn und Sinnlichkeit" sowie in Robert Eggers Werwolf-Grusel dabei: Hier wächst ein Star der neuen Generation heran, jede Wette! Unterhält gut. "Shelter" ist das schöne Beispiel eines gut gemachten B-Movies, das – trotz einiger tiefer Logiklöcher, in denen man einen Leuchtturm verstecken könnte sowie klar vorhersehbarer Momente – stellenweise über den Genre-Horizont hinausragt und ausgezeichnet unterhält. Die Story ist samt ihren gelegten, aber noch nicht eingelösten Spuren so gestrickt, dass eine "Shelter"-Fortsetzung bei entsprechendem Erfolg keine Überraschung wäre.
