Sinn und Sinnlichkeit

Beschreibung

Den Roman gibt es seit bald 215 Jahren, er hat seinen festen Platz im Kanon der britischen Literatur, und nun wurde er (eine Bollywood-Version mitgezählt) zum bereits achten Mal verfilmt: „Sinn und Sinnlichkeit“ von Jane Austen aus dem Jahr 1811. Man darf zwar davon ausgehen, dass die Welt weiß, was hier von Regisseurin Georgia Oakley adaptiert wurde – doch für jene, die mit der Weltliteratur fremdeln, kurz angedeutet, worum es in „Sinn und Sinnlichkeit“, das Ende des 18. Jhdts. im Südwesten Englands spielt, geht:

Nach dem Tod des Vaters und Familienvorstands verlieren die wohlhabenden Dashwoods einen Großteil ihrer finanziellen Sicherheit. Ihr Anwesen Norland Park geht an John Dashwood (Tom Brooke), Sohn aus erster Ehe – dessen Frau Fanny (Stacy Martin) zählt schon die vorhandenen Werte und bestürmt ihren Mann, den Verbliebenen weniger zu geben, als vom sterbenden Vater gewünscht. Für die Witwe (Caitríona Balfe) und ihre drei Töchter beginnt damit ein neues, bescheideneres Leben in Devon. Die älteste Tochter Elinor (Daisy Edgar-Jones) begegnet Edward Ferrars (George MacKay), zu dem sie sich bald hingezogen fühlt. Doch gesellschaftliche Erwartungen und familiäre Verpflichtungen erschweren eine Beziehung. Elinor versucht, Gefühle mit Vernunft und Selbstbeherrschung in Einklang zu bringen. Ihre jüngere Schwester Marianne (Esmé Creed-Miles) sieht das Leben ganz anders. Temperamentvoll, romantisch und meist unfrisiert glaubt sie an die Kraft leidenschaftlicher Gefühle. Als sie John Willoughby (Frank Dillane) kennenlernt, scheint sich ihr Ideal einer großen Liebe zu erfüllen. Gleichzeitig macht sie die Bekanntschaft Colonel Brandons (Herbert Nordrum), dessen zurückhaltende Art einen Kontrast zu Johns Charme bildet. Im neuen Umfeld begegnen die Schwestern (eigentlich drei, weil es noch den kindlichen Wildfang Margaret, gespielt von Bodhi Rae Breathnach, gibt) unterschiedlichen Vorstellungen von Liebe, Ansehen, finanzieller Sicherheit. Während Elinor versucht, ihre Gefühle mit den Erwartungen ihrer Umgebung zu vereinbaren, folgt Marianne ihrem Herzen. Beide müssen ihren eigenen Weg finden, um herauszufinden, was im Leben und in der Liebe wirklich zählt …

Trailer

Sinn und Sinnlichkeit – Trailer© YouTube

Rezension: Unsere Kritik zum Film

Eines muss man den Briten lassen: Beim Verfilmen ihrer Geschichte und ihrer Geschichten sind sie in Sachen Ausstattung, Look und Feel sowie visueller Glaubwürdigkeit ungeschlagene Weltmeister. Regisseurin Georgia Oakley findet den richtigen Ton, um die für uns heute schwer nachvollziehbaren Regeln, Codes und Zwänge der Epoche näherzubringen. Etwa, dass vieles der Etikette willen nicht direkt ausgesprochen, sondern im Subtext transportiert wird. Und die Ausstattung übertrifft sich bei Kostümen, Bauten, Hintergründen und Alltagsgegenständen der spätgeorgianischen Zeit bis ins letzte Detail. 

Stellenweise wirkt die Inszenierung, als blicke man in zum Leben erwachte Porträts, Landschaften und Szenen des zeitgenössischen Malers Sir Thomas Lawrence. Allerdings liegen in dieser Schönheit und Verinnerlichung auch die (möglichen) Schwächen dieser „Sinn und Sinnlichkeit“-Adaption. Verglichen mit der bisherigen „Benchmark“, Ang Lees stargespickter Version von 1995 (u. a. mit Emma Thompson, Kate Winslet und Hugh Grant), hat die Neufassung zwar mehr Atmosphäre, Kontemplation und emanzipatorische Andeutung – dafür weniger Emotion und dramaturgischen Druck. Die Geschichte der unterschiedlichen Dashwood-Schwestern entfaltet sich bewusst entschleunigt. Die andauernd wackelnde, nahe und beobachtende Kamera hilft dabei nur bedingt, im Gegenteil. Motto: sehr schön, auch ohne große Namen toll besetzt und gespielt. Pflichttermin für Jane-Austen-Fans.

Kinoprogramm

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