Priscilla

Beschreibung

2022 brachte Regisseur Baz Luhrmann („Moulin Rouge“) mit „Elvis“ seine Version eines Elvis-Biopics mit Austin Butler als „The King“ auf die Leinwand. Priscilla Presley (gespielt von Olivia DeJonge), Elvis’ Ehefrau, war darin eher als Nebencharakter zu sehen. Das ist in „Priscilla“ von Sofia Coppola, wie der Name schon vermuten lässt, anders. Der Film basiert auf dem Buch „Elvis und ich“ (1985) von Priscilla Presley in Zusammenarbeit mit Sandra Harmon und fokussiert sich auf ihre Seite der Geschichte.

Und die beginnt in diesem Fall 1959 in Bad Nauheim, in Deutschland, wo die 14-jährige Priscilla Beaulieu (Cailee Spaeny) mit ihrer Familie lebt. Ihr Stiefvater ist beim Militär und dort stationiert. Bei einer Party lernt sie Elvis (Jacob Elordi) kennen.

Der 24-jährige Musiker ist zu diesem Zeitpunkt bereits ein Superstar, muss aber seinen verpflichtenden Militärdienst in Deutschland absolvieren. Die beiden verstehen sich auf Anhieb und beginnen, einander regelmäßig zu treffen. Kurz darauf endet Elvis’ Militärdienst und er darf wieder in die USA, nach Memphis.

Zurück lässt er eine schwer verliebte Priscilla. Der Kontakt reißt nie ganz ab, zwei Jahre später lädt Elvis Priscilla nach Graceland, seinem Anwesen, ein. Priscillas Eltern sind anfänglich nicht begeistert, doch Elvis garantiert ihnen, er liebe ihre Tochter und würde auf sie aufpassen.

Nach einem wilden Trip – begeistert von all dem Saus und Braus – kehrt Priscilla heim. Doch nicht für lange: Elvis will sie permanent bei sich auf Graceland haben. Die Schule soll sie in Memphis fertig machen. Anfänglich ist das Leben an Elvis Seite wie ein wahrgewordener Traum für Priscilla, doch bald bröckelt die Fassade. Drogenmissbrauch, angebliche Affären, lange Reisen und das toxische Verhalten des „King“ drängen sie mehr und mehr an den Rand der Verzweiflung …

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Rezension: Unsere Kritik zum Film

Vergleicht man Baz Luhrmanns „Elvis“ (2022) mit dem aus „Priscilla“ (2023), wird man das Gefühl nicht los, man hat zwei verschiedene Figuren gesehen. Eigentlich kein Wunder, Luhrmann und Coppola beleuchten den Superstar aus unterschiedlichen Richtungen. Doch Coppolas Version wird wohl manchen vor den Kopf stoßen (nicht, dass Luhrmanns so superior war).

Elvis als toxischer Ungustl? Als Täter in einer missbräuchlichen Beziehung? Ob das so passiert ist, kann niemand beurteilen. Ein (oder zwei) Quäntchen Wahrheit werden wohl dabei sein. Wichtiger für den Film ist jedoch, dass das leider aber auch alles ist, worauf Elvis reduziert wird. Seine Figur ist nur eindimensional und definiert sich fast ausschließlich dadurch, was sie Priscilla zumutet oder nicht zumutet. Aber Elvis ist auch nicht wirklich der Protagonist.

Priscillas Figur geht es nicht viel anders: Sie wird nur durch die Beziehung zu Elvis charakterisiert. Nie lernen wir Priscilla wirklich kennen. Wieso hat sie sich verliebt? Wieso hält sie es so lange mit ihm aus? Was sieht sie in ihm? Und in sich selbst? Priscilla und Elvis geben so wenig her, dass die Beziehung der beiden den Platz des Protagonisten einnimmt. Damit verliert das Liebesdrama „Priscilla“ (2023) das Publikum zusehends aus seinem Griff.

Gerettet wird „Priscilla“ dann aber doch noch. Und zwar von der schauspielerischen Leistung von Jacob Elordi und vor allem Cailee Spaeny. Elordi („The Kissing Booth“) muss den Vergleich mit Austin Butlers großartigen Performance nicht scheuen. Spaeny („Bad Times at the El Royale“) schafft es zu faszinieren, auch wenn sie vom Skript immer mal wieder im Stich gelassen wird. Eine Oscarnominierung scheint aufgrund der heurigen Konkurrenz unerreichbar, wäre aber nicht verkehrt. Ein Lichtblick in einem sonst eher durchschnittlichen Biopic.