No Other Choice

Beschreibung

Man-su (Lee Byung-hun) erscheint zunächst als Musterbeispiel einer gelungenen Mittelschicht-Existenz: Job in der Papierbranche, Eigenheim mit Garten, harmonische Ehe, zwei Kinder, zwei Golden Retriever – dazu Bonsai als Hobby. Nach außen stimmt alles. Doch dann wird er aufgrund von Effizienz und Umstrukturierung entlassen. Während Man-su erfolglos Bewerbung um Bewerbung schreibt, reagiert seine Frau Mi-ri (Son Yejin) lösungsorientiert: Sie nimmt eine Teilzeitstelle an, verkauft ihr Auto, streicht die Tanzstunden, kündigt Netflix, gibt sogar die Hunde ab. Doch in einer Gesellschaft, die sich über Leistung definiert, bedeutet Arbeitslosigkeit nicht nur Geldverlust, sondern sozialen Bedeutungsverlust. Hier kippt die vermeintliche Sicherheit der Mittelschicht: eine Entscheidung „von oben“, und das ganze Konstrukt beginnt zu wanken. Je länger Man-sus Arbeitslosigkeit andauert, desto klarer wird, was der Film gnadenlos offenlegt: Am Arbeitsmarkt kann nur eine begrenzte Anzahl an Menschen überleben. Genau hier setzt die Wende ein. Man-su beginnt, seine Mitbewerber nicht länger als Individuen wahrzunehmen, sondern als Störfaktoren in einem Wettbewerb. Sein Handeln speist sich aus einem Verfall des Selbstwerts und einer wachsenden Verzweiflung, was ihn zunehmend entschlossen macht, eine Stelle zu finden – notfalls bereit, über Leichen zu gehen.

Rezension: Unsere Kritik zum Film

Donald E. Westlakes Roman "The A"x wurde bereits 2005 verfilmt, das Grundmuster ist bekannt, der vielfach prämierte Regisseur und Drehbuchautor Park Chan-wook ("Oldboy", "Die Taschendiebin") verlegt die Handlung nun in seine Heimat Südkorea, in eine Gesellschaft, in der Arbeit nicht bloß Existenzsicherung bedeutet, sondern Identität formt. Dabei bleibt das extravagante Werk trotz seiner düsteren Prämisse und aller Übertreibung ein cleveres Unterhaltungskunstwerk – und immer auch Satire. Man lacht, und merkt erst einen Moment später, dass einem dieses Lachen im Hals steckenbleibt. Denn die Satire richtet sich nicht gegen den Einzelnen, sondern gegen ein Konstrukt, in dem Effizienz über Menschlichkeit steht. Unter der Oberfläche kommen unbequeme Fragen auf: Was sind wir ohne unseren Job? Warum sehen wir den Feind oft in Menschen, die demselben Druck ausgesetzt sind? "No Other Choice" ist kein simples Remake von "The Ax", sondern eine zeitgenössische Satire, in der Leistungsdruck und Austauschbarkeit durch KI längst Realität sind. Park Chan-wook beschreibt ein System, das Menschen gegeneinander ausspielt, wo Entscheidungen als zwangsläufig erscheinen – bis tatsächlich „keine andere Wahl“ mehr zu bleiben scheint.

Kinoprogramm

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