Beschreibung
Wenn sie das Büro betritt, herrscht Ausnahmezustand: Sekretärinnen tauschen die bequemen Birkenstockschlapfen gegen Zehn-Zentimeter-High-Heels, Redakteurinnen überprüfen nervös ihr ohnehin makelloses Make-up, und junge Assistentinnen rasen durch die Redaktionsgänge, um den per SMS angeforderten Latte Macchiato Caramel zu beschaffen. Miranda Priestly ist wahrlich keine beliebte Chefin - dafür ist sie die mächtigste Frau im Modezirkus. Mit silbergrauem, perfekt sitzendem Haar, starrem Blick und zusammengekniffenem Mund richtet die Herausgeberin des US-Modemagazins Runway über Erfolg oder Niedergang einer gesamten Kollektion. Weit mehr: Sie ist der Teufel in Prada! Zumindest in David Frankels neuem Film „Der Teufel trägt Prada“, benannt nach dem gleichnamigen Bestseller von Lauren Weisberger, einst selbst Assistentin einer realen Miranda – Anna Wintour, Modechefin und Herausgeberin der amerikanischen Vogue.
Die Leinwandadaption des weltweit erfolgreichen Buchs ist Satire und Cinderella-Story zugleich. Das Aschenputtel des Films: Die New Yorkerin Andy Sachs (Anne Hathaway), die sich um einen Assistenten-Job bei Runway bewirbt. Dabei bringt die junge, naive Uni-Absolventin nicht gerade die besten Voraussetzungen für ihren neuen Job mit: Haute Couture ist ebenso ein Fremdwort für sie wie Passform und Manolo Blahnik. Doch dann die große Überraschung: Das hässliche, aber hochintelligente Entlein bekommt den von Zehntausenden jungen Frauen heiß begehrten Job und landet damit mitten in Teufelins Küche. Denn Runway-Herausgeberin Miranda Priestly (eine hervorragend böse Meryl Streep) ist ein weiblicher Tyrann, der von den eigenen Mitarbeitern ebenso gefürchtet wird wie von den Großen des Modebusiness. Dass die sadistische Chefin Andy nicht mit Samthandschuhen anfasst, versteht sich von selbst: Gassigehen mit dem Familienbernhardiner gehört ebenso zu Andys Aufgaben wie das Beschaffen eines medium gebratenen Rumpsteaks zum leichten Lunch oder das Organisieren des natürlich noch nicht erschienenen Harry-Potter-Romans für Mirandas verzogene Zwillingstöchter. Verständlich, dass die junge Frau bereits nach kurzer Zeit das Handtuch werfen möchte. Dank der Unterstützung durch den warmherzigen Fotochef Nigel (Stanley Tucci) kämpft sich Andy aber tapfer durch den grausamen Modedschungel. Als sie schließlich zum schönen (Mode-) Schwan mutiert, steht sie jedoch auch vor einer folgenschweren Entscheidung: Karriere oder Gewissen? Denn beides gemeinsam hat im Modezirkus nun wirklich keinen Platz …
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Rezension: Unsere Kritik zum Film
„Sex-and-the-City“-Regisseur David Frankel ist mit „Der Teufel trägt Prada“ eine unterhaltsam-leichte Hollywoodsatire über das scheinbar so makellose und charmante Modebusiness und seine Protagonisten gelungen. Dabei ist der Streifen ob seiner im Vergleich zum Buch stark vereinfachten Story vor allem für Modeinteressierte ein wahrer Quell der Freude: Denn Andy Sachs führt im Laufe des Films sämtliche große Designermarken durch die Straßenschluchten Manhattans spazieren - von Gucci über Dolce & Gabbana bis hin zu Valentino. Plötzlich-Prinzessin-Jungstar Anne Hathaway, die in Brokeback Mountain erstmals großes Können bewies, fällt diesmal zwar in erster Linie durch liebreizende Optik auf, kann aber dennoch im Lauf der Geschichte in ihrer Rolle überzeugen.
Da ein Film über Mode nichts ohne deren reale Protagonisten wäre, kommen auch einige wahre Größen der Szene zu ihrem Recht: Modezar Valentino hat ebenso einen Cameo-Auftritt wie Heidi Klum und Supermodel Gisele Bündchen als bissige Moderedakteurin.
Unumstrittenes Highlight und absolute Aufwertung der Produktion ist aber natürlich Schauspiellegende Meryl Streep, die als unbarmherzige Chefin mit einer gehörigen Portion Sadismus und diabolischer Spielfreude den Rest des Casts mühelos an die Wand spielt. Eine Figur, mit der die bislang 13-mal (!) oscarnominierte Diva überraschenderweise gewisse Gemeinsamkeiten entdecken kann, wie sie TV-MEDIA beim Interview in Venedig verriet:
„Miranda Priestly arbeitet sehr hart und vollkommen kompromisslos – genau wie ich auch. Ich liebe das, was ich tue, heute genauso wie vor 20 Jahren. Und ebenso wie Miranda kann ich es nicht ausstehen, wenn Menschen ihren Job nicht ernst nehmen.“ Dass Miss Streep ihren Job ernst nimmt, merkt man – in jeder Sekunde des Films ...










