Beschreibung
Wien in den 1930er-Jahren: Der aus wohlhabendem und wohlwollendem Elternhaus stammende Bruno Kreisky (Nils Arztmann) fühlt sich seit dem Brand des Justizpalastes und dessen Folgen zur Sozialistischen Arbeiterjugend hingezogen. Dort begegnet er Adele Holzer (Maya Unger) sowie Sissi Nesvadba (Soi Schüssler) und engagiert sich gegen erstarkenden Faschismus und Antisemitismus. Mit seinen immer noch skeptischen Mitstreitern organisiert er verbotene Treffen und verteilt Flugblätter. Dafür wird er verhaftet und landet im Gefängnis. Doch Repression bringt ihn nicht von seinen Überzeugungen ab. 1938 muss der auch der Damenwelt vorsichtig zugetane Sozialist vor den Nazis fliehen …
Rezension: Unsere Kritik zum Film
Mit „Bruno – Der junge Kreisky“ startet ein heimisches Prestige-Filmprojekt, das viel Zeit brauchte, um auf den Boden zu kommen. Jahrelang kämpften die Initiatoren vergeblich um die Finanzierung. Produktionsfirmen mussten gewechselt und deutsche Partner gefunden werden, ehe endlich im März des Vorjahres mit dem Dreh begonnen werden konnte. Und ja, man merkt es dem Film rasch an: Hier wurde versucht, einer großen Figur der österreichischen Geschichte Ehre zu erweisen. Der Cast ist bis in kleine Nebenrollen und Cameos großartig und teils gegen den Strich gebürstet. Großes Lob verdient die Besetzung der Hauptfigur. Auch wenn die Haare für die Zeit und gemessen am Original viel zu lang sind, macht Nils Arztmann als junger Bruno eine mehr als überzeugende Figur. Ohne ihn zu imitieren, macht er Kreiskys später berühmte, weil bedächtige Redeweise spürbar – das überzeugt. Auch die Frauenfiguren sind fein besetzt: Maya Unger als feingeistige Adele, Tochter aus gutem Haus. Vor allem aber die Neuentdeckung Soi Schüssler, die als resches, selbstbewusstes Arbeitermädel Sissi dem jungen Kreisky auf Augenhöhe entgegenkommt und den richtigen Ton trifft.
Dennoch hat „Bruno – Der junge Kreisky“ auch seine Baustellen. Zwar haben sich die Macher redlich bemüht, die schwere Zeit der 1930er-Jahre wiederauferstehen zu lassen. Aber gegen Produktionen wie Babylon Berlin, die die gleiche Zeit zeigen, wirkt hier alles glatter, cleaner, weniger authentisch. Vieles wird nicht filmgerecht gezeigt, sondern (wohl aus Kostengründen) lieber in langen, ausschweifenden Dialogen erzählt. Dazu kommt die spürbare Zuneigung der Macher zur Titelfigur, die zu mehr Huldigung als Spannung oder gar Kritik führt. Bruno macht keine Entwicklung durch, sondern ist von Anfang an gefestigt in seiner Überzeugung. Keine Haft, keine Misshandlung ändert etwas – hier wäre etwas mehr künstlerische Freiheit spannender gewesen.
