Jay Kelly

Beschreibung

Ruhm schützt nicht vor innerer Leere – diese Binsenweisheit nimmt Regisseur Noah Baumbach beim Wort. George Clooney gibt den titelgebenden Hollywood-Star Jay Kelly, der nach einer spektakulär inszenierten letzten Filmszene überraschend in ein tiefes Loch fällt. Die Karriere fühlt sich plötzlich fremd an, die Familie distanziert: Tochter Jessica (Riley Keough) hat sich längst abgeseilt, die jüngere Daisy (Grace Edwards) haut kurzerhand nach Italien ab, um vor dem College noch einmal Freiheit zu schnuppern. Als dann auch noch ein alter Mentor stirbt, bricht Jay endgültig aus seinem perfekt polierten Leben aus – begleitet von seinem überforderten, aber treu ergebenen Manager Ron (Adam Sandler).

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Rezension: Unsere Kritik zum Film

Baumbach eröffnet mit einer für ihn ungewöhnlich opulenten Plansequenz und liefert danach eine Mischung aus Roadtrip, Selbstsuche und Star-Selbstreflexion. Der Zug, der Jay quer durch Europa trägt, wird zum Sinnbild einer Lebensreise: Haltestellen in Frankreich und Italien sind Stationen der Erinnerung, Begegnungen spiegeln Jays zunehmenden Abstand zu der Welt, über die er im Kino so oft referiert. „Wie kann ich Menschen spielen, wenn ich die Menschen gar nicht kenne?“, fragt er sich – und referiert so eine der zentralen Leitfragen des Films. Doch Baumbach schwankt zwischen Tiefganganspruch und augenzwinkernder Satire über Reiche-Leute-Probleme. Manche Momente kippen dabei Richtung Kitsch, besonders wenn Clooney mit „normalen Leuten“ interagiert und der Score von Nicholas Britell dazu Emotionsbefehl schrammelt. Auch die Nebenfiguren – vom ratlosen Freund Timothy (Billy Crudup) bis zu einem überraschend relevanten Lars Eidinger im Radlerdress – wirken manchmal zu perfekt auf Jays Krise zugeschnitten, wie Elemente aus dem Dramaturgiebaukasten. Das Drehbuch will viel erzählen über Authentizität, Kunst und Selbstbetrug, lässt dabei aber immer wieder hörbar das Papier rascheln. Allerdings: Die Besetzung hebt diesen Film aus diesen Mängeln. Clooney spielt Jay Kelly mit dem selbstironischen Glanz eines echten Old-Hollywood-Gentlemans – in jeder Sekunde spürbar als Kommentar auf seine eigene Legendenbildung. Doch die heimliche Hauptfigur ist Adam Sandler: Sein Ron, eine lebenslange Stütze für den Star, sorgt für die berührendsten Momente und die besten Pointen. Mit warmherziger Ernsthaftigkeit und uneitlem Humor verleiht Sandler dem Film jene Erdung, die das Drehbuch manchmal verliert. Fazit: "Jay Kelly" ist nicht so elegant wie Baumbachs beste Arbeiten, aber dank Clooney ein charmant-melancholischer Blick auf Ruhm, Reue und die Frage, wer wir wären, wenn wir nicht immer wer anderer sein müssten.