Catch Me!

Beschreibung

Es gibt Filme, die Bücher als Vorlage haben, Filme, die auf wahren Begebenheiten beruhen - und dann gibt es aber auch Filme (und zwar nicht wenige davon!), die von Zeitungsartikeln inspiriert sind. Die US-Komödie „Catch Me!“ etwa hat ihren Ursprung in einem Artikel der Tageszeitung „The Wall Street Journal“ aus dem Jahr 2013. Die ersten Zeilen lauten übersetzt und etwas verkürzt so: „Vor kurzem trat Brian Dennehy seine Stelle als Marketingleiter der Firma Nordstrom Inc. an. In seiner ersten Woche fragte er einen Kollegen: „Wie schwierig ist es für einen Firmenfremden, das Gebäude zu betreten?“ Mr. Dennehy hat aber kein spezielles Interesse an der Sicherheit im Haus – er will einfach nicht „es“ sein.“

Folgendes passiert zu Beginn von „Catch Me!“: Hoagie Malloy (Ed Helms), ein erwachsener, normal aussehender Mann, lässt sich in einer Versicherung als Putzkraft einstellen und gelangt so unbedrängt zum Firmen-CEO Bob Callahan (Jon Hamm). Der befindet sich zwar gerade in einem Interview, unterbricht aber sofort, als er Hoagie erkennt und flüchtet durch das halbe Stockwerk. Umsonst: Hoagie erwischt ihn, nun ist Bob „es“.

Man muss sich das noch einmal auf der Zunge zergehen lassen, weil es eine wahre Geschichte ist. Seit nahezu 30 Jahren (!) spielen fünf erwachsene Männer Fangen. Sie sind Freunde, sie tun es, weil sie ihre Kindheit nicht vollkommen verlieren wollen. Die Regeln lauten: Jedes Jahr im Mai wird Fangen gespielt, egal wo, egal wie. Auszeiten und Pausen sind aber verhandelbar.

Damit die Geschichte in Schwung kommt, will einer der fünf aus dem Spiel aussteigen: Jerry Pierce (Jeremy Renner) will nämlich heiraten und damit quasi endlich erwachsen werden. Das Problem der anderen vier Mitspieler ist aber, dass Jerry noch nie, wirklich nie gefangen worden ist – einfach noch nie „es“ war. Entweder war er zu clever oder zu schnell und so den anderen buchstäblich immer einen Schritt voraus. So kann es nicht zu Ende gehen, beschließen Hoagie und Co und versuchen, Jerry zu fangen, bevor er aussteigt …

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Rezension: Unsere Kritik zum Film

In der Realität gab es keinen, der nie gefangen wurde, es waren auch mehr Mitspieler und der Monat war Februar. Einiges wurde für den Film „Catch Me!“ (20189 also dazugedichtet, aber der Artikel an sich war einfach zu verlockend, um von Hollywood ignoriert zu werden.

Schon einen Monat nach Veröffentlichung wurden die echten Mitspieler mit Angeboten von Filmfirmen überhäuft, ihre Story zu verfilmen. Zunächst waren Will Ferrell und Jack Black als Darsteller im Gespräch, doch die Sache zog sich hin. Im fertigen Film sieht man hier nun Ed Helms, den Zahnarzt aus den „Hangover“-Filmen, der gar nicht viel machen muss, um lustig zu sein – bei ihm reicht’s meistens, dass er sein Gesicht in die Kamera hält.

Auch Jon Hamm aus „Mad Men“ und Hannibal Buress, der einzige Schwarze der Clique, sind sympathisch-amüsant. Es stellt sich nur die Frage, warum die Macher sich dafür entschieden haben, die an sich originelle Geschichte mit so viel derbem Humor auszustatten.

Der Verfasser dieser Zeilen will nicht zu prüde wirken, aber wenn Jeremy Renner ins Haus von Ed Helms einbricht, warum muss er ihm dann per Livestream drohen, auf seinen geliebten Teddybären zu onanieren? Wieso muss bei einem Rückblick auf eine Teenieromanze in der High School der Gag darin bestehen, dass das Mädchen den Burschen auf einer Schaukel mit der Hand befriedigt? Warum gibt’s Witze über Abtreibung?

Die Franzosen hätten aus dem Stoff vermutlich eine warmherzige Komödie übers Nicht-Erwachsenwerden-Können gemacht – in Hollywood scheinen noch andere „Schmähs“ zu ziehen. Schade drum! Andererseits gibt es genug Fans von derben Späßen, und wie erwähnt sind die Darsteller das Plus des Films.

Mit einem überschaubaren Budget von 28 Millionen US-Dollar entstanden (wobei ein Großteil davon wahrscheinlich die Gagen von Renner, Hamm und Helms ausgemacht haben), spielte die derbe Komödie „Catch Me!“ immerhin 78 Mio. USD an den Kinokassen ein.