Viennale-Chef Hans Hurch ist gestorben – ein Nachruf

Viennale-Chef Hans Hurch ist gestorben – ein Nachruf

Hans Hurch, der langjährige Intendant der Viennale, ist in Rom überraschend an einem Herzversagen gestorben. Hurch, der am 18. Dezember seinen 65. Geburtstag gefeiert hätte, hat sich in der italienischen Hauptstadt zu einem Arbeitstreffen mit Regisseur Abel Ferrara (‚King of New York‘) getroffen. Er machte das Wiener Filmfestival zu einer internationalen Institution – und war eine der markantesten Stimmen der heimischen Kinolandschaft.

1997 übernahm Hans Hurch die Intendanz des Wiener Filmfestivals Viennale, nach der Ausgabe 2018 wollte er seine Tätigkeit beenden – damit war Hurch einer der längstdienenden Kulturmanager des Landes. „Er hat die Viennale als cineastisches Festival positioniert, das avantgardistische Ansprüche erfüllt und trotzdem ein breites Publikum anzieht“, lobte Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny Hurch anlässlich dessen Vertragsverlängerung bis 2018.

Die diesjährige Ausgabe des Wiener Filmfestivals findet vom 19. Oktober bis 2. November statt, und natürlich steht die Frage im Raum, ob der Termin nun gehalten oder ein Sonderprogramm gefahren wird. In einer ersten Stellungnahme des Viennale-Teams heißt es: „Es ist für uns alle ein Schock und großer Verlust und menschlich sehr schwer zu verkraften. Wir werden unser Möglichstes tun, um die diesjährige Viennale in seinem Sinne zu gestalten“.

Cineast voll Expertise und Leidenschaft

Hans Hurch (1952-2017) prägte das heimische Film-und Festivalgeschehen seit langem. Seit 1997 war der ehemalige Filmjournalist Direktor des wichtigsten heimischen Filmfestivals, der Viennale. „Ich bin nicht die Viennale. Ich mache die Viennale nicht alleine, auch wenn ich sie sehr geprägt habe“, hatte er bei der Verlängerung seines Vertrags bis Ende 2018 noch einmal betont.

2016: Hurch (r.) mit Regisseur Kenneth Lonergan (‚Manchester by the Sea‘) bei der 54. Viennale

2016: Hurch (r.) mit Regisseur Kenneth Lonergan (‚Manchester by the Sea‘) bei der 54. Viennale

Geboren wurde Hurch am 18. Dezember 1952 in Schärding (Oberösterreich). Ab 1971 studierte er Kunstgeschichte, Philosophie und Archäologie an der Universität Wien, ab 1976 war er Mitarbeiter der Wiener Stadtzeitung Falter. Neben seiner journalistischen Tätigkeit organisierte er Filmreihen und Retrospektiven. Von 1986 bis 2000 wirkte er als Regieassistent und Mitarbeiter bei Theater-und Filmarbeiten von Jean-Marie Straub und Danièle Huillet mit, 1990-1992 arbeitete er mit der Dokumentarfilmerin Astrid Johanna Ofner zusammen.

1993 bis 1996 war Hurch Kurator des Projektes "hundertjahrekino" anlässlich des hundertsten Geburtstages des Kinos. 1997 trat er sein Amt als Viennale-Chef an, das er mit großem Enthusiasmus, Expertise und Leidenschaft ausfüllte. Die Viennale wurde unter seiner Leitung ein international beachtetes und vom Publikum begeistert angenommenes Festival für Cineasten. "Mit 2018 ist meine Arbeit wirklich zu Ende", hatte Hurch, der sich nicht nur in seinen Eröffnungsreden immer wieder pointiert und kritisch zu politischen und kulturpolitischen Themen äußerte, vor zwei Jahren versichert. Sein Posten hätte Mitte 2017 ausgeschrieben werden sollen.

Kritik an heimischer Filmkritik

Auch auf die österreichische Filmkritik war Hurch nicht besonders gut zu sprechen. Zuletzt sorgte er mit einem Falter-Interview für Schlagzeilen, in dem er Kritiker als „Sklavenseelen“ und „Parksheriffs“ verunglimpfte: Das war der Ausdruck eines ausgeprägten Hangs zur kalkulierten Provokation, der ihn konstant im Gespräch hielt. Aber am Ende ging es ihm doch um die „Sache“, wie Hurch 2015 – wenige Tage vor dem Auftakt der 52. Viennale – bei einer Diskussion am Rande der Berlinale erklärte: „Ich weiß, dass ich es nicht schaffen werde, mit dem Programmieren von Filmen eine Revolution herbeizuführen, aber wenigstens habe ich immer noch die Ahnung im Hinterkopf, dass etwas anderes möglich ist als die bestehende Welt“.

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