Ursula Strauss: Star mit Selbstironie

Ursula Strauss: Star mit Selbstironie

Im Interview erzählt uns der Publikumsliebling Ursula Strauss, warum Humor die beste Medizin ist.

Vor gut einem Jahr, Mitte September 2014, begann eine schwere Zeit im Leben von Ursula Strauss. Zunächst wurde der Publikumsliebling (‚Schnell ermittelt‘) bei einem Autounfall verletzt – Nasenbein-, Schienbein- und Wadenbruch. Dann verstarb ihr Vater Rupert nach einer Herz-OP. Inzwischen kann die 41-Jährige aber wieder lachen. Der Anlass für unser Treffen hat einen kuriosen Hintergrund - wir wollen nämlich über ihre Hauptrolle im ORF-Drama ‚Meine fremde Frau‘ (Ausstrahlung: 28. Oktober) sprechen. Darin spielt sie just das Opfer eines Autounfalls - ein makabrer Zufall.

Meine fremde Frau: Die echten Wunden sind noch zu sehen

Das Angebot, den Film zu drehen, bekam Strauss ein Jahr bevor ihr „realer“ Unfall geschah. In ‚Meine fremde Frau‘ sieht man noch ihre echten Wunden, auch die Schmerzen musste sie nicht spielen. Beim Interview ist aber erfreulicherweise nichts mehr davon zu merken:

TV-MEDIA: Schön, dass es Ihnen wieder gut geht. Schräg, dass Ihr neuer Film von einer Unfallpatientein handelt.
Ursula Strauss: Allerdings schräg. Die Krücken im Film sind mir sehr entgegengekommen. Sie waren wie ein vertrauter Freund, da muss man nicht mehr viel spielen. Normalerweise bereite ich mich auf einen Film nicht so realistisch vor (lacht) .

TV-MEDIA: Stimmt es, dass das Angebot, den Film zu drehen, vor dem Unfall kam?
Ursula Strauss: Ja, schon ein Jahr davor. Das war wirklich ein sehr seltsamer Zufall. Der Unfall war dann auch ein ziemlicher Schock. Im Film sieht man auch immer noch meine Wunden, die vom Make-up ein bisschen verstärkt werden mussten, weil sie schon wieder etwas verheilt waren.


Ich war eine leidenschaftliche Autofahrerin, das bin ich jetzt nicht mehr. Dafür bin ich jetzt eine schreckliche Beifahrerin

TV-MEDIA: Können Sie eigentlich wieder in ein Auto steigen?
Ursula Strauss: Ich hab eine Traumatherapie gemacht, die sehr geholfen hat. Im Film hab ich ohnehin selbst fahren müssen, ich hatte also gar keine andere Wahl. Und das war auch gut so, ich hatte gar keine Zeit, darüber nachzudenken. Was ich aber schon sagen muss, ist, dass ich früher eine Leidenschaftliche Autofahrerin war, und das bin ich nich tmehr. Und: Ich bin seit dem Unfall eine schreckliche Beifahrerin. Ich kann mich gar nicht mehr entspannen und bin sehr schreckhaft. Mein Mann leidet sehr darunter.

TV-MEDIA: Apropos Ihr Mann: In praktisch jedem deutschsprachigen Film gibt es eine Liebesszene. Leidet Ihr Mann auch darunter, wenn Sie das spielen müssen bzw. ist er eifersüchtig?
Ursula Strauss: Ich würde es mal so formulieren: Er kann sich Schöneres vorstellen. Aber wir haben uns kennengelernt, da habe ich den Beruf schon ausgeübt, und es ist nun einmal Teil meiner Arbeit. Und solche Szenen sind Arbeit, total technisch. Da küsst du einen Menschen zum ersten Mal und 50 Leute schauen dir dabei zu, und der Regisseur sagt: Moment, die Kameraposition stimmt nicht. Der Job des Schauspielers ist nicht so glamourös, wie er wirkt, und Sexszenen zu drehen ist total unsexy.

TV-MEDIA: Im Film erleiden Sie einen Gedächtnisverlust. Ein spannendes Thema in vielen so unterschiedlichen Filmen wie ‚Total Recall‘ oder ‚Hangover‘. Mögen Sie so etwas?
Ursula Strauss: Absolut, wobei ich den Schwarzenegger-Film viel besser finde als das ‚Total Recall‘-Remake mit Colin Farell. Und ‚Hangover‘ finde ich auch total lustig, zumindest den ersten Teil.

TV-MEDIA: Reden wir generell über Humor: Worüber können Sie richtig lachen?
Ursula Strauss: Über viel, vor allem über mich selbst. Das ist der Schlüssel zu vielem, dass man sich selbst nicht zu ernst nimmt.

TV-MEDIA: Und über welche Filme oder Schauspieler können Sie lachen?
Ursula Strauss: Über Ben Stiller. Ich bin ein großer Fan von ‚Zoolander‘ aber vor allem auch von ‚Tropic Thunder‘. Wahnsinn, wie da unsere Branche in den Dreck gezogen wird! (Anmerkung: In der schwarzen Komödie landen eitle Hollywood-Actionschauspieler beim Dreh zu einem Kriegsfilm in einem echten Drogenkrieg)

TV-MEDIA: Weil wir über Amnesie gesprochen haben: Gibt es etwas, das Sie am liebsten aus ihrem Gedächtnis streichen würden?
Ursula Strauss: Nein, gar nichts, ich bereue auch nichts. Peinliche Situationen sind zum Beispiel die schönsten, da ergeben sich die herrlichsten Geschichten daraus.

TV-MEDIA: Das sagen Sie so leicht.
Ursula Strauss: Aber es ist so. Da muss man drüberstehen. Jedem Menschen passieren peinliche Geschichten, das vereint uns.


Ich hab mich vor Sir Peter Ustinov total zum Affen gemacht

TV-MEDIA: Dann erzählen Sie uns doch bitte eine Peinlichkeit aus Ihrem Leben.
Ursula Strauss: Okay, eine meiner peinlichsten Geschichten war, als ich bei einem Essen in Wien neben Sir Peter Ustinov gesessen bin. Da war ich so aufgeregt und froh darüber, dass ich neben ihm sitzen durfte, und hab so lange nachgedacht, was ich zu ihm sagen könnte, dass ich ihn schließlich gefragt habe: Wie waren die Dreharbeiten zu Ben Hur? Daraufhin sah er mich an und meinte trocken: Ich war nie in Ben Hur, das war Quo Vadis. Und ich hab aufgeschrien: ja, ja, ja, Quo Vadis! (Sie stellt Ustinov als Kaiser Nero dar, wie er die Leier zupft)

TV-MEDIA: Ui, das ist wirklich ein bisschen peinlich.
Ursula Strauss: Ja, so ein Trottel kann ich sein. Ich habe ihn das vor allen Leuten in die Stille hinein gefragt. Nachdem ich ihn übrigens gefragt habe, ob ich ihm die Speisekarte übersetzen darf. Dam Mann, der fünf Sprachen fließend sprechen konnte! Ich habe mich vor Sir Peter Ustinov total zum Affen gemacht. Danach bin ich hochrot angelaufen und hab mich gar nicht mehr getraut, ihn anszusprechen.

TV-MEDIA: Sie haben nichts mehr miteinander geredet?
Ursula Strauss: Nichts. Verabschiedet hab ich mich zum Schluss von ihm, aber ansonsten haben wir kein Wort mehr gewechselt.

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