Umfrage: Wie schräg darf Tatort sein?

Thiel und Boerne sind neben dem österreichischen Team Eisner/Fellner die beliebtesten ‚Tatort‘-Ermittler

Thiel und Boerne sind neben dem österreichischen Team Eisner/Fellner die beliebtesten ‚Tatort‘-Ermittler

Wenn es am Sonntagabend unkonventionell zugeht, dann klinkt sich ein Teil der ‚Tatort‘-Gemeinde oft aus. Wie zuletzt beim – wie ein Horrorfilm inszenierten – Frankfurter Fall ,Fürchte dich‘, der ziemlich floppte. Eine aktuelle TV-MEDIA-Umfrage zeigt nun, wie die Zuschauer ihren ‚Tatort‘ gerne hätten.

Zu schräg fürs Publikum: ‚Babbeldasch‘, der Impro-Tatort. Effekt: Miese Quoten

Seit ARD-Fernsehfilm-Koordinator Jörg Schönenborn vor zwei Wochen verkündete, der öffentlich-rechtliche Sender wolle in Zukunft nur mehr zwei ,Tatort‘-Experimente pro Jahr produzieren, gehen die Wogen hoch, wird heftig diskutiert. Hintergrund für die Entscheidung: Wenn es am Sonntagabend unkonventionell zugeht, dann klinkt sich ein Teil der ,Tatort‘-Gemeinde oft aus. Wie zuletzt beim – wie ein Horrorfilm inszenierten – Frankfurter Fall ‚Fürchte dich‘, der in Deutschland mit 6,9 Mio. und hierzulande 500.000 Sehern klar unterdurchschnittlich bilanzierte.

Team Frankfurt hat zu tief ins Horrorgenre gegriffen: ‚Fürchte dich‘ hatte keine guten Zuschauerwerte

Impro-,Tatort‘ ‚Babbeldasch‘ und Wackel-Borowski floppten

Schon im Februar hatte der Impro-Tatort aus Ludwigshafen mit dem Titel ‚Babbeldasch‘ für Kopfschütteln gesorgt – bei 6,35 Mio. deutschen und 504.000 heimischen Sehern. Und die inflationäre Wackelkamera bei ‚Borowski und das Fest des Nordens‘ verursachte im Juni einen Quotenflop: 6,11 Mio. ARD- und 465.000 ORF-Seher waren bei der Premiere dabei.

‚Tatort‘-Umfrage: Das sind die Lieblingsermittler

Münster-Tatort: Thiel und Boerne als Quotengaranten

Zumindest dürfen ARD und ORF mit einer Traumquote rechnen, wenn die Münsteraner Ermittler in ‚Gott ist auch nur ein Mensch‘ die Primetime unsicher machen. Fakt ist: Axel Prahl alias Hauptkommissar Thiel und Jan Josef Liefers alias Gerichtsmediziner Boerne locken das TV-Publikum in Scharen vor die Fernsehschirme – und das seit exakt 15 Jahren.

‚Tatort‘-Umfrage zu den Sehergewohnheiten und wie die Fans die Qualität beurteilen

„Was die Kriminalfälle in Münster anbelangt, so ist das Hauptaugenmerk schon auf die
Unterhaltung gelegt“, so Prahl im TV-MEDIA-Interview über das Erfolgsgeheimnis des Münster-Tatorts, der zuletzt im April mit dem gagreichen ‚Fangschuss‘ 14,56 Mio. Deutsche und 892.000 Österreicher amüsierte – absolut rekordverdächtig!

‚Tatort‘-Studie: Austro-Ermittler sind am beliebtesten, anspruchsvolle Krimis gefragt

Eine vom Marktforschungsinstitut MindTake für TV-MEDIA durchgeführte Umfrage (Sample: 504 repräsentativ ausgewählte Männer und Frauen) zeigt, dass diese Zahlen keineswegs Zufall sind. Hierzulande sind nämlich die Münster-Krimis bzw. ihre Ermittler nach den ORF-,Tatorten‘ mit Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser die mit Abstand beliebtesten.


TV-Seher setzen anspruchsvoll offenbar nicht mit experimentell gleich (‚Tatort‘-Umfrage)

Auch zur aktuellen Debatte um die Experimentierfreudigkeit des Krimi-Dauerbrenners wollte TV-MEDIA die Meinung von Herrn und Frau Österreicher wissen. Interessant: 32,7 % der Befragten finden es gut, dass die ARD nun weniger experimentelle Krimis auf Sendung bringen will, während 25,6 % gegen diese Entscheidung sind. Andererseits bevorzugen 41,9 % anspruchsvolle Krimis, während es 29,4 % lieber klassisch mögen. Will heißen: TV-Seher setzen anspruchsvoll offenbar nicht mit experimentell gleich.

‚Tatort‘-Umfrage: Klassisch oder anspruchsvoll?

Insider-Meinung: Drehbuchautor Brée hält Til Schweigers ‚Tatorte‘ für Themenverfehlung

Drehbuchautor Uli Brée (‚Vorstadtweiber‘), der schon für zahlreiche heimische Tatorte das Skript verfasst hat, kann die neue ARD-Vorgehensweise jedenfalls nachvollziehen. „Ich verstehe, dass man so einen Dinosaurier wie den ,Tatort‘ irgendwann einmal brechen will, das ist eine natürliche Entwicklung. Andererseits kommen dann solche Sachen raus wie die Themenverfehlung von Til Schweiger. Dass man zurückkehrt zu einer klassischen Form, finde ich nicht wirklich falsch.“

Ulli Brée hat schon für viele Austro-‚Tatorte‘ das Skript geschrieben

Brée hält es zwar für „hochinteressant“, wenn man „wie bei den Ulrich-Tukur-Geschichten das Pferd von einer ganz künstlerischen Seite aufzäumt“, für ihn habe der Tatort aber generell eine andere Aufgabe: „gesellschaftsrelevante Themen aufzugreifen, auch wenn das ein alter Hut ist. Mich interessiert bei einem Tatort immer nur peripher, wer der Mörder ist, sondern mehr, was die Menschen momentan beschäftigt.“ Außerdem, so der 53-Jährige: „Was sind denn Experimente? Es kann ja toll sein, wenn ich einen ,Tatort‘ mache, in dem kein Mord passiert, in dem der Mörder nicht gefasst wird, oder mit einem Zeitsprung, wo ich einen Fall nicht löse und ein Jahr später die Geschichte wieder aufgreife. So was finde ich spannend.“

22 Teams: Gibt es etwa zu viele ‚Tatort‘-Ermittler?

Woran sich das heimische Publikum mehr stößt als an etwaigen schrägen ,Tatort‘-Experimenten (demnächst kommt ein in einer einzigen Kameraeinstellung gedrehter Schweizer Krimi), ist die Vielzahl an Ermittlern (aktuell 22 Teams). Nicht weniger als 42,3 % der Befragten geben zu, sich überhaupt nicht mehr auszukennen, während nur 13,9 % den vollen Durchblick haben.

‚Tatort‘-Umfrage: Gibt es zu viele ‚Tatort‘-Teams?

Axel Prahl gibt sich diesbezüglich diplomatisch: „Was die ,Tatort‘-Ermittler betrifft, so ist das, glaube ich, etwas, das sich von alleine regelt durch die Akzeptanz des Zuschauers.“ Die in Münster ungebrochen hoch ist. Seit Montag wird bereits der nächste Fall gedreht …

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