Kleine Geschichte der TV-Flops: ‚Mitten im Achten‘, das Soap-Desaster vor 10 Jahren

Die ‚Mitten im Achten‘-Crew. Obere Reihe von l.: Michael Pascher, Iréna Flury, Martin Maier, Barbara Kaudelka, Max Schmiedl, Angelika Niedetzky,Veronika Polly, Christoph Fälbl. Untere Reihe von l.: Maria Schuchter, Nikola Rudle, Gerold Rudle,Verena Scheitz, Laurence Rupp

Die ‚Mitten im Achten‘-Crew. Obere Reihe von l.: Michael Pascher, Iréna Flury, Martin Maier, Barbara Kaudelka, Max Schmiedl, Angelika Niedetzky,Veronika Polly, Christoph Fälbl. Untere Reihe von l.: Maria Schuchter, Nikola Rudle, Gerold Rudle,Verena Scheitz, Laurence Rupp

Flop statt Hit – 2007 erlitt der ORF mit seiner Daily-Soap ‚Mitten im Achten‘ argen Schiffbruch. Zwei Darsteller von damals erinnern sich. Und wir stellen die Frage: Was blieb von der Wrabetz-Programmreform?

„Es ist ein Quantensprung in der Weiterentwicklung", so Alexander Wrabetz im Februar 2007 über den bevorstehenden Start von ‚Mitten im Achten‘. Das Prestigeprojekt der großen Programmreform seiner ersten Amtszeit als ORF-Generaldirektor, eine Daily Soap österreichischen Zuschnitts, sollte wochentags am 19.20-Uhr-Sendeplatz in ORF eins das (junge) Publikum in Scharen anziehen.

6,5 Millionen Produktionskosten für ‚Mitten im Achten‘

Wer sich an die 6,5 Mio. Euro teure ORF-Soap nicht mehr erinnern kann: Im Mittelpunkt von ‚MiA‘ standen 13 unterschiedliche Charaktere und ihr reichlich turbulenter Alltag. Allesamt wohnten sie mitten im achten Wiener Gemeindebezirk, genauer: in der Florianigasse - aufgesplittet in drei „Lebensgemeinschaften“: die gutbürgerliche Familie Steinlechner, das zwei Häuser entfernte bodenständige Wirtshaus Holacek sowie die darüberliegende Studenten-WG.

Mit an Bord: Kabarettstars Rudle, Niedetzky und Newcomer

Zum Cast zählten neben Austro-Kabarettisten wie Gerold Rudle und Angelika Niedetzky auch viele Newcomer. Zum Beispiel Laurence Rupp und Iréna Flury, die sich zurückerinnern. Rupp (dreht aktuell die Servus-TV-Serie ‚Vollblut‘ und danach das Kino-Polizeidrama ‚Cops‘) hat vor allem die Art des Drehs im Gedächtnis: „Diese Masse an Minuten, die wir hatten, eine Folge pro Tag, das habe ich danach so nicht mehr erlebt.“

Laurence Rupp spielte damals in der ORF-Soap mit

Quoten: Erfolgreicher Start, aber bald im Keller

Freilich rauschten die Quoten der 22 Minuten langen Episoden nach erfolgreichem Start am 10. April - bis zu 431.000 Zuschauer - bald in den Keller, zudem hagelte es Kritik von Seher-, Medien-und Werbeseite. Nach zwei Monaten zog Wrabetz die Reißleine und verkündete die Absetzung von ‚Mitten im Achten‘ per 29. Juni.

Auch das Serien-Aus ist Laurence Rupp noch präsent: „Das kam sehr schnell und überraschend. Niki Rudle (Tochter des Kabarettisten, Anm.) hat mir einen Artikel in der Kronenzeitung gezeigt, drei Stunden später wurden wir von Wolfgang Lorenz (damaliger ORF-Programmdirektor, Anm.) im Studio informiert.“

Nicht gut für die Karriere: ‚Mitten im Achten‘-Darsteller waren eine zeitlang tabu

Warum es nicht geklappt hat? Rupp: „Generell finde ich es nicht gut, wenn man so viele Minuten pro Tag dreht, unsere Arbeit braucht Zeit. Außerdem war es ja von einer niederländischen Serie abgekupfert, als Österreicher sollten wir aber unsere eigenen Sachen machen.“ Negative Folgen für seine eigene Karriere hatte das MiA-Desaster (62 nicht ausgestrahlte Episoden verschwanden für immer im ORF-Archiv) nicht. „Ich hatte das Glück, kurz danach mit Tobias Moretti den Zweiteiler ‚Das jüngste Gericht‘ zu drehen, insofern gab es da keine Probleme.“ Er habe aber von Castern gehört, dass so mancher MiA-Darsteller für einige Zeit "tabu" war.

Die kleine Niki Rudle hat bittere Tränen vergossen

Für Iréna Flury war ‚MiA‘ primär spannendes Erfahrungsammeln. „Total aufregend, ich war ja zu der Zeit noch in Ausbildung, und es war eines der ersten Male, bei denen ich intensiv mit Kamera arbeiten konnte“, so die 33-jährige Wienerin, die demnächst in Magdeburg im ‚Musical West Side Story‘ spielt. Trotz negativer Nebengeräusche erinnert sich Flury gerne an die Spielfreude, die bei ihr und ihren Kollegen herrschte.

Iréna Flury war bei ‚Mitten im Achten‘ dabei

„Ein bisserl chaotisch war alles, aber der Spirit immer positiv.“ Am Tag, an dem das Ende verkündet wurde, kam Flury zu spät zum Set und wusste erst gar nicht, was Sache ist. „Es herrschte so eine betroffene Stimmung, die kleine Niki Rudle hat bittere Tränen vergossen, und ich dachte nur: Oh, Gott, was ist denn da passiert. Als ich dann erfuhr, dass wir abgesetzt werden, war ich erleichtert, dass nichts Schlimmeres passiert ist.“

Dass sie damals so jung war, habe ihr geholfen, die bittere Erfahrung zu verarbeiten. „Ich hab das besser weggesteckt, als ich es heute wegstecken würde. Ob die Karriere leiden könnte, war mir gar nicht so bewusst.“ Und hat sie gelitten? „Im Gegenteil, es war eher Türöffner, weil ich gleich mit einem deutschen ‚MiA‘-Regisseur weitergedreht habe. Eigentlich war ich positiv überrascht, wie wenig auf unserem Rücken ausgetragen wurde.“

Was wurde eigentlich aus der „größten Programmreform aller Zeiten“?

Im April 2007 wollte Alexander Wrabetz programmlich durchstarten: mit viel Ambition, aber wenig Erfolg: Der überraschenden Wahl von Alexander Wrabetz zum ORF-Generaldirektor im August 2006 folgte -nach der Zeit unter Monika Lindner - ein unternehmensweites Aufatmen, verbunden mit großen Hoffnungen. Mit Wolfgang Lorenz wurde zudem ein Mann Programmdirektor, der als Kreativkopf galt, die Ambitionen, den ORF auch programmlich neu aufzustellen, waren riesengroß.

Entsprechend breit angelegt waren auch die als "größte Programm-Reform aller Zeiten" vermarkteten Innovationen, die am 10. April 2007 starten sollten. Ihr Kernstück: die erste "Daily Sitcom" des ORF mit Namen Mitten im Achten. Sie sollte -mit ihrem Scheitern - letztlich das gesamte Reformwerk von "Super-Alex" in Verruf bringen. Direkte Folge: Seitdem hat der ORF nie mehr so viel riskiert, was sich bis dato auf den Quotenerfolg auswirkt.

Die damaligen Reformen im Detail:

  • Die neue Zeit im Bild: Die ‚ZiB 1‘ um 19.30 Uhr wurde nicht mehr auf zwei Kanälen durchgeschaltet. Und: Man wechselte zur heute noch üblichen Doppelmoderation. Als Verstärkung kam Ingrid Thurnher
  • Neue News-Formate: Auf ORF eins wruden neue News-Formate wie die ‚ZiB 20‘ bzw. ‚ZiB 24‘ eingeführt
  • Die heute-Schiene: Die damalige ‚Willkommen-Österreich‘-Vorabend-Schiene (nein, nicht Grisse-und Stermann!) wurde durch die ‚heute‘-Sendungen ersetzt. Der Erfolg ließ auf sich warten, nach Modifikationen trat er aber ein
  • Comedy-Offensive: Mit ‚Wie bitte?‘ (Andi Knoll, Eva Pölzl) sollten junge Seher umworben werden. Der Plan scheiterte
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