Soko Donau-Star Lilian Klebow im Talk mit sich selbst

Soko Donau-Star Lilian Klebow im Talk mit sich selbst

Ab 15. September startet die neue ,Soko Donau’-Staffel. Als Revierinspektorin Penny Lanz greift Klebow zwecks Verbrecherjagd oft zur Waffe. Im richtigen Leben ist die 35-jährige Schauspielerin Pazifistin und Mutter. Im Selbst-Interview erzählt sie uns, wofür sie dankbar ist und was sie traurig macht.

Lilian Klebow: Da stellt man sich den ganzen Tag selbst Fragen und Fragen und dann fällt einem keine erste Frage ein..
Klebow: Ja, wie jetzt? Hast du dich etwa nicht vorbereitet auf das Interview mit dir selbst?

Lilian Klebow: Doch ca. 35 Jahre... Hey, und keine Gegenfragen! Die Fragen stelle ich...
Klebow: Also ich :-)


Die Unmenschlichkeit macht mich tief traurig

Lilian Klebow: Wie auch immer...
Klebow: Ja, wurscht. Was ich loswerden möchte, ist, dass ich große Dankbarkeit empfinde. Hier leben zu dürfen. In Frieden und Freiheit! Angesichts der momentanen, unfassbaren Ereignisse in der Flüchtlingspolitik weiß ich nur noch "wir müssen aufstehen und helfen". Wir haben seit 70 Jahren Frieden. Unsere Großmütter aber sind geflohen und kamen nur knapp mit dem Leben davon. Haben wir das vergessen? Meine Familie gäbe es nicht, wären nicht Menschen gewesen, die meine Oma beherbergt und andere aufgenommen haben, als seien sie Familie! Es ist nun unsere Zeit zu helfen. Die Unmenschlichkeit macht mich tief traurig...

Lilian Klebow: ... Aber positiv gedacht: vielleicht steht uns ein großer, gesellschaftlicher Wandel bevor? Hin zu einem Miteinander?
Klebow: Ich wünsche es mir!

Lilian Klebow: Dankbarkeit ist ein schönes Thema: Für was empfindest du Dankbarkeit, dass du mal gehasst hast? Oder das du dir nie vorstellen konntest?
Klebow: ... da hat das Leben echt Humor! Dankbarkeit z. B. dafür, daß ich oft ein unsicherer Mensch war. Voller Zweifel, Ängste und Panik zu versagen. Heute denke ich, ich hätte zwar viel netter zu mir sein können, aber ich bin dankbar, dass ich dadurch immer offen, anpassungsfähig, wiss- und erfahrungsbegierig war. Meine Unsicherheit hat mich oft blockiert, aber hauptsächlich, weil ich sie einfach unterdrücken wollte. Seit ich sie zulasse, stehe ich zu mir selbst. Ich muss nicht mehr alles wissen, alles können. Ich bin befreit von Klugscheißertum und Perfektionismus.

"Ich bin befreit von Klugscheißertum und Perfektionismus"

Lilian Klebow: Und was konntest du dir nie im Leben vorstellen und bist nun dafür dankbar?
Klebow: Kinder zu bekommen ? :-) Ich dachte mein Leben ist dann vorbei. Ich werde nie mehr frei sein. Aber was ist das eigentlich? Frei? Zu jedem Zeitpunkt tun und lassen können was ich will? Gut, habe ich fast 35 Jahre lang. Wenn ich jetzt drehe, radle, einen Abend frei habe, einen Kinofilm sehe oder meine Tochter einfach für eine Stunde schläft, dann empfinde ich Glück. Tief und ganz und voll. Ich lebe bedingungslos diesen Moment. Vorher konnte ich gar nicht schätzen, wie schön Zeit haben ist!

Lilian Klebow: Hast du das vorher wirklich nicht?
Klebow: Nein. Da war ich getrieben von Angst und Unsicherheit. Von dem Gedanken, wenn ich etwas nicht schaffe, irgendwo nicht dabei bin, dann habe ich versagt. Voller Ehrgeiz. Ruhelos. Müde. Ausbrennend. Ich dachte Stillstand sei der Tod. Ich wollte so gerne dazu gehören!

Lilian Klebow: Wozu gehören?
Klebow: Weiß ich selber nicht. Ich habe nie dazu gehört. Ich wollte Anerkennung und Liebe. Bin manchmal zerschellt an meinem Hass jeglicher Klischees. Das hat es mir schwer gemacht in eine Clique oder Gruppe zu gehören. Heute erlaube ich mir Ecken, Kanten und nicht dazuzugehören. Und gehöre mehr zu mir selbst und der Welt um mich. Gehöre also mehr dazu :-)

Lilian Klebow: Klingt verwirrend, aber nicht zwangsläufig unlogisch.
Klebow: Danke! Bin aber trotzdem manchmal einsam. Dazu hat einer meiner Lieblingsautoren, Eugene O'Neill, einen weisen Satz gesagt: "Die Einsamkeit des Menschen ist nichts anderes als die Angst vor dem Leben". Na, bitte. Hier kann ich also noch viel lernen! Denn wo wir schon beim zitieren sind: "Ein Leben in Angst ist nur ein halbes Leben!", wie MEIN weiser Mann immer so schön sagt!


Die Einsamkeit des Menschen ist nichts anderes als die Angst vor dem Leben

Lilian Klebow: Aber warum ist man als Mutter eigentlich einsam?
Klebow: Ich war vorher auch schon oft einsam. Was nicht an meiner Fernbeziehung oder unserer Liebe liegt. Aber ich finde kaum ist man den 20ern entstiegen, beginnt man um sein Leben zu laufen. Die Kreise werden immer enger. Man dreht sich um sich. Wo sind die Menschen mit denen man einfach einen Tag verbringt? Sich spontan trifft? Doch noch etwas länger bleibt? Wo nicht jeder in seinem Beziehungs-, Arbeits- und Freizeitsstundenplan versinkt? Man muß Treffen Wochen vorher, wie einen Arzttermin "buchen" muß! Und hat dann "begrenzte Sprechzeit"...

Lilian Klebow: Heißt dieser Zustand nicht erwachsen sein?
Klebow: Entschuldigung, aber dann scheiß ich aufs erwachsen sein! Was ist denn so toll an diesem geplanten, an diesen verplanten Leben? Die vermeintliche Sicherheit? Es ist Weglaufen vor dem Moment. Dem Jetzt. Man kommt so nicht zum Denken. Jeder Tag als "Working Mum" ist Koordination, Planung, Abstimmung. Mein Job hat eine strenge und doch sich spontan verändernde Disposition. Ich versuche mir trotzdem möglichst viel Spielraum zu verschaffen. Freiheit. Was dann dazu führt, das man mit fünf Taschen und Kind loszieht: für alle Möglichkeiten gerüstet! Trotzdem hasse ich nichts so sehr, wie zig Wochen vorher einen Termin auszumachen, um einfach mal zu plaudern. Woody Allen hat recht: Es ist leichter einen Termin bei einem Psychotherapeuten zu bekommen, wenn man ein Problem hat. Gut, ist jetzt natürlich übertrieben, aber was weiß ich, ob ich morgen, in einer Woche, in zwei Jahren noch lebe? Das Leben ist jetzt.

Lilian Klebow: Wie ist das heute ein Kind zu bekommen?
Klebow: Wenn man ein Kind bekommt, hält das Leben kurz an. Der Atem stockt. Und man inhaliert nur Liebe. Nur diesen Augenblick. In dem dieses kleine Wesen plötzlich vor dir liegt. Du hast es neun Monate getragen. Diese Zeit hat dich für immer verändert. Lebendiger. Reifer. Gemacht. Du bist eine Beschützerin geworden. Hast begriffen, daß sich das Leben nicht um dich dreht. Das Leben ist eine Weitergeben. Ich fühle mich jetzt als Teil eines großen Ganzen. In der Kette des Lebens angekommen. Im Wachsen und Vergehen. Im Moment. Es heißt, das dein Leben nie mehr so wie vorher ist :)). Und das ist gut so!

"Mein Mann hat mich Familie gelehrt"

Lilian Klebow: Du warst aber nie ein Familienmensch , oder?
Klebow: Und bin jetzt dankbar (schon wieder dankbar) für meine Familie. Für die Hilfe, die mir in den letzten Eineinhalb Jahren seit der Geburt meiner Tochter durch so viele Menschen zuteil geworden ist. Seien es meine Eltern, die extra aus München hergekommen sind, um mir zu helfen. Oder meine Schwägerin. Meine Nachbarin. Einige Freunde und neue Bekannte! Mein Mann hat mich "Familie" gelehrt. Diesen Samen gepflanzt. Und der ist aufgegangen. Ich habe eine große über die Welt verstreute Familie und genieße es.

Lilian Klebow: Was hast du denn gedacht, wie es mit Kindern läuft?
Klebow: Ich habe immer geträumt davon, wie in einem Hollywood Film mit den besten Freunden mein Kind groß zu ziehen. Tja, ich war sicher nie besser, mir waren Kinder auch wurscht früher. So habe ich mich, schwer mit mir selbst ins Gericht gehend, von diesem Traum verabschiedet. Alle arbeiten, haben ihre hochkomplexen Leben. Eigentlich passen Kinder da nicht rein! Kinder laufen nicht einfach mit in unserer Gesellschaft, genausowenig wie alte Menschen. Oder behinderte Menschen.

Lilian Klebow: Also ist man eigentlich plötzlich Teil einer Randgruppe?
Klebow: Obwohl es das Natürlichste der Welt ist, eigentlich: JA! Als Mutter mit Kind bist du zum Beispiel plötzlich auf Aufzüge angewiesen. Und die sind wunderbare Orte des Treffens für diese drei "Randgruppen": Mütter, alte Menschen, behinderte Menschen. Man braucht Zeit und muss warten. Man sieht einander. Hilft. Redet. Ein bisschen Menschlichkeit eben.
Das Krasseste, was ich je erlebt habe, war, als ich mit meiner fiebrigen Charlie nach einem Kinderarztbesuch die Neubaugasee rauflaufe und weil die Kleine so geweint hat, kurz auf einem Bordstein an einem Juweliergeschäft Platz nehme, um ihr etwas zu trinken zu geben. Plötzlich sprüht jemand über mir Glasreiniger aus. Ich wende mich fassungslos nach oben und frage, ob es ein Problem gibt. Harsch entleerte die Dame auch noch ihren Hass über mir: Ich habe hier nicht zu sitzen und solle doch auf die scheiß grüne Mariahilferstraße gehen, da seien Sitzmöglichkeiten. Ich habe versucht, an ihre Menschlichkeit zu appellieren. Sie hat nicht mal zugehört. Ich war eine Schmeißfliege für sie. Ich war so wütend. Was würde diese Frau machen, wenn jemand auf ihren Stufen verblutet? Glasreiniger draufsprühen? Was ist mit den Menschen los? Bevor sie schauen, ob jemand Hilfe braucht, kippen sie blind ihren Hass aus! Das macht mir Angst! Ich war nur eine Mama mit Baby. Wie geht die erst mit jemanden um, der noch weniger in ihr sauberes Weltbild passt? Vielleicht sollte ich meinem Kind auch einfach ein Smartphone in die Hand drücken und hoffen, es stört dann nicht...


Kinder sind nicht still!

Lilian Klebow: Warum nicht :-) Ist doch urpraktisch...
Klebow: Ja total! Wir versuchen Kinder einfach "still" zu stellen. Kinder sind nicht still. Auch wenn man sie mit Handys, Bildschirmen und Fernsehern um den Preis ihrer Fantasie dazu bringen kann. Ich möchte das meine Tochter die Welt erst mal erlebt, bevor sie ihr bebildert wird!

Lilian Klebow: Man fühlt sich also als ständiger Störenfried mit einem Kind?
Klebow: Ja, irgendwie schon. Die Tatsache, daß ich mir früher auch gedacht habe: "Bitte kann die nicht ihr Kind "abstellen"?", zeugt nur davon, wie verschoben meine eigene Wahrnehmung in dieser Hinsicht war. Kinder sind laut. Neugierig. Kommunikativ. Beweglich. Lebendig. Ich lerne mit Kindern wieder mich mit anderen zu verbinden. Ich war immer schon kommunikativ, um Hilfe habe ich aber nicht gerne gebeten.

Lilian Klebow: Also geben Kinder dem Leben einen Sinn? Weil sie laut und nervig sind?
Klebow: Aber das ist das Leben! Ich habe noch keinen Menschen am Sterbebett sagen hören: "Aber der Auftrag, den ich für die Bank erfüllt habe, die Kalkulation, der neue 8-Zylinder, das war meine Erfüllung". Es sind die Menschen um uns, die uns Erfüllung geben. Und mögen sie laut und nervig sein. Sie sind auch liebevoll und zärtlich. Und ihnen zu helfen macht glücklich. Verbindet uns! Ich hoffe ich bin an meinem Sterbebett dankbar für die großartigen Chancen, die mir mein Leben (für das ich große Dankbarkeit empfinde :-) ) eröffnet hat, und am meisten hoffe ich, die Hand meiner Tochter und meines Mannes halten zu dürfen. Im Kreis von liebenden Menschen zu sein. Von Freunden und Familie. Und stolz auf meine 7 Enkerln zu schauen!

"Möchte stolz auf meine 7 Enkerl schauen"

Lilian Klebow: Eigentlich ein schöner Abschluß, aber möchtest du gar nichts berufliches los werden?
Klebow: PR-Profi, wie?

Lilian Klebow: Selber!
Klebow: Ich wünsche mir viele Zuseher für unseren Kinofilm "Beautiful Girl", der ab 16.Oktober in den Kinos startet.
Ich danke Produzent Helmut Grasser und Regisseur Dominik Hart, dessen Regiedebut dieser Film ist, daß sie mich nicht einfach mit dem Vorurteil "TV-Komissarin" behängt haben und mir die Chance zu dieser wunderbaren Rolle, meiner ersten Rolle als Mama gegeben haben. Es war wunderbar eine kurze Vorschau ins Leben mit meiner 15jährigen Filmtochter "Charly" (Jana McCinnon) zu bekommen. Ich hoffe mein Charlie ist mit 15 ein ebenso rebellisches, unangepasstes, untussiges, cooles Mädel wie Jana. Ich hatte das große Glück mit so großartigen Kollegen wie den Kids und Hary Prinz, Dany Sigl und Christian Tramitz spielen zu dürfen! Und einem überaus sensiblen, feinen, humorvollen jungem Regisseur, von dem man noch viel hören wird. Da bin ich sicher. Ganz zu schweigen von Kamera und den übrigen Departments! (Auch große Dankbarkeit!)

In Beautiful Girl spielt Klebow die Mutterrolle

In Beautiful Girl spielt Klebow die Mutterrolle

Am 15. 9. starten die neuen Folgen der 10. SOKO DONAU-Staffel. Ein spezielles Highlight wird die Folge "Der Tag an dem Penny Lanz starb" aus der Feder von Stefan Brunner. Regie: Holger Barthel. Mit eine der aufregendsten und spannendsten Folgen, die ich je gedreht habe!

Das Soko Donau-Kernteam: Stefan Jürgens, Lilian Klebow und Gregor Seberg

Das Soko Donau-Kernteam: Stefan Jürgens, Lilian Klebow und Gregor Seberg

Auf der Bühne sah man mich dieses Jahr im Rahmen von "WEAN HEAN", dem Wienerliedfestival mit dem Programm Walter Jurmann Chansonabend "Zu schön un wahr zu sein" mit Wolf Bachofner, Julian Loidl und Bela Koreny. Weitere Termine im September und Oktober gibt’s auf meiner Facebook-Seite.
Genug geredet. Ich danke für die Aufmerksamkeit! Adios!

Top Storys
Dominic Thiem startet heute in die Rasen-Saison

Dominic Thiem startet heute in die Rasen-Saison

Los geht’s für den 24-Jährigen bei der Gerry Weber Open in Halle

Top Storys
Pack’ den Netflix-Zugang ein...

Pack’ den Netflix-Zugang ein...

Urlaub mit Technik – die ultimative Checkliste zum Download!

Top Storys
Netflix sichert Fortbestand von ‚Lucifer‘

Netflix sichert Fortbestand von ‚Lucifer‘

Neue Episoden gibt’s voraussichtlich erst 2019

Top Storys
‚Die Unglaublichen 2‘: Traumstart für Animationssequel!

‚Die Unglaublichen 2‘: Traumstart für Animationssequel!

180 Millionen Dollar bereits am Startwochenende

Top Storys
‚Shining': Fortsetzung mit Ewan McGregor

‚Shining': Fortsetzung mit Ewan McGregor

Für die Verfilmung von Stephen Kings ‚Shining‘-Nachschlag haben die Macher einen Topstar verpflichtet

Top Storys
‚Addams Family‘: Animiertes Reboot mit Top-Cast!

‚Addams Family‘: Animiertes Reboot mit Top-Cast!

Ende 2019 sorgen die Addams wieder für Spaß und Schrecken in den Kinos