‚Sie nannten ihn Spencer‘: Video-Interview mit Regisseur Karl-Martin Pold

‚Sie nannten ihn Spencer‘: Video-Interview mit Regisseur Karl-Martin Pold

Nicht aufgeben! Wie sich der Wiener Filmemacher Karl-Martin Pold seinen Traum von einer Bud-Spencer-Doku erfüllte.

Im Oktober 2009 berichtete TV-MEDIA erstmals über Karl-Martin Pold. Damals war der Wiener noch Student und kündigte eine Doku über Bud Spencer an, auf einer eigens eingerichteten Homepage bat er Fans des Italo-Stars um Beteiligung, in welcher Form auch immer. Spannende Idee, doch Ideen gibt es viele, eine Zeitlang hörte man nichts mehr von dem Projekt. War die Doku tot? In der Filmbranche verglühen manche Projekte schneller, als Gegner vor Bud Spencer davonlaufen konnten. Jetzt, im Sommer 2017 treffen wir erstmals persönlich auf Pold. Seine Doku kommt tatsächlich ins Kino, heißt ‚Sie nannten ihn Spencer‘, allein ihre Entstehungsgeschichte wäre einen Film wert. Denn Pold hatte natürlich nicht vor, acht Jahre mit der Fertigstellung zu warten. Die Geschichte seines Films hätte das Zeug, andere Jungfilmer zu inspirieren. Nach dem Motto: Gib deinen Traum nicht auf!

Sechsmal abgelehnt

2009 lief Pold im Urlaub mit einem Bud-Spencer-Shirt in Neapel, der Heimatstadt der Hau-drauf-Ikone, herum. „Da sprach mich plötzlich ein Mann an“, erinnert sich Pold. „Er kannte ihn über drei Ecken persönlich.“ Und schon war die Idee für einem Film geboren. Zunächst stellte der damalige Journalismus-Student einen Trailer zu einer fiktiven Bud-Spencer-Doku ins Netz. Als sich Fans aus Afrika, Südamerika, Japan und „jede Menge Deutsche“ meldeten, wusste Pold, dass er einen Film über ihn machen muss. Das Problem: Er hatte kein Geld.

‚Sie nannten ihn Spencer‘ – Video-Interview mit Regisseur Karl-Martin Pold (Peter Slavin)

Von der österreichischen Filmförderung wurde sein Projekt sechsmal abgelehnt, was er bis heute nicht versteht. „Die Spencer-Autobiografie war überall auf den Bestseller-Listen, meine Facebook-Seite hat 270.000 Fans. Trotzdem wurde ich immer wieder abgelehnt. Begründung: kein Kino-Potenzial.“ Pold war gefrustet, aber aufzugeben war keine Option. Also drehte er mit Hilfe der Fans weiter: „Professionelle Kameramänner, Tonleute, Übersetzer, Grafiker arbeiteten ehrenamtlich am Film.“ Als mitten im Dreh in Europa das Auto einging, meldeten sich sogar Mechaniker, die Bud-Spencer-Fans waren und ihm den Wagen reparierten. Mittlerweile hatte er auch zwei Protagonisten für seinen Film, die als roter Faden für die Doku dienten. Denn Pold lernte bei seinen Recherchen zwei besondere Fans von Spencer kennen. Der eine ist von Geburt an blind, der andere brach sich vor Jahren das Genick, verlor aber seinen Lebenswillen nicht, weil er während der Reha über Spencer/Hill-Filme lachte – er kann wieder gehen, ist vollständig gesund. Ihr größter Traum: Einmal ihr Idol treffen. Pold: „So etwas kannst du nicht erfinden. Ich wusste, ich muss sie mit der Kamera begleiten.“

„Das ist nur der Fernseher!“

In seinem fertigen Film verknüpft er die Reise der beiden Fans mit Hintergrund-Infos über Spencer und Interviews mit dessen Wegbegleitern (u. a. Terence Hill). Das große Ziel des Trips, Carlo Pedersoli, wie Spencer wirklich heißt, zu treffen, war aber nicht leicht: Seine greise Privatsekretärin schmetterte alle Anfragen ab, verleugnete ihn am Telefon (Pold: „Ich sagte, ich höre ihn doch im Hintergrund. Sie sagte, das ist nur der Fernseher.“). Wie es dennoch gelang, ihn zu treffen, bevor er 2016 starb, muss man gesehen haben. Pold wird die Begegnung nicht vergessen: „Er war wie im Film. Total herzlich.“ Diesen Traum hat er sich also erfüllt, Pold will aber Regisseur bleiben, Ideen für neue Projekte gibt es. Es ist ihm zu wünschen, dass es keine acht Jahre Drehzeit braucht.

‚Sie nannten ihn Spencer‘ läuft am 27. Juli in den österreichischen Kinos an.

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