Serienvorspanne: Wer steckt eigentlich hinter den kleinen Kunstwerken?

Der Main Title von ‚Game of Thrones‘ wird für jede Folge angepasst

Der Main Title von ‚Game of Thrones‘ wird für jede Folge angepasst

Sie dauern zwischen 40 und 100 Sekunden, sind fast immer gleich, aber in sich kleine Kunstwerke: Serienvorspanne sind so wichtig geworden, nur noch die Besten sie machen dürfen. Ein Blick hinter die Kulissen

Während die Kinos stöhnend die rückläufigen Zuschauerzahlen hinnehmen müssen, erfreuen sich die TV-Serien-Produzenten aus Übersee (HBO, Netflix, Amazon und Co) einer immer größer werdenden Fangemeinde. Serienjunkies und Filmfans werden es schon bemerkt haben: Nicht nur die Serien an sich werden immer aufwendiger produziert, alleine die Vorspanne der einzelnen Titel - im englischen Original auch „Main Titles“ genannt - sind kleine Kunstwerke für sich.

True Detective Main Title

Moderne Premiumserien verschlingen Millionen pro Folge. Das liegt einerseits an der hochkarätigen Besetzung, wie man sie früher nur bei Hollywood-Blockbustern vorfand, andererseits an den extrem detaillierten und aufwendigen Filmsets sowie den epischen Aufnahmetechniken. Und obwohl jede Folge die Geschichte und die Charaktere ein Stück mehr aufdeckt, so bleibt eines fast immer gleich: der Main Title.

Nur die Besten dürfen die Serien-Intros produzieren

Der soll sich gar nicht groß verändern, sondern dem Zuseher binnen Sekunden das Gefühl von Vertrautheit bieten und ihn gleichzeitig in die Atmosphäre der nächsten 40 bis 60 Minuten eintauchen lassen. Das Intro muss fesseln, erregen, Spannung aufbauen, darf aber nicht zu viel verraten. Heute ist ein Vorspann ein aufwendig gedrehter Kurzfilm, ein Stück Serienidentität und ein emotionaler Anker für die Zuseher. Kein Wunder, dass die Studios nur die Besten an die Intros lassen.

The Crown Main Title

Hinter den farbenfrohen, coolen, düsteren oder beklemmenden Intros stehen vor allem zwei darauf spezialisierte Studios: Elastic und Digital Kitchen. Patrick Clair, Regisseur bei Elastic, hat mit seinem Team gleich mehrere Hochkaräter abgeliefert, darunter die Main Titles von ‚True Detective‘, ‚The Night Manager‘, ‚Westworld‘, ‚The Crown‘ oder ‚The Man in the High Castle‘. Sein Stil ist tendenziell etwas theatralisch: langsame Bildführung, schwermütige Musik.

Patrick Clair (li.) und seinen Team (Raoul Marks und Jennifer Sofio Hall) bekamen 2014 den Primetime Emmy für den Main Title von ‚True Detective‘

Patrick Clair (li.) und seinen Team (Raoul Marks und Jennifer Sofio Hall) bekamen 2014 den Primetime Emmy für den Main Title von ‚True Detective‘

Trotzdem findet man auch Verspieltheit in den Intros, so wie in den Überblendungen von ‚True Detective‘ oder den Animationen von ‚The Night Manager‘.


Für das Game of Thrones-Intro waren 25 Grafiker, Designer, Computerexperten und Filmleute am Werk

Sein Kollege Angus Wall, der sowohl für Digital Kitchen als auch für Elastic tätig ist, kreierte das spektakuläre und extrem komplexe ‚Game of Thrones‘-Intro. Angus Wall ist übrigens oscar- und emmyprämierter Cutter und gehört zu den engsten Mitarbeitern von David Fincher.

Die Filmeditoren Kirk Baxter (li.) und Angus Wall sind ein gutes Team, sie bekamen für ‚The Social Network‘ und für ‚Verblendung‘ einen Oscar

Die Filmeditoren Kirk Baxter (li.) und Angus Wall sind ein gutes Team, sie bekamen für ‚The Social Network‘ und für ‚Verblendung‘ einen Oscar

‚Game of Thrones‘-Intro: Inspiriert von Leonardo da Vinci

Das Besondere hierbei: Während die meisten Vorspanne immer gleich sind, sind sie bei ‚Game of Thrones‘ auf die jeweilige Folge abgestimmt und lebendig. Die sich aufdeckende Landkarte von Westeros verändert sich, wenn in der betreffenden Folge ein neuer Schauplatz auftaucht. „Damit bieten wir dem Zuseher Information, da es Westeros ja nicht wirklich gibt, der Zuseher aber trotzdem Orientierung möchte“, erklärt Angus Wall seine Überlegungen. Wie komplex ein Vorspann werden kann, zeigt das ‚Game of Thrones‘-Intro.

Game of Thrones Main Title

Insgesamt haben 25 Grafiker, Designer, Computerexperten und Filmleute daran gearbeitet - für „nur“ 100 Sekunden Gesamtlänge. Der Clou: Die einzelnen Königreiche werden in extrem detailreichen, mechanischen Animationen binnen Sekunden errichtet. „Game of Thrones spielt in einer rohen, technisch einfachen Zeit. Um diesen Charakter hervorzuheben, haben wir uns an die einfachen Materialien des Mittelalters - wie Holz, Leder und Metall - gehalten. Um die Mechanik authentisch wirken zu lassen, haben wir uns von den Maschinen von Leonardo da Vinci inspirieren lassen“, so Wall.

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