Sacha Baron Cohen: Mann mit den vielen Gesichtern!

Hätten Sie ihn erkannt? Dieser Herr ist u. a. bekannt durch seine Rollen als Ali G, Borat, Brüno und General Aladeen

Hätten Sie ihn erkannt? Dieser Herr ist u. a. bekannt durch seine Rollen als Ali G, Borat, Brüno und General Aladeen

Er wird als Enfant terrible des Vereinigten Königreichs gehandelt, sorgt weltweit für Furore und das nicht ohne Grund: Sacha Baron Cohen eckt seit den späten 90ern mit seinen exzentrischen Filmen bei allem und jedem an – kein Promi ist vor ihm sicher, kein Schmäh ist ihm zu tief! Anlässlich seines neuesten Kinohits ‚Der Spion und sein Bruder‘ haben wir dem britischen Ausnahmekünstler ein Porträt gewidmet.

Aufgewachsen ist der heute 44-jährige Sacha Baron Cohen in einer jüdischen Familie im Londoner Stadtteil Hammersmith. Das „Baron“ steht übrigens nicht etwa für einen Adelstitel, sondern ist eine englische Ableitung des hebräischen Wortes „Baruch“ – was zu deutsch „gesegnet“ bedeutet. Schon früh zeigte der Bursche Talent für Sprachgewandtheit – so gewann er u. a. einen Aufsatzwettbewerb der Tageszeitung The Times – und Interesse für die Hip-Hop-Szene, die er später mit seiner Kunstfigur Ali G noch gehörig auf die Schaufel nahm. Cohen studierte Geschichte an der Universität Cambridge und spielte bei der dortigen Theatergruppe in Stücken wie ‚Cyrano de Bergerac‘ und ‚Fiddler on the Roof‘ mit.

Aller Anfang ist schwer …

Bereits während des Studiums übernahm er einige Filmrollen, nach seinem Abschluss strebte er eine Karriere als Komiker an. Aus kleinen Auftritten in britischen Stand-up-Clubs wurden bald Gigs vor der Kamera, wo er als fiktiver schwuler, österreichischer Journalist Brüno auftrat – jedoch (noch) wenig Anklang beim Publikum fand. 1998 sollte sich alles ändern, als er in der 11 O’Clock Show seine Figur Ali G der Öffentlichkeit präsentierte.

Als Ali G gelang Baron Cohen der Durchbruch – Respekt!

Unter diesem Pseudonym bekam er im UK eine gleichnamige Show zur Verfügung gestellt. Das Konzept bestand darin, dass Baron Cohen als rotzfrecher Rap-Gangster Politiker und Promis interviewt, wobei er vor allem mit der Doppelbödigkeit der englischen Sprache spielte. Neben Astronaut Buzz Aldrin, Autor Gore Vidal und Millionär Mohamed Al-Fayed hat er sogar den aktuellen US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und Sängerin Madonna aufs Glatteis geführt.

Auszeichnungen, erster Kinofilm und Erfolge in Amerika!

Die Rolle brachte Baron Cohen den British Comedy Award für den besten Newcomer ein, 2001 wurde die Show mit dem British Academy Television Award für die beste Comedy-Serie ausgezeichnet. In jenem Jahr moderierte Ali G übrigens auch die MTV Europe Music Awards in Frankfurt. 2002 drehte er seinen ersten Kinofilm ‚Ali G in da House‘, der in Deutschland knapp eine halbe Million Kinobesucher anzog! Im Zuge dieses Films konnte das Multitalent auch mit seinen Gesangskünsten auftrumpfen und produzierte u. a. gemeinsam mit Reggae-Musiker Shaggy (‚Boombastic‘) den Song ‚Me Julie‘. Ab Februar 2003 wurde ‚Da Ali G Show‘ auf dem Sender HBO in den USA ausgestrahlt und auch dort sehr positiv aufgenommen.

Schon gewusst? Sacha Baron Cohen ist Vorbild für König Julien aus ‚Madagascar‘ und leiht ihm auch die Stimme!

Nicht vielen ist die Tatsache bewusst, dass Sacha Baron Cohen auch Kinder in den Kinos zum Lachen bringt: Für ‚Madagascar‘ spielte er 2005 den Song ‚I Like To Move It‘ ein und war zugleich als Synchronsprecher für Lemuren-König Julien tätig. Diesen spricht er auch in den beiden offiziellen Fortsetzungen, nicht jedoch in den TV-Serien ‚Die Pinguine aus Madagascar‘ und ‚King Julien‘.

Jak się masz: Gestatten, mein Name ist Borat!

Ebenfalls 2005 moderierte Baron Cohen zum zweiten Mal die MTV Europe Music Awards in Lissabon – diesmal in der Rolle des Borat Sagdiyev. 2006 kam der Film ‚Borat – Kulturelle Lernung von Amerika, um Benefiz für glorreiche Nation von Kasachstan zu machen‘ in die Kinos.

Mit seiner Rolle als frauenfeindlicher Kasache Borat sorgte das britische Enfant terrible weltweit für Kontroversen

Diese Figur entstammte ursprünglich der Ali G Show und erhielt dort bereits Zuspruch von den Zusehern. Baron Cohen spielt in dem Streifen nicht nur die Hauptrolle – Borat ist ein kasachischer Fernsehreporter und Antiziganist mit offer antisemitischer und frauenfeindlicher Grundhaltung – sondern arbeitete auch am Drehbuch mit und trat zusammen mit Jay Roach (bekannt durch die ‚Austin Powers‘-Reihe) als ausführender Produzent auf. Unglaublich, aber wahr: Trotz des großen medialen Wirbels, den Baron Cohen mit seiner neuen Figur auslöste, wurde ‚Borat‘ 2007 sogar für den Oscar des „Besten adaptierten Drehbuchs“ nominiert. Gewonnen hat in der Kategorie dann jedoch ‚Departed – Unter Feinden‘ mit Leonardo DiCaprio.

Brüno – Ein Seitenhieb auf Österreich und Jörg Haider?

Im Sommer 2009 kam der Film ‚Brüno‘ in die Kinos. Wie bereits zu Beginn des Artikels erwähnt, hatte Baron Cohen die Idee zu dieser Figur schon sehr früh und gewährte dem schwulen Reporter aus Österreich bereits in ‚Da Ali G Show‘ Gastauftritte. Gerüchte besagen, dass er sich für diesen Charakter an Ex-FPÖ-Chef Jörg Haider orientierte. Knapp 160.000 Kinogeher waren hierzulande an ‚Brüno‘ interessiert, weltweit spielte die Mockumentary 137 Millionen US-Dollar ein – bei einem Produktionsbudget von 42 Mio. Dollar eigentlich ganz in Ordnung.

Homosexueller Österreicher: Hat für die Figur Brüno Jörg Haider Modell gestanden? Das Gerücht hält sich eisern!

Das Allround-Talent ist auch in ernsten Filmen und als Sänger unterwegs!

Wer jetzt denkt, dass Sacha Baron Cohen ein Kasperl vor dem Herrn ist, der hat natürlich nicht unrecht, jedoch hat der Herr auch bewiesen, dass er in durchaus ernst zu nehmenden Rollen eine gute Figur macht. So war er im Martin-Scorsese-Film ‚Hugo Cabret‘ (2011) – der fünf Oscars und zwei BAFTA-Awards abräumte! – und 2007 in Tim Burtons Musical-Film ‚Sweeney Todd‘ neben Johnny Depp zu sehen. Sein Talent als Sänger stellte er schließlich auch in Tom Hoopers Neuverfilmung des Musicals ‚Les Misérables‘ (2012) unter Beweis.

In ‚Les Misérables‘ hatte Baron Cohen zusammen mit Helena Bonham Carter einen Gesangspart – die war zu dieser Zeit noch mit Regisseur Tim Burton liiert

Von Diktatoren und Spionbrüdern!

Doch im Jahr 2012 folgte auch wieder ein lustiger Streich des Briten: In ‚Der Diktator‘ sorgte er als exzentrischer Despot für reichlich politisch unkorrekte Lacher und präsentierte mit dem tyrannischen Admiral General Aladeen ein weiteres Alter Ego. Der Film blieb bis dato jedoch sein schwächster und kam in Tadschikistan, Turkmenistan, Weißrussland und Kasachstan sogar auf den Index!

Autsch! Mit der bedingt lustigen Sketchparade ‚Der Diktator‘ schoss Sacha Baron Cohen leider über das Ziel hinaus

Auf das Diktatoren-Drama folgten kleine Nebenrollen in Filmen wie ‚Anchorman 2‘ und der TV-Serie ‚Eastbound & Down‘, danach wurde es still. Heuer jedoch meldet sich der Scherzbold mit einem neuen Film und einer gänzlich neuen Kunstfigur zurück! In ‚Der Spion und sein Bruder‘ (ab heute auch in österreichischen Kinos) spielt er den Sozialschmarotzer Nobby Butcher, dem nur drei Dinge auf der Welt heilig sind: Seine dauergeile Schwergewichtslebensgefährtin Lindsey (Rebel Wilson), ein Leben als Fußball-Hooligan und die Verehrung für seinen Bruder Sebastian (Mark Strong).

Er kann’s immer noch: Der neue Film ist jenseits des guten Geschmacks!

Besagten Bruder verlor er jedoch im Kindesalter aus den Augen! Was Nobby nicht weiß: Sebastian ist mittlerweile neben James Bond der beste Geheimagent, den England zu bieten hat und quasi rund um die Uhr damit beschäftigt, Schurken zu killen. Gerade als er ein Attentat auf die weltweit als Philanthropin tätige Rhonda George (Penelope Cruz) verhindern will, treffen er und Nobby wieder zusammen, und der doofe Bruder versaut alles – und zwar so, dass alle denken, Sebastian sei der Attentäter! Fortan befinden sich die ungleichen Brüder auf der Flucht, reisen bis nach Afrika wo sie im Alleingang auch noch die Welt retten müssen – und im Vorbeigehen auch noch dafür sorgen, dass England Fußball-Weltmeister wird!

Mit ‚Der Spion und sein Bruder‘ wird zwar jede Grenze des schlechten Geschmacks überschritten, doch im Web wird die Komödie von den Baron-Cohen-Fans bereits abgefeiert!

TV-MEDIA hat sich den Film bereits zu Gemüte geführt, und wir sind der Meinung, wenn eine Komödie je das Prädikat „Nichts für schwache Nerven“ verdient hat, dann diese! Wer glaubt, dass bei ‚Borat‘, ‚Brüno‘ und ‚Der Diktator‘ der Zenit der Fäkal-, Körperflüssigkeits- und Adipositas-Gags erreicht wurde, wird hier eines radikal Besseren belehrt.

Und wie sieht’s bei dem Kerl im Privatleben aus?

Um für ‚The Brothers Grimsby‘ (so der Originaltitel des neuesten Werks) die Werbetrommel zu rühren, ist Sacha Baron Cohen übrigens seit Jahren wieder in die Rolle von Ali G geschlüpft und hatte just bei der diesjährigen Oscar-Verleihung einen Auftritt. Die Academy hat dem Schauspieler zwar verboten, bei der Präsentation des Films ‚Room‘ kostümiert auf die Bühne zu spazieren, doch gemeinsam mit seiner Frau schaffte er es, die Verkleidung ins Dolby Theatre zu schmuggeln und sich am Klo umzuziehen. Das Ergebnis war mehr als köstlich und ein gekonnter Seitenhieb auf die heurige Diversity-Diskussion – in wiederholter Folge nominierte die Academy keinen einzigen afroamerikanischen Schauspieler für eine der begehrten Goldstatuetten.

Bei Kult-Radiomoderator Howard Stern verriet Baron Cohen, wie er seine Verkleidung bei den Oscars reinschmuggelte

Wer nun denkt, dass dieser total verrückte Kerl ein mindestens ebenso abgedrehtes Privatleben hat, der sei eines Besseren belehrt: Der praktizierende Jude wohnt in Los Angeles und ist seit 2010 mit der australischen Schauspielerin Isla Fisher verheiratet. Mit ihr drehte er 2003 den 8-minütigen Kurzfilm „Spyz“ (eine Art James-Bond-Parodie, die zu Werbezwecken der ‚Ali G Show‘ in Amerika diente). Zusammen haben sie zwei Töchter und einen Sohn.

Ein Wiedersehen im Kino gibt es übrigens schon bald wieder: Sacha wird in dem von Tim Burton produzierten Fantasyabenteuer ‚Alice im Wunderland – Hinter den Spiegeln‘ (AT-Kinostart: 27. Mai 2016) die Rolle des finsteren Herrn der Zeit übernehmen!

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