Das Rex-Revival: ORF wiederholt die Kultserie mit Tobias Moretti & Co

Das Rex-Revival: ORF wiederholt die Kultserie mit Tobias Moretti & Co

Vor 23 Jahren begann der Kult um den Wiener Polizeihund, der die Welt eroberte - jetzt wird die Serie wiederholt. Was sich seit damals geändert hat.

November 1994: Gerade hat Wien einen neuen Bürgermeister namens Michael Häupl begrüßt. Die Sportwelt fasst es noch immer nicht, dass Formel-1-Legende Ayrton Senna tot ist und ein junger Mann aus Kerpen namens Michael Schumacher erstmals Weltmeister wird. In den Kinos boomen großartige Filme wie Philadelphia, Schindlers Liste, Vier Hochzeiten und ein Todesfall oder Der König der Löwen. Im Radio liefert die holländische, als Südstaatler verkleidete Musikformation Rednex ihr One-Hit-Wonder Cotton Eye Joe ab.

Tobias Moretti und Rex in der allerersten Folge von ‚Kommissar Rex‘ im Jahr 1994

Und am 10. November explodiert in der ORF-Primetime ein Serienphänomen, das bis dato fast unbemerkt ein Jahr vorbereitet wurde, nämlich Kommissar Rex. Mit dem Pilotfilm ‚Endstation Wien‘, in dem Polizeihund Rex sein beamtetes Herrchen durch Mord verliert, keinen mehr an sich ranlässt und eingeschläfert werden soll, dann aber durch Inspektor Richie Moser (Tobias Moretti) gerettet und dessen treuester Freund wird, startete vor genau 23 Jahren die erfolgreichste Serie, die je aus Österreich kam: 214 Folgen (inklusive der späteren Italo-Ableger) in 18 Staffeln, verkauft in rund 50 Länder quer über den Globus, von Argentinien bis Zypern.

Tapferer Rex!

Tapferer Rex

Die Abenteuer von Hund und Herrl(n), die jetzt in ORF 2 wiederholt werden, lösten einen bis dato nicht gekannten Hype in Österreich und Deutschland aus, der in Skurrilitäten gipfelte (Goldene Schallplatte für Rex, der Jingle Bells wuffte). Die meisten Darsteller wurden zu Topstars oder zumindest vorübergehend welche: Tobias Moretti war über Nacht völlig vereinnahmter Publikumsliebling mit Romy-Abo und konnte sich nach dreieinhalb Staffeln nur durch völlige Loslösung emanzipieren - und so auch auf anderen Gebieten (von der Opernregie über kantige Kino- und TV-Filme bis zum Jedermann in Salzburg) zur (mimischen) Austrospitze vorstoßen.

Tobias Moretti spricht nicht mehr über ‚Kommissar Rex‘

Auch wenn es viele nicht verstehen, weil ihm die Rolle alle Türen öffnete -Moretti spricht konsequent nicht mehr über Rex, schon seit Jahren. Auf seiner Homepage finden sich Fotos von älteren Produktionen - aber kein Hund.

Wolf Bachofner als Peter Höllerer, Tobias Moretti als Richard Moser, Heinz Weixelbraun als Christian Böck – und natürlich Rex

Karl Markovics als ‚Stockinger‘ wiederum bekam später eine eigene Spin-off-Serie auf den Leib geschrieben und schnupperte mit Die Fälscher 2008 erfolgreich Oscarluft. Seither wirkte er bei Hollywoodfilmen mit und ist selbst engagierter Filmemacher. An Rex erinnert sich Markovics so: „Ich konnte so viel Erfahrung sammeln. Aber man landet auch schnell in einer Schublade.“ - Und Kollege Wolf Bachofner? Der ist heute bei Schnell ermittelt unverzichtbar.

Karl Markovics sammelte bei ‚Kommissar Rex‘ viel Erfahrung

Einer der Rex-Regisseure der ersten Staffel, Oliver Hirschbiegel, bekam nach Rex erst die oscarnominierte deutsche Großproduktion Der Untergang überantwortet, ehe er nach Hollywood zu Daniel Craig, Naomi Watts oder Liam Neeson gerufen wurde. Auch Austro-Regieroutinier Michael Riebl (Schnell ermittelt, Der Winzerkönig, Vier Frauen und ein Todesfall etc.) verdiente sich mit der Serienerfindung von Peter Hajek und Peter Moser die ersten Sporen.


Es war ein Riesenhit, mit bis zu acht Millionen Sehern pro Folge in Österreich und Deutschland. Da hab ich nichts dagegen, dabeigewesen zu sein. Noch heute werde ich darauf angesprochen - aber es ist gut, dass es vorbei ist. (Wolf Bachofner)

Ich werde noch heute mit der Serie in Verbindung gebracht. Es war sehr schön. Ich freue mich, dass es den Leuten Freude gemacht hat! (Heinz Weixelbraun)

Was die Wiederholung der Serie - deren sorgfältige Auswahl der Außenmotive wahrscheinlich so viel für die Wiener Fremdenverkehrswerbung getan hat wie zuvor nur ‚Der Dritte Mann‘ - jedoch auch zeigt: Sehgewohnheiten und die Inszenierung von Krimiserien haben sich in den vergangenen 23 Jahren dramatisch geändert.

Christoph Waltz 1996 in ‚Kommissar Rex‘

Die oft videoartige Bildgestaltung der frühen Folgen ist heute nur nach Eingewöhnungszeit erträglich; die Geschichten wurden durch die Episoden-Inflation teils so absurd, dass man sich heute fragt, wie das je am TV-Redakteur vorbeikam. Das gilt auch für die Schauspielerführung, die teils unfreiwillig komisch wirkt. Bestes Beispiel: Doppel-Oscarpreisträger Christoph Waltz lieferte als Puppenmörder (1996) eine Performance ab, an die er heute zu Recht nicht mehr erinnert werden möchte...

Programmtipp: Kommissar Rex – Mo bis Fr auf ORF 2 um 9.55 Uhr (alle Folgen der Serie)

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