Best of ORF-Sommergespräche: Die Highlights aus 35 Jahren

Bevor die Sommergespräche 2016 im ORF starten, hat Martin Wurnitsch mit Susanne Schnabl ein TV-MEDIA-Sommergespräch geführt

Bevor die Sommergespräche 2016 im ORF starten, hat Martin Wurnitsch mit Susanne Schnabl ein TV-MEDIA-Sommergespräch geführt

Seit 1981 lädt der ORF Parteivorsitzende zu seinen Sommergesprächen. Das Ziel: Füllung des allgemeinen Sommerlochs mit politischem Diskussionsstoff. Gleich die allererste Sendung sorgte für Furore - wie auch andere, legendäre (und nicht nur wegen der sommerlichen Temperaturen) hitzige Interviews. Wir haben die legendärsten Sommergespräche-Begegnungen aus den Archiven geholt.

Doch zunächst die Neuigkeiten rund um den Polit-Talk. Heuer wird erstmals Susanne Schnabl (‚Report‘) die Sendung moderieren. Die Termine für die 2016er-Sommergespräche sind:

  1. Montag, 25. Juli, 21:05, ORF 2 - Frank Stronach, Bundesparteiobmann Team Stronach
  2. Montag, 1. August, 21.05 Uhr, ORF 2 – Matthias Strolz, Vorsitzender NEOS – Das neue Österreich
  3. Montag, 8. August, 21.05 Uhr, ORF 2 – Eva Glawischnig, Bundessprecherin und Klubobfrau Die Grünen
  4. Montag, 22. August, 21.05 Uhr, ORF 2 – Heinz-Christian Strache, Bundesparteiobmann und Klubobmann FPÖ
  5. Montag, 29. August, 21.05 Uhr, ORF 2 – Reinhold Mitterlehner, Vizekanzler und Bundesparteiobmann ÖVP
  6. Montag, 5. September, 21.05 Uhr, ORF 2 – Christian Kern, Bundeskanzler und Parteivorsitzender SPÖ

Die sechs live geführten 50-minütigen Interviews mit den heimischen Spitzenpolitikerinnen und -politikern finden im ORF-Studio am Küniglberg statt. Analysen der einzelnen „Sommergespräche“ durch den Politologen Peter Filzmaier folgen in den anschließenden „ZiB 2“-Ausgaben.

Susanne Schnabl, Moderatorin des ORF-Innenpolitik-Magazins ‚Report‘, freut sich schon auf ihre Interviewpartner

Best of Sommergespräche: Von Badehosen, Enten und Käfern

Alles begann 1981 in der Konstellation Parteichef - Journalist. Mehr als 20 Moderatoren, darunter Peter Rabl, Rudolf Nagiller, Johannes Fischer, Helmut Brandstätter, Elmar Oberhauser, Robert Hochner, Ingrid Thurnher, Gabi Waldner oder Armin Wolf verzeichnet die Historie der Sommersendung. Mit den Jahren änderte sich auch das Format. Mal waren die Sommergespräche live, mal aufgezeichnet. Die Location änderte sich - vom Freien ging es in Studio. Dort saß Publikum oder auch nicht. Auch wurde an der Anzahl der Interviewer gedreht: Die Palette reichte von mehreren Interviewern über ORF-Journalisten und Zeitungsjournalisten bis hin zur Begleitung durch Wirtschaftsexperten und bekannte Künstlern. In 35 Jahren gab es nur zwei Sommergespräch-Ausfälle, beide waren durch Wahlen bedingt. 2008 und 2013 zeichneten die bevorstehenden Nationalratswahlen mit den TV-Wahlduellen für die Unterbrechungen verantwortlich.

1. Peter Rabl und Norbert Steger plantschen und plaudern im Swimming Pool

Die erste Sendung von der wir vorher sprachen hinterließ einen bleibenden Eindruck. Sendungserfinder Peter Rabl und der damalige FPÖ-Chef Norbert Steger landeten gemeinsam im Swimmingpool. Aber nicht aufgrund von verbalen Unstimmigkeiten, die etwa zu einem Gerangel und in Folge gemeinsamen Poolsturz führten. Der Grund für den ungewöhnlichen Ort für ein Interview war schlicht und einfach die große Hitze.

Peter Rabl plantschte und plauderte 1981 mit Norbert Steger cool im Pool

2. Johannes Fischer, Jörg Haider und eine ideologische Missgeburt auf der Alm

In bleibender Erinnerung ist die Begegnung von Johannes Fischer mit Jörg Haider aus dem August 1988. Auf einer Kärntner Alm als Kulisse entlockte Fischer dem damals aufstrebenden FPÖ-Chef den Sager von der österreichischen Nation als „ideologische Missgeburt". Die Passage fand Eingang in den Zitatenschatz der Zweiten Republik.

Obwohl er dem FPÖ-Chef einen Kult-Sager entlockte, sieht Johannes Fischer recht konsterniert drein

3. Ingrid Thurnher und Werner Faymann: Am See, da quaken die Enten

Eigentlich sollte das Thurnher-Sommergespräch 2009 mit Werner Faymann und Oscar-Regisseur Stefan Ruzowitzky ja auf der Bregenzer Seebühne stattfinden. Doch Angelika Feigl, Pressesprecherin von Werner Faymann, fürchtete die Naturgewalten. Also intervenierte sie: Um Pannen vorzubeugen, zählte Feigl auf, welche „Eventualitäten" es beim Gespräch mit dem Kanzler auf der Bregenzer Seebühne zu beachten gelte: etwa „Wetter, Sonnenlicht - mein Chef soll nicht ständig die Augen zukneifen müssen", Regen, der „geht gar nicht", sowie „Nebengeräusche", etwa durch Tiere verursacht - „am See quaken gerne Enten, nicht einmal das möchte ich, während mein Chef spricht!". Das Gespräch fand letztlich im Festspielhaus statt. Quak!

4. Ingrid Thurnher und Maria Vassilakou vom Winde verweht

Der Standard titelte damals mit „Rückenwind für Vassilakou“, was den (meteorologischen) Gegebenheiten beim Sommergespräch ziemlich entsprach. Dieses Sommergespräch aus dem Jahr 2009 war übrigens einer der Anlässe für Angelika Feigls rigorose ‚Sommergespräch‘-Vorgaben. Zuvor kam nämlich noch BZÖ-Chef Josef Buchner bei seinem Sommergespräch vor dem Salzburger Dom kaum gegen die Glocken an, die während der ORF-Aufzeichnung minutenlang alles übertönten.

Ein wenig durch den Wind, die beiden Damen

Ein wenig durch den Wind, die beiden Damen

5. Armin Wolf und Werner Faymann: Studien-Abbrecher und Käfer-Beschützer

2012 machte sich Armin Wolf bei Werner Faymann ziemlich unbeliebt. Er ritt gleich am Beginn der Sendung auf Faymanns Lebenslauf herum - und auf dessen Jus-Studium. Der damalige Bundeskanzler hatte jedoch keine einzige Prüfung absolviert. Der SPÖ-Politiker druckste herum und gab zu Protokoll: „Ich gehöre nicht zu jenen, die sich mit Titel schmücken, ich habe einiges inskribiert, vieles nicht fertig gemacht. Das gebe ich ehrlich zu." Wolf ließ es dabei aber nicht bewenden und zog Vergleiche zu Martin Graf, der fälschlicherweise angab, Rechtsanwalt zu sein. Zum Schluss des Gespräches wurde Armin Wolf von Insekten attackiert: „Jetzt werde ich von irgendwelchen Käfern und sonstigen Viechern malträtiert", so der ZiB-Anchorman. Der Kanzler antwortete staatsmännisch: „Ich würde Sie beschützen. Wenn es ganz, ganz große werden, beschütze ich Sie, Herr Wolf", konterte Faymann.

Für den Job als Beschützer braucht man nicht unbedingt ein Jus-Studium!

6. Peter Resetarits, Reinhold Mitterlehner und die Wutoma

2014 wurde die Wirtin Frieda Nagl (†) über Nacht berühmt und ging in die Sommergespräche-Annalen als „Wutoma“ ein. „So kann es nicht weitergehen. Jahrelang versprecht ihr schon eine Steuerreform." Daraufhin kam es zu einer wilden Diskussion über Lohnsteuern, Finanzkontrollen und Überstunden. ORF-Moderator Peter Resetarits wies die Seniorin darauf hin, dass sie sich kürzer fassen müsste, da die Sendezeit fast vorüber sei. Doch die Salzburgerin war nicht zu stoppen und brachte weitere Beschwerden gegen die Finanzpolizei vor. Daraufhin antwortete ein sichtlich perplexer Mitterlehner: "Da sehen Sie, wie gut es ist, dass ich nicht Finanzminister geworden bin."

„Wutoma“ Frieda Nagl brachte Reinhold Mitterlehner ordentlich ins Schwitzen

7. Hans Bürger und Frank Stronach: Frauen sind Menschen wie wir

Diese Begegnung aus dem Jahr 2015 ist schwer in Worte zu fassen. Vielleicht weil man beim Durchlesen des Transkripts schon ganz wirr wird. Wort- und silbenreiches Gestammel kennzeichnen den letztjährigen Besuch des Team Stronach-Chefs bei Hans Bürger. Gegen Ende des Interviews toppte sich der glücklose Politiker nochmals selbst. „Frauen sind Menschen wie wir“ - Mehr muss man dazu wohl nicht sagen.

Für Genießer: Das ganze Gespräch mit Hans Bürger und Frank Stronach

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