ORF-Reform: Wie es nach der Wahl jetzt weitergehen kann

ORF-Reform: Wie es nach der Wahl jetzt weitergehen kann

Neue Channel-Manager und ein neues ORF eins. Wie es mit dem ORF und Alexander Wrabetz weitergehen kann – die Analyse.

Sechs Wochen nach der Nationalratswahl, die türkis/schwarz-blaue Koalition nimmt langsam Formen an – das von vielen für den ORF befürchtete Schreckensszenario scheint aber (so schnell) nicht einzutreten: Eine groß angelegte ORF-Reform samt neuem Gesetz, die Neudefinition von Aufgaben und Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sowie die daraus resultierende Neuwahl des ORF-Chefs sollen dem Vernehmen nach erst im Laufe des Jahres 2018 auf Schiene gebracht werden.

Diese Woche tagt der Stiftungsrat, für Alexander Wrabetz besteht Handlungsbedarf

Generaldirektor Wrabetz unter Druck, Abwahl 2019?

Eine Abwahl von Alexander Wrabetz könnte – nach entsprechendem Fristenlauf – erst 2019 am Programm stehen. Wenn es denn überhaupt dazu kommt.

Zurzeit weit spannender: Wie reagiert Wrabetz, der als großer Taktiker gilt, auf die aktuellen Entwicklungen in der heimischen Politik? Konkret: Mit welchen Personen besetzt er rund ein Dutzend Spitzenjobs, die in den kommenden Monaten am Küniglberg durch Pensionierung frei werden?

Lisa Totzauer gilt als Favoritin für die Position des Channel-Managers von ORF eins

ORF-Kenner sehen darin eine Art „Überlebensversicherung“ für ihn, weil er den VP/FP-Koalitionären hier bei allfälligen Personalwünschen entgegenkommen könnte. Allen voran sollen dieser Tage die sogenannten Channel-Manager für ORF eins und ORF 2 ausgeschrieben werden, die der ORF-General ja schon in seiner Bewerbung vor über einem Jahr angekündigt hatte. Die beiden großen TV- Kanäle sollen (wie bei ORF III) künftig von je einem Verantwortlichen geführt werden, der idealerweise über Personal-, Budget- und Programmhoheit verfügt.

Roland Brunhofer als ORF-2-Macher? Weil SP-nah nun eher unwahrscheinlich

Hintergrund: Das Profil bzw. das Programmschema von ORF eins muss – auch nach dem Verlust wichtiger Sportrechte wie der Bundesliga und der Champions League – völlig neu ausgerichtet werden. Dazu kommen die herben Quotenverluste der Vergangenheit (ORF eins hält nur mehr knapp unter zehn Prozent Marktanteil), die in aller Dramatik zeigen, dass US-Serien und -Filme auf ORF eins nicht mehr funktionieren. Um zu verhindern, dass der „junge“ ORF-Kanal in die Bedeutungslosigkeit rutscht und zum Privatisierungs-Kandidaten wird, muss Wrabetz nun in Informationssendungen und fiktionale Eigenproduktionen investieren.

ORF eins neu: Tägliches Infomagazin vs. Infotainment-Schiene

Bei der Sitzung des Stiftungsrates am Donnerstag dieser Woche (das Aufsichtsgremium tagt zum ersten Mal nach der Wahl) will der SP-nahe Generaldirektor, den Insider derzeit massiv unter Druck sehen, denn auch erste Ideen für ein neues ORF eins präsentieren. Zur Diskussion steht ein tägliches Info-Magazin ab 21.00 Uhr – oder eine einstündige Infotainment-Schiene am Vorabend ab 18.30 Uhr.

Nachteil des Ersteren: Das Magazin müsste direkt gegen etablierte Info-Formate in ORF 2 antreten. Nachteil des Zweiteren: Der Vorabend ist die am meisten umkämpfte Zeitzone im TV (die ehedem „größte Programmreform aller Zeiten“ lässt grüßen; Wrabetz scheiterte 2007 schon einmal daran).

Beim Modell 2 sollen neben dem Infotainment-Magazin jedenfalls eine fixe Dokuschiene am Mittwoch (‚DOKeins‘) und Fläche für Experimente geschaffen werden. Und auch von einer neuen Vorabendserie ist die Rede. – Das eben fertig verhandelte ORF-Budget für 2018 gibt all das aber nur schwer her: Rund 85 Mio. Euro stehen für ORF eins zur Verfügung, dazu nochmals rund 100 Mio. für den TV-Sport am ersten Kanal (inklusive Olympia und Fußball-WM).

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