ORF-Quiz unter Druck: Millionenshow in der Krise?

TV-Liebling Armin Assinger gerät mit seinem TV-Hit ,Millionenshow‘ erstmals in Quoten-Turbulenzen: Verluste von bis zu 15 Prozent! Der Grund: die brutale Gegenprogrammierung in ORF 2, zu wenig Top-Gewinne und kaum mehr spektakuläre ,Millionenshow‘-Events. Die Analyse.

Kommt das wichtigste Quoten-Zugpferd des ORF außer Tritt? – Publikumsliebling Armin Assinger – seit 20 Monaten mit seiner Millionenshow dreimal die Woche Garant für Einschaltquoten jenseits der Millionengrenze und damit letzter echter Hit im ORF-Programm – sieht sich plötzlich mit Seherzahlen zwischen 700.000 und 800.000 konfrontiert.
Am Samstag, dem 17. April, fuhr die Millionenshow etwa den schlechtesten Wert der Ära Assinger ein: Nur 730.000 Quizfreunde rätselten in ORF 1. Karl Moiks Musikantenstadl – zeitgleich in ORF 2 – begeisterte hingegen 786.000 Fans …

Deutliches ‚Millionenshow‘-Minus

Dramatisch fällt die detaillierte Quoten-Analyse für die ersten vier Monate dieses Jahres aus:

  • Schon im Jänner verlor Assinger überdurchschnittlich viele Seher. Bei einem Sendungsschnitt von 999.000 büßte er elf Prozent gegenüber seiner Quote im Jänner ’03 ein.
  • Im Februar – bei durchschnittlich 1,017 Millionen Sehern – betrug das Minus gar 15 Prozent zum Vorjahr.
  • In den Folgemonaten blieb die Quote immer unter den Vorjahreswerten: Nach 1,012 Millionen im März (minus zehn Prozent) hält Assinger im April bei durchschnittlich 905.000 Sehern pro Sendung. – Ein Minus von derzeit 7,5 Prozent gegenüber April ’03.

Berechtigte Frage: Was ist passiert mit dem Shooting Star der ORF-Unterhaltung, der in nicht einmal zwei Jahren Quiz-Moderation zur „nationalen Identifikationsfigur“ aufgestiegen ist und jede TV-MEDIA-Starwahl gewinnt?

ORF-Kampfprogrammierung

Tatsache ist, dass die ORF-Programmplaner keine Rücksicht mehr auf Assinger und seine Vorzeigeshow nehmen. Das jeweilige Konkurrenzprogramm in ORF 2 ist auf Quotenmaximierung ausgerichtet: Die Küniglberg-Chefs schicken immer öfter zeitgleich auf ORF 1 und ORF 2 starke Sendungen ins Quotenrennen. Bestes Beispiel: die vorvergangene Woche.
Mit Episoden der publikumswirksamen Reihen Traumschiff (am Karsamstag, 10. April) und Traumhotel (Premiere am Freitag, 16. April) lockte der ORF 585.000 bzw. 690.000 Seher auf seinen zweiten Kanal. Prompt verbuchte Assingers Millionenshow in ORF 1 nur 744.000 bzw. 819.000 Seher.
Im Direktvergleich zu Karl Moik und seinem Comeback beim Wiener Musikantenstadl (am 17. April) hatte Assinger dann sogar das Nachsehen, verlor das Quotenrennen um knappe 56.000 Seher. Bemerkenswert: Noch nie zuvor hatte Assinger weniger Zuschauer als das Show-Urgestein Karl Moik!
Programmplaner Werner Taibon rechtfertigt im TV-MEDIA-Gespräch die ORF-Strategie, mit zwei Top-Programmen auf zwei Kanälen die Marktanteile zu maximieren: „Besser, alle Seher sind beim ORF als anderswo. Wir hatten mit der Millionenshow und den jeweiligen Kontrastprogrammen in ORF 2 an diesen Tagen in allen Zielgruppen Top-Werte.“
Und Taibon versucht zu beruhigen: „Allzu oft passiert das ohnehin nicht. Das sind Ausnahmen. Bei der Millionenshow muss man besonders vorsichtig sein. Eine Folge des Bullen von Tölz würden wir zum Beispiel nie gegen Assinger programmieren.“
Der Show-Star selbst nimmt die ORF-Kampfprogrammierung im TV-MEDIA-Interview gelassen zur Kenntnis und glaubt nicht an einen langfristigen Schaden seiner Sendung. Assinger: „Selbstverständlich denken die ORF-Verantwortlichen ganzheitlich und stellen den Erfolg des gesamten Programmes voran. Wer würde das nicht tun?“ – Auch wenn das auf Assingers Kosten geht? Die Antwort fällt kryptisch aus: „Auch ich bin ein ganzheitlich denkender Mensch.“

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