Marcel Hirscher über Pyeongchang 2018: „Olympische Spiele sind immer Ausnahmezustand“

Der Weltcupdominator Marcel Hirscher ist eine große Olympia-Medaillenhoffnung für Österreich

Der Weltcupdominator Marcel Hirscher ist eine große Olympia-Medaillenhoffnung für Österreich

Ab Samstag geht es bei den Winterspielen in Südkorea zur Sache. Alpin-Superstar Marcel Hirscher hat mit TV-MEDIA über koreanischen Schnee, die Favoritenrolle und die Angst vor dem nächsten Einfädler gesprochen.

„Mein Fokus liegt auf den technischen Bewerben”, meinte Marcel Hirscher noch vor ein paar Wochen, als TV-MEDIA beim Weltcupdominator nachfragte, welche Olympiastarts er eingeplant habe. Mittlerweile ist das anders: Hirscher wird fix in der Kombi starten, sein Ziel ist es „in der Kombination, im Riesentorlauf und im Slalom das Maximum abzurufen.” Ein Fragezeichen steht nur hinter seinem Antreten beim Teambewerb. Im Interview wirkt der Salzburger jedenfalls gelassen und versucht, sich nicht selbst zu viel Druck zu machen, Gold holen zu müssen.

TV-MEDIA: Pyeongchang sind Ihre dritten Spiele: Hilft das, um gelassener an die Sache heranzugehen?
Marcel Hirscher: Olympische Spiele sind immer Ausnahmezustand und durch den Vier-Jahres-Zyklus eigentlich auch recht weit auseinander. Sicher sind die ersten Spiele, an denen man teilnimmt, die eindrucksstärkste Sache, aber Routine wird es dennoch nicht, dafür ist der olympische Spirit viel zu speziell. Ich bin gut vorbereitet und motiviert – das ist meine Art Gelassenheit.

TV-MEDIA: Die Speed-Herren sind in Südkorea schon Weltcup gefahren, die Techniker noch nicht: Was wissen Sie über die Hänge und die Schneebeschaffenheit? Besteht die Gefahr, dass es nicht Ihre Bedingungen werden?
Marcel Hirscher: Ich war ja vor zwei Jahren auch drüben und habe mir die Hänge zumindest mal angeschaut. Wir fahren auf Weltspitzen-Niveau Ski, und da hast du auch selten deine Lieblingsbedingungen, sondern schaust, dass du eben für die unterschiedlichsten Beschaffenheiten das richtige Set-up findest. Und wir arbeiten mit den Atomic-Leuten fast das ganze Jahr hart daran, also glaub ich nicht, dass wir in Südkorea vor unlösbaren Herausforderungen stehen werden.

TV-MEDIA: Mit Ihren Leistungen haben Sie sich quasi selbst in die Top-Favoritenrolle gedrängt: Fluch oder Segen?
Marcel Hirscher: Ich bin, glaub ich, noch nie so gelassen in eine Saison gestartet wie in diese. Dass der Erwartungsdruck der Fans wegen olympischem Gold hoch ist, ist mir schon klar. Am wichtigsten ist da letztlich für mich, dass ich meine eigenen Erwartungen in Schach halte und einfach schnell Ski fahre. Krampfhaft geht es eh nie.

TV-MEDIA: Gibt’s eigentlich irgendein Rezept, so cool zu bleiben?
Marcel Hirscher: Jeder hat seine Strategien, um fokussiert und cool zu bleiben. Parallel dazu brauchst aber den nötigen Biss, um Rennen gewinnen zu wollen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dafür einer von uns ein Rezept hat.

TV-MEDIA: Sie haben unlängst gesagt: „Der nächste Einfädler kommt”. Könnte natürlich auch bei Olympia passieren. Was dann?
Marcel Hirscher: Dann habe ich den nächsten Einfädler hinter mir! Das kann immer passieren und ist immer ärgerlich. Aber das ist unser Sport, wenn du einfädelst, bist du raus. Das ist Teil unseres Jobs. Das heißt, wenn ich bei einem olympischen Bewerb einfädle, ärgere ich mich sicher nicht mehr oder weniger als bei anderen Rennen auch.

TV-MEDIA: Im Vorfeld von Sotschi überschatteten 2014 politische Themen fast die Vorfreude auf Olympia, diesmal sind die Spannungen zwischen Nord- und Südkorea ein Thema, dazu kommt der russische Olympia-Ausschluss. Inwiefern beschäftigt einen das als Sportler?
Marcel Hirscher: Die Berichterstattung im Vorfeld geht natürlich auch an uns Athleten nicht vorbei. Klar mach ich mir da auch meine Gedanken. Dennoch bin ich bei Aussagen oder Statements immer zurückhaltend und konzentriere mich auf meinen Sport.

TV-MEDIA: Zum Schluss: Können Sie schon ein Bier auf Koreanisch bestellen?
Marcel Hirscher: Nein, maximal unterschiedliche Varianten von Sushi und Sashimi. Aber weder
zum Biertrinken noch zum Essen fliegen wir rüber. Sollte es aber Anlässe zum Feiern geben, lerne ich es vielleicht noch (lacht).

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