Er war der Stift, mit dem Karl Kraus gezeichnet hätte. Manfred Deix ist tot

Beach Baby (2000) - eine klassische Deix-Figur

Beach Baby (2000) - eine klassische Deix-Figur

Das Enfant terrible („Polarisieren macht Spaß") der heimischen Zeichnerszene analysierte mit spitzer Feder die Untiefen der österreichischen Seele, seine dargestellten Charaktere haben als „Deixfiguren“ an sprichwörtlicher Bedeutung gewonnen und wurden sogar im Duden begrifflich aufgenommen.

Der österreichische Karikaturist Manfred Deix ist am 25. Juni 2016 im Alter von 67 Jahren gestorben. Wie seine Frau Marietta Deix mitteilte, erlag er einer langen, schweren Krankheit. Manfred Deix feierte erst am 22. Februar 2016 seinen 67. Geburtstag.

Manfred Deix starb mit nur 67 Jahren am 25. Juni 2016

Manfred Deix starb mit nur 67 Jahren am 25. Juni 2016

Gottfried Helnwein: „Ich kann mir eine Welt ohne Manfred Deix, mit dem ich mein ganzes Leben lang verbunden war, nicht vorstellen"

Die Arbeiten von Manfred Deix sind längst Kunstwerke, Klassiker der österreichischen Karikatur und stilbildend für viele Kollegen. Die Bedeutung seiner schonungslosen Cartoons geht weit über die Landesgrenzen hinaus und sie waren unermüdlich in seiner Kritik an gesellschaftlichen Zwängen.


Karikatur ohne Bissigkeit, Drastik, Schärfe ergibt für mich keinen Sinn. Man hat mir oft Geschmacklosigkeit und Brutalhumor vorgeworfen. Wer denn, wenn nicht Satiriker, soll die Dinge beim Namen nennen? (Manfred Deix)

Der Künstler Gottfried Helnwein, ein jahrzehntelanger Weggefährte von Manfred Deix, trauert um seinen Freund: „Wenn Michelangelo sagte, die größte Kunst sei nichts als ein Schatten der göttlichen Perfektion, dann hat Deix mit seiner Kunst den unerbittlichen Gegenbeweis angetreten: Er zeigte uns, dass das Werk des Schöpfers nur so strotzt von Fehlern, Peinlichkeiten und Schnitzern. Gott sei Dank, muss man sagen, denn bei einem perfektionistischen Gott hätten wir wenig zu lachen, und es war Deix, der uns zu der bedeutenden philosophischen Erkenntnis verholfen hat, dass die Schöpfung lächerlich und Gott der größte Humorist ist."

Von der Niederösterreichischen Kirchenzeitung in den Duden: Deixfiguren

Bereits als Sechsjähriger erregte Deix durch „erste Verkäufe von Nackertzeichnungen an die aufgeweckteren Mitschüler (Stückpreis 10–15 Groschen)“ Aufsehen, wie er selbst schrieb. Mit neun malte er ein erotisches Daumenkino aus 100 Zeichnungen einer Frau, die sich auszieht. "Das Höschen hat sie anbehalten," erzählte er später, „weil ich nicht wusste, wie es darunter aussieht."

Parteibuch (1984)

Parteibuch (1984)

Als er mit elf an einem Zeichenwettbewerb des ORF teilnahm, wurde er mit der Begründung „Wir wollen Zeichnungen von Kindern, aber nicht von Erwachsenen und Profis.“ disqualifiziert. Deix hatte zum Thema „Der Rattenfänger von Korneuburg“ sein Bild eingeschickt. Bemerkenswerterweise war es sein Religionslehrer, der ihm 1960 – trotz der immer anstößiger werdenden Bilder – die Chance gab, erste Cartoons in der wöchentlichen Niederösterreichischen Kirchenzeitung zu veröffentlichen.

Bruno Kreisky hat immer recht (1970er-Jahre)

Bruno Kreisky hat immer recht (1970er-Jahre)

Nachdem er anfänglich seine Blätter von seiner Freundin Marietta auf dem Flohmarkt verkaufen ließ, veröffentlichte er ab 1972 in den Magazinen Profil, Trend und Economy. Ab 1978 folgten auch Titelblätter und Zeichnungen für Stern, Der Spiegel, Pardon, Titanic und den Playboy. Für die Zigarettenmarke Casablanca zeichnete er Werbeplakate.Von 1992 bis März 2015 veröffentlichte Deix jede Woche einen Cartoon im Nachrichtenmagazin News.

Ja, es gibt tatsächlich einen Eintrag, der auf „Deixfigur“ lautet

Ja, es gibt tatsächlich einen Eintrag, der auf „Deixfigur“ lautet

Manfred Deix in Film und Fernsehen

1985 wurde Deix in der ORF-TV-Sendung Ohne Maulkorb porträtiert. Das 1987 von Peter Hajek im Auftrag von ORF und ZDF gedrehte 45-minütige TV-Filmporträt "Küß die Hand, Österreich - Manfred Deix und seine Bilder", wurde 1988 bei der Berlinale vorgestellt und anschließend von vielen europäischen Fernsehanstalten ausgestrahlt. 1997 stand Deix in dem Film ‚Blutrausch‘ unter der Regie von Thomas Roth vor der Kamera.

Deix'sche Fischkunde (2008)

Deix'sche Fischkunde (2008)

In memoriam: Das zeigen ORF und 3sat

„Die Ansichten des Herrn Manfred Deix“ von Sylwia Rotter ist eine filmische Langzeitstudie über den wohl berühmtesten und berüchtigtsten Karikaturisten Österreichs aus dem Jahr 2006 und erstreckt sich über einen Zeitraum von fünf Jahren. ORF III zeigt dieses außergewöhnliche TV-Porträt am Dienstag, dem 28. Juni, um 20.15 Uhr, 3sat am Sonntag, dem 3. Juli, um 12.45 Uhr. Ebenfalls in ORF III ist am Dienstag, dem 28. Juni, um 16.30 Uhr ein „erLesen“ aus dem Jahr 2012 zu sehen, in dem u. a. Manfred Deix zu Gast war.
Die Sendung ist auf der Video-Plattform ORF-TVthek als Live-Stream sowie nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage als Video-on-Demand abrufbar.

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