Lennie James: „The Walking Dead hat mich weggeblasen!“

Lennie James – der britsche Charakterkopf aus ‚Snatch‘ und ‚The Walking Dead‘

Lennie James – der britsche Charakterkopf aus ‚Snatch‘ und ‚The Walking Dead‘

Dass wir den in London geborenen Lennie James, 51, in Kultfilmen wie ‚Snatch - Schweine und Diamanten‘ oder Kultserien wie ‚The Walking Dead‘ als wandlungsfähigen Schauspieler zu sehen bekommen, ist einem Zufall zu verdanken. Wir trafen ihm zum Gespräch über Engländer in den USA, Zombies und die neue US-Regierung.

Als junger Mann mit dem Berufswunsch Rugbyspieler begleitete Lennie einst eine Freundin zu einem Vorsprechen, bei dem man sein darstellerisches Talent entdeckte. Nach einschlägiger Ausbildung folgten erste kleinere Rollen, dann internationale Engagements - und seit 2010 zählt James in der Rolle des Morgan Jones zum Cast des Welthits ‚The Walking Dead‘. TV-MEDIA traf den charismatischen Briten zum Interview.

In ‚Snatch – Schweine und Diamanten‘ (2000) spielte James den Gelegenheitskriminellen Sol

TV-MEDIA: Sie waren mit Unterbrechungen von Beginn an bei The Walking Dead dabei. Wie hat sich die Serie für Sie entwickelt?
Lennie James: Sie hat mich förmlich weggeblasen. Niemand konnte diesen Erfolg erahnen. Als wir damals den Piloten drehten, glaubte keiner an eine zweite Staffel, geschweige denn an sieben. Damals waren Vampire schick und Zombies so etwas von tot. Alle haben gesagt: Das wird niemals etwas. Jetzt haben wir eine der populärsten Serien im TV-Universum!

TV-MEDIA: Gab es für Sie einen besonderen Moment, der die Serie definierte, sie zu dem machte, was sie heute ist?
Lennie James: Die Einführung der Figur des Governors (Anm.: David Morrissey) war für mich so ein Moment. Mit ihm wurde alles auf ein neues Level gehoben und die Quote ging steil nach oben.

TV-MEDIA: Sie sind Brite, leben in L. A. - sind die Arbeitsbedingungen in den USA und England unterschiedlich?
Lennie James: Ja und nein. Im Grunde sind alle Sets gleich, der Unterschied sind die Rahmenbedingungen. Bei TWD haben wir oft 18-Stunden-Drehtage. In England verlässt man um 18.00 Uhr das Set, das ergibt längere Drehzeiten. In Amerika drehen wir 16 Episoden in sieben Monaten. In England würden wir dafür ein Jahr brauchen, weil die Überstunden nicht bezahlt werden.

TV-MEDIA: Was können Sie uns über die zweite Hälfte der 7. Staffel von TWD verraten?
Lennie James: Wir bereiten uns auf einen Krieg vor. So viel ist klar. Wie lange er dauern wird, ist noch unklar. In der Comic-Vorlage dauert er Jahre. Unser Timing wird wohl anders verlaufen.

In ‚The Walking Dead‘ spielt Lennie James Ricks alten Freund Morgan Jones

TV-MEDIA: Die erste Hälfte von Staffel 7 war etwas langsam. Wird der Rest schneller?
Lennie James: Es wird auf jeden Fall actionreicher, und es werden schlimme Dinge passieren. Am Staffelende gibt es einen Moment, der unglaublich sexy und cool ist. Ich saß gerade mit Melissa McBride (aka Carol) im Flugzeug, als wir an diese Stelle im Drehbuch kamen und jubelten. Es geht um das Auftauchen eines bestimmten Charakters. Mehr verrate ich nicht.

TV-MEDIA: Was wäre, wenn Morgan statt Rick die Gruppe nach Atlanta gebracht hätte?
Lennie James: Die Sache ist die: Morgan musste seit dem Verlust seines Sohnes nie für jemanden Verantwortung übernehmen. Rick tut dies jeden Tag. Apropos: Wenn Sie Andrew Lincoln (spielt Rick) fragen würden, würde er sicher sagen: „Alle aus der Gruppe wären mittlerweile tot.“ (lacht)


Wir leben in interessanten Zeiten, ob uns das passt oder nicht

TV-MEDIA: Ist TWD auch eine Allegorie für die USA unter Trump?
Lennie James: Nein, uns gab es lange vor diesem US-Präsidenten. So etwas wie Trump passiert, wenn die Leute zu viel The Walking Dead schauen (lacht) . Plötzlich denken viele: Hm, in so einer Welt könnte der Präsident sein. Natürlich ist es aber so, dass jede gute Kunst der Gesellschaft ihren Spiegel vorhält. Insofern ist die Frage nicht unberechtigt.

TV-MEDIA: Wird dieser Präsident Auswirkungen auf das US-Film- und TV-Biz haben?
Lennie James: Das könnte sein. Aber Trump ist nur Teil eines größeren Phänomens, das wir auch in Europa erleben. Als ich vom Brexit hörte, dachte ich nur: Wirklich jetzt? Was habt ihr da angestellt? Fest steht: Wir leben in interessanten Zeiten, ob uns das passt oder nicht.

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