Kirche & Co im ORF: Religions-Chef Gerhard Klein erklärt das Verhältnis zwischen Kirche und ORF

Gerhard Klein leitet beim ORF die Hauptabteilungen Religion und Wissenschaft

Gerhard Klein leitet beim ORF die Hauptabteilungen Religion und Wissenschaft

Gerhard Klein, 64, leitet die Hauptabteilungen Religion und Wissenschaft im ORF. TV-MEDIA fragte zum Thema Religion im ORF nach – und fand auch amüsante Aspekte.

Jede Woche 3,5 Stunden TV-Programm, darunter Formate mit jahrelanger Tradition (wie die Dokuschiene ‚kreuz und quer‘ am Dienstag-Spätabend, die sich aktuell dem Hl. Nikolaus widmet). Das kleine, aber feine, knapp über ein Dutzend Köpfe starke Team der ORF-Religionsabteilung steht für hohe Qualität im Kern des öffentlich-rechtlichen Auftrags.Aber wie ist das Verhältnis zwischen ORF und Kirchen bzw. Religionsgemeinschaften grundsätzlich definiert?

TV-MEDIA: Das ORF-Gesetz berücksichtigt Kirche und Religion mit nur einer Zeile. Wie ist dieses Verhältnis denn tatsächlich geregelt?
Gerhard Klein: Diese eine Zeile ist aber ganz wichtig. Der ORF muss - sinngemäß - alle in Österreich anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften in seiner Berichterstattung angemessen berücksichtigen. Das Gesetz spricht im Plural. Wir gehen deshalb von der Gleichwertigkeit aller Religionen aus - und nehmen etwa den Islam schon sehr, sehr lange in unseren Berichten wahr.


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TV-MEDIA: Gibt es konkretere Regeln, z. B. den Umfang der Berichte betreffend?
Gerhard Klein: Nein, das nicht. Wir halten natürlich engen Kontakt mit allen Religionen. Man begrüßt, was wir tun. Aber das Wichtige ist auch hier die Unabhängigkeit des ORF.

Klein: „Habe mich für die Übertragung islamischer Äquivalente zum Gottesdienst eingesetzt, bin aber auf wenig Gegenliebe gestoßen“

TV-MEDIA: In Zeiten von Bischof Kurt Krenn gab es Konflikte mit der katholischen Kirche...
Gerhard Klein: Kurt Krenn hat damals eine "Missio canonica" gefordert - eine Art Prüfung für Religionsjournalisten. Das war natürlich unmöglich.


Angeblich dürfen Messen nur live übertragen werden, weil die "Wandlung des Leibes Christi" ausschließlich unmittelbar und nicht zeitversetzt funktioniert

TV-MEDIA: Der ORF überträgt Messen und Gottesdienste der katholischen und evangelischen Kirche, es gibt aber kein Äquivalent für die islamische Glaubensgemeinschaft. Warum ist das so?
Gerhard Klein: Ich habe das mehrfach anzuregen versucht, wir sind aber auf keine große Gegenliebe gestoßen. Die jüdische Gemeinde will das übrigens auch nicht. Wir behelfen uns in unseren TV-Magazinen, indem wir ausführliche Interviews aus muslimischen und jüdischen Gemeinden bringen.

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TV-MEDIA: Wie oft gibt's die TV-Messen im ORF?
Gerhard Klein: Wir zeigen zwölf eigenproduzierte Gottesdienste pro Jahr und übernehmen fünf weitere aus Rom oder Deutschland. Das ZDF zeigt sogar jedes Wochenende einen -und übernimmt dafür unsere Übertragungen. Wir verdienen quasi ein bisschen Geld damit. - Dem ZDF-Publikum scheint das Barocke an unseren Messen jedenfalls zu gefallen, quotentechnisch liegen wir im Spitzenfeld der Deutschen. Der jüngste Gottesdienst aus der Steiermark hatte bei uns etwa 90.000 Seher, in Deutschland fand er 700.000.

TV-MEDIA: Angeblich dürfen Messen nur live übertragen werden, weil die "Wandlung des Leibes Christi" ausschließlich unmittelbar und nicht zeitversetzt funktioniert. Stimmt das?
Gerhard Klein: Die katholische Bischofskonferenz meinte vor Jahren, es müsse so sein. Ich argumentierte dann, man sei hier päpstlicher als der Papst, weil der schließlich - es handelte sich um Johannes Paul II. - seine Messen über Videokassetten vertrieben hatte. Mittlerweile gibt es auch einige wenige zeitversetzte Übertragungen. Die meisten sind live.


Unsere "Weltanschauung" ist weder die Wissenschaft noch die Religion, sondern der Journalismus (Gerhard Klein über seine Doppelfunktion als Religions- und Wissenschafts-Chef im ORF)

TV-MEDIA: Eine Frage im Zuge des Anti-Kirchen-Volksbegehrens 2013 war auch die traditionelle Schweigeminute im ORF-Fernsehen, immer um 15.00 Uhr am Karfreitag, Jesu Todesstunde...
Gerhard Klein: Der Begriff Schweigeminute ist nicht ganz korrekt. Wir schweigen nicht zu diesem Zeitpunkt, sondern machen eine eigene kurze Sendung in ORF 2, zeigen Bilder eines österreichischen Künstlers und unterlegen diese mit Text. Mittlerweile auch nicht mehr um exakt 15.00 Uhr. Wir sind ans Programmschema angepasst.

TV-MEDIA: Sie sind Leiter der Abteilungen Religion UND Wissenschaft im ORF, zwei diametral gegenüberstehende Weltanschauungen. Wie lässt sich das vereinbaren?
Gerhard Klein: Das lässt sich einfach vereinbaren. Unsere "Weltanschauung" ist weder die Wissenschaft noch die Religion, sondern der Journalismus -und der hat da wie dort unabhängig und fachkompetent zu sein.

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