Kevin Spacey outet sich als schwul und Netflix stellt ‚House of Cards‘ ein

Kevin Spacey outet sich als schwul und Netflix stellt ‚House of Cards‘ ein

Nachdem Oscarpreisträger Kevin Spacey (‚American Beauty‘) mit sexuellen Belästigungsvorwürfen konfrontiert wurde, bekannte sich der 58-Jährige via Twitter zu seiner Homosexualität. Einen unpassenderen Zeitpunkt hätte der Mime jedoch nicht wählen können, immerhin dominiert die Harvey-Weinstein-Affäre gerade Hollywood und die Missbrauchs-Thematik ist heikler denn je. Als Reaktion stellt u. a. Netflix die Polit-Serie ‚House of Cards‘ ein.

In Hollywood galt es seit Jahren als offenes Geheimnis, jetzt ist die Katze aus dem Sack: Schauspieler Kevin Spacey outet sich offiziell als schwul. Spacey, der sein Privatleben sehr schützt, hatte dies jedoch stets, u. a. bei einem Interview im Jahr 2000, bestritten. Nun tritt der ‚House of Cards‘-Star offenbar die Flucht nach vorne an. Vorangegangen war eine öffentliche Anschuldigung von Schauspieler Anthony Rapp (‚Star Trek: Discovery‘). Er schilderte gegenüber BuzzFeed, anno 1986 vom damals 26-jährigen Spacey in dessen Wohnung belästigt worden zu sein – Rupp war zu diesem Zeitpunkt 14 Jahre alt.

Spacey erinnert sich nicht an den Vorfall

Via Twitter entschuldigte sich der Oscarpreisträger nun für diesen Vorfall, und erklärte in seinem Statement, künftig offen mit seiner Homosexualität umzugehen und sein „eigenes Verhalten untersuchen zu wollen“. Er sei entsetzt über den Vorfall und könne sich nicht mehr daran erinnern; er sei wohl betrunken gewesen bei dem Übergriff, der vor über 30 Jahren stattfand, und schulde Rapp eine Entschuldigung – so dessen Aussagen der Wahrheit entsprechen.

Fans und die LGBT-Community sind erzürnt

Social-Media-User kritisieren Spaceys Outing indes, das just zu dem Zeitpunkt komme, an dem ihm sexuelle Angriffe vorgeworfen werden – obendrein in der heiklen Zeit des Harvey-Weinstein-Skandals. Er lenke von der Anschuldigung ab, indem er sein Coming-Out als Schlagzeile inszeniere, so die negativen Kommentare. Auch Aktivisten der LGBT-Gemeinschaft (also Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender) sind alles andere als erfreut über den Fakt, dass Spacey sein umstrittenes Coming-Out nutzt, um über den Missbrauchsvorwurf hinwegzutäuschen. Sarah Kate Ellis, Präsidentin der LGBT-Organisation GLAAD, twitterte: „Dies ist keine Coming Out-Story über Spacey, sondern über den Überlebenden Anthony Rapp und diejenigen, die von ungewollten sexuellen Annäherungen berichten.“

Zahlreiche prominente Homosexuelle verurteilten das Verhalten Spaceys als verlogen und unangebracht. Der US-amerikanische Comedian Billy Eichner, selbst offen homosexuell, kritisierte Spacey auf Twitter als Gefahr für alle, die sich noch nicht geoutet hätten. „Kevin Spacey hat gerade etwas erfunden, was es so noch nie gab: ein schlechtes Timing für ein Coming-Out“. „Aber ehrlich gesagt zögere ich, Witze darüber zu reißen, denn das Statement von Spacey ist wirklich ekelhaft, unverantwortlich und gefährlich.“

Auch Schauspielerin Rose McGowan (sie hatte den Skandal um Hollywoodproduzenten Harvey Weinstein mit ihren Vorwürfen maßgeblich mit ins Rollen gebracht, Anm.) mahnte auf Twitter, die Medien würden den Fokus zu wenig auf Anthony Rapp und die Opfer legen: „Bye bye, Spacey, du bist jetzt mit Weinen dran und wir verabschieden uns von dir.“

Die Verantwortlichen der International Emmy Awards (der iEmmy ist quasi die kleine Schwester des großen Primetime Emmy Awards, Anm.) können ebenfalls nicht über den Vorfall hinwegsehen, und schließen Spacey von der diesjährigen Preisgala aus. Ursprünglich hätte er am 20. November eine Ehren-Auszeichnung für seine globalen Verdienste um die Sicherung der Qualität von Fernseh-Produkten in New York entgegennehmen sollen.

Netflix stellt ‚House of Cards‘ ein

Im späteren Verlauf des Montag Nachmittags, verkündete auch Streaming-Riese Netflix das Aus seiner eigenproduzierten Polit-Serie ‚House of Cards‘ (mit Kevin Spacey in der Hauptrolle des Frank Underwood). Die sechste Staffel wird gerade produziert und soll 2018 zu sehen sein. Ob diese Entscheidung mit den Belästigungsvorwürfen zusammenhängen ist freilich nicht auszuschließen, ein offizielles Statement von Seiten Netflixs gibt es indes nicht. Die Serienproduzenten seien ob der Vorwürfe jedenfalls „tief erschüttert“.

Spin-offs in Planung – aber ohne Spacey

Fans von ‚HoC‘ müssen jetzt aber nicht trauern, denn wie Variety berichtet, kursieren bei Netflix und der Produktionsfirma Media Rights Capital Ideen für diverse Spin-offs. So soll einem Insider zufolge an einer Serie rund um Doug Stamper (Michael Kelly), den Stabschef von Frank Underwood, gearbeitet werden. Autor Eric Roth, der ‚House of Cards‘ einst mitentwickelte, soll diesen Ableger betreuen.

Zudem sollen sich noch mindestens zwei weitere Spin-off-Konzepte in Entwicklung befinden, wobei hierfür noch keine Autoren engagiert wurden. Der Hollywood Reporter spekuliert jedoch bereits über mögliche Inhalte: So könnten z. B. die Journalisten im Mittelpunkt stehen, die Frank Underwoods Machtmissbrauch aufdecken wollen. Figuren wie Janine Skorsky (Constance Zimmer) und Tom Hammerschmidt (Boris McGiver) könnten hierfür die großen Titelrollen einnehmen. Ein mögliches weiteres Spin-off könnte die Welt der Politik gegen die des Geldes tauschen, an der Wall Street spielen und mächtige Milliardäre wie Raymond Tusk (Gerald McRaney) zeigen, die mit ihrer Finanzkraft das Politgeschehen kontrollieren.

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