‚Jurassic World 2‘: Wieder kurz vorm Aussterben?

‚Jurassic World 2‘: Wieder kurz vorm Aussterben?

Wenn am kommenden Donnerstag, 7. Juni 2018, ‚Jurassic World 2: Das gefallene Königreich‘ in den hiesigen Lichtspielhäusern anläuft, stampfen, brüllen und beißen sich wieder jede Menge Dinosaurier über die Kinoleinwand. Ob neben einer Überdosis Schauwerte da allerdings noch Platz für eine halbwegs akzeptable Geschichte bleibt, sezieren wir in unserer ausführlichen Kritik.

Man mag es kaum glauben, aber selbst in unserer von Smartphones und On-Demand-Diensten geprägten Gegenwart können prähistorische Urzeitechsen noch so etwas wie magische Momente auslösen und Augen zum Funkeln bringen. Als 2015 mit ‚Jurassic World‘ die langersehnte Wiederbelebung von Steven Spielbergs ‚Jurassic Park‘-Filmen eingeleitet wurde, war die Euphorie beim Publikum groß. So groß, dass bereits am Startwochenende ein bis dato nicht erreichter Rekord aufgestellt wurde: Binnen weniger Tage spielte das Dinospektakel weltweit 511,8 Millionen Dollar ein – mit einem Gesamteinspiel von 1,671 Milliarden Dollar dominiert ‚Jurassic World‘ aktuell noch den fünften Platz der finanziell erfolgreichsten Filme aller Zeiten.

Die mutige Truppe rund um Owen (Chris Pratt, l.) und Claire (Bryce Dallas Howard, 2.v.r.) setzt alles daran, die Dinos von Isla Nublar zu retten

Regie-Underdog Colin Trevorrow hat es geschafft und den Dinosauriern neues Leben eingehaucht! Dass die dafür verantwortlichen Produktionsfirmen Amblin Entertainment und Legendary Pictures, sowie Verleiher Universal Pictures auf diesem Erfolg aufbauen wollen, war spätestens mit dem Quasi-Cliffhanger am Ende des Films ersichtlich – die Gelddruckmaschine blieb angelassen.

Perfekte Ausgangssituation für eine Fortsetzung

Drei Jahre später stapft besagte Fortsetzung auch tatsächlich in die Kinos – hinter den Kulissen hat sich nur wenig getan: Regisseur Trevorrow übergab seinen Posten an den spanischen Horror-Experten J. A. Bayona (‚Das Waisenhaus‘) und wechselte ins Autoren-Team, das Produktionsbudget wurde von rund 150 Mio. Dollar auf geschätzt 200 Mille angehoben und die Schauspiel-Zugpferde Chris Pratt und Bryce Dallas Howard werden abermals vor den Karren gespannt. Um bereits im Vorfeld für die nötige Portion Nostalgie zu sorgen, wurde zudem Jeff Goldblum in seiner Kultrolle als Dr. Ian Malcolm ausgegraben und in den ersten Trailern eingeführt. Die Ausgangssituation scheint also perfekt, um einem Dino-Fan das Herz im Dreieck springen zu lassen. Doch wird die hohe Erwartungshaltung am Ende tatsächlich erfüllt?

‚Jurassic World: Das gefallene Königreich‘ - Finaler Trailer

Wer sich die Wartezeit zur Premiere bereits seit einem Jahr mit Teasern, Trailern und sonstigen Clips vertrieben hat, der weiß in etwa was ihn erwartet: Drei Jahre nach dem verheerenden Zwischenfall auf der Isla Nublar, bei dem der genetisch manipulierte Supersaurier Indominus Rex für Chaos sorgte (siehe ‚Jurassic World‘), wurde der Milliardenteure Vergnügungspark sich selbst überlassen. Das Eiland wird nunmehr von Dinos beherrscht, einzig und allein von Moos überwucherte Geschenkartikelläden erinnern daran, dass hier einst Menschen Geld dafür bezahlten, um mit ehemals ausgestorbenen „Tierchen“ aus dem Mesozoikum auf Tuchfühlung zu gehen.

Die Arche Noah mit Dinosauriern

Dass die Erbauer des Parks seit Spielbergs 90er-Klassiker offenbar nichts dazugelernt haben, ärgerte die Filmgeher zu Recht. Von wegen „Wir haben keine Kosten und Mühen gescheut“, wie Visionär John Hammond (Richard Attenborough) einst meinte: schlechtes Sicherheitspersonal und das fahrlässige Herumhantieren mit DNA-Strängen einer gefährlichen Spezies waren der Grund dafür, dass es 2015 überhaupt zu solch einer Katastrophe kommen konnte. Aber selbst wenn die Dinos handzahm gewesen wären, würde der Park spätestens jetzt vor dem Ruin stehen – denn er wurde auf einer Insel mit einem aktiven Vulkan gebaut! Nächstes Mal vielleicht auch einen Seismologen zu Rate ziehen, wenn man solch ein Unterfangen angeht? Nun ja, besagter Vulkan steht jedenfalls kurz vor der Eruption und nun gilt es zu entscheiden, ob man die Tiere mitsamt der Insel untergehen lässt, oder ob sie ebenso wie unsere lieben Haustiere ein „Recht“ aufs Weiterleben haben.

Dinoforscher Sir Benjamin Lockwood (James Cromwell, l.) ist todkrank, sein Vertrauter Eli (Rafe Spall) soll dafür sorgen, dass die Dinos heil auf eine neue Insel übersiedelt werden

Ex-Parkleiterin Claire Dearing (Bryce Dallas Howard) ist mittlerweile ein Herz in der Brust gewachsen; die kühle Businessfrau – die in einer überkandidelten Szene einst in High Heels dem T-Rex davonlief! – hat auf Tierrechtsaktivismus umgesattelt und macht sich mit ihrer eigenen Organisation für das Leben der Dinosaurier auf Isla Nublar stark. Sie kann es ganz und gar nicht fassen, dass man Langhals, Tyrannosaurus und Co ihrem Schicksal überlässt und ist heilfroh, als sie der Anruf eines finanzstarken Unterstützers ereilt. Am anderen Ende der Leitung spricht Eli Mills (herrlich schleimig: Rafe Spall), die rechte Hand von Sir Benjamin Lockwood (James Cromwell) – der ehemals engste Vertraute von ‚Jurassic Park‘-Gründer John Hammond, der mit ihm gemeinsam in Eigenregie die ersten Bernsteinfossile zum Leben erweckt hat. Der im Sterben Liegende kann einfach nicht mitansehen, dass die prächtigen Urzeitviecher gnadenlos auf der Insel verrecken sollen und beauftragt Mills damit, einen Rettungstrupp zusammenzustellen, damit die Tiere auf ein neues Atoll verfrachtet werden können.

Coole Idee, denkt sich Claire, schließt sich der Mission an und aktiviert neben Jungärztin Zia (Daniella Pineda) und Computerspezialist Franklin (Justice Smith) auch gleich ihren Ex Owen Grady (Chris Pratt; seit seinem ‚Guardians of the Galaxy‘-Durchbruch der womöglich schlechteste Mime seiner Preisklasse), der als Dinodompteur vor allem fürs Einfangen des letzten Velociraptors „Blue“ von Nützen sein könnte. Tiefe darf man sich bei den Charakteren keine erwarten, denn egal ob man sich die Neo-Aktivistin, den tölpelhaften Dinobändiger oder die beiden überspitzten Millennial-Karikaturen ansieht, so schablonenhaft wie in diesem Teil waren die Protagonisten schon lange nicht mehr.

Das Ende der ‚Jurassic World‘

Auf Isla Nublar, werden die Dinofreunde auch gleich von einer Schar bewaffneter Söldner – unter der Führung von Ken Wheatley (Ted Levine) – in Empfang genommen. Während der geneigte ‚Jurassic Park‘-Fan spätestens an dieser Stelle weiß, dass sich Typen mit Maschinengewehren im Anschlag jedes Mal als Teil einer Verschwörung entpuppen, zeigen sich Claire und Owen alles andere als verängstigt und führen die Gruppe ins Herzstück der ehemaligen Entertainment-Anlage, wo sie als ehemalige Oberbefugte immer noch mit ihrem Handabdruck die Computersysteme zum Laufen bringen kann und die eingepflanzten Peilsender in den Hälsen aller Dinosaurier aktiviert. Praktisch, denn jetzt kann man auf einen Blick sehen, wo sich welches Tier auf der Insel befindet und zumindest ein Exemplar pro Rasse retten – so wie einst Noah mit seiner Arche. Apropos: Ja, es wird ziemlich schnell nass, denn wenige Stunden nachdem die Protagonisten ihre Füße auf die Insel gesetzt haben, bricht der Vulkan freilich bereits aus und die Landmasse beginnt sich langsam gen Meeresboden zu verabschieden. Das Königreich ist gefallen, die ‚Jurassic World‘ endgültig kaputt.

Lockwood-Enkeltochter Maisie (Isabella Sermon) entpuppt sich als Glücksgriff für das Franchise und ist das erste sympathische Kind in den Dinofilmen

So weit, so gut. Bis zu diesem Punkt (wir befinden uns zirka in den ersten 30 Minuten des Films) haben die Trailer bereits ihre Vorarbeit geleistet. Über das was danach passiert, berichten wir aus akuten Spoilergründen nichts, verraten jedoch soviel – und das wurde in den Trailern ebenfalls schon gezeigt! –, dass sich das rasante Abenteuer ziemlich rasch in eine Art Spukhaus-Horrorfilm verwandelt, bei dem Regisseur Bayona seine Stärken ausspielt. Leider ist nichts von dem Gezeigten aber auch nur im Ansatz originell und wurde schon in zig Filmen besser umgesetzt. An die legendäre Schrecksequenz in der Küche des Originalteils kommt sowieso nichts heran, da nützt’s herzlich wenig, wenn im letzten Drittel des Films wieder ein brandneues Superbiest eingeführt wird – das noch furchteinflössender und intelligenter als der Indominus von 2015 ist, jedoch nach zehn Minuten Screentime wieder das Zeitliche segnet. Ironischerweise aufgespießt vom Skelett eines stinknormalen Triceratops – hier ist schmunzeln erlaubt.

Endlich mit einem erträglichen Kind in der Nebenrolle!

Auch die obligate Kinderrolle muss offenbar (wörtlich) am Leben erhalten werden, wenngleich die junge Maisie Lockwood (Isabella Sermon), Enkeltochter von Sir Benjamin Lockwood, erstmals in der Geschichte der Dino-Saga für Sympathiepunkte sorgen kann: Während die Schreihälse bislang immer nur als nervtötendes Element die Handlung der Filme störten, ist diese junge Schauspielerin eine echte Bereicherung für die Geschichte – und sorgt an einer Stelle sogar kurz für so etwas wie einen Plottwist, der die Gehirnzellen zum Nachdenken anregt. Zur Schande der Filmemacher muss man jedoch erwähnen, dass auch diese Chance – nämlich dem Film eine dramatische Wendung mit starker Figurenzeichnung zu geben – hoffnungslos im Keim erstickt wird.

Wiedersehen macht Freude: Jeff Goldblum hat einen Gastauftritt als Chaostheoretiker Dr. Ian Malcolm und B. D. Wong mixt als Genetiker Dr. Henry Wu wieder einen neuen Supersaurier im Reagenzglas

Wer Dino-Action will wird bestimmt gut bedient, die Animationen sehen sogar besser aus, als sie es bereits in ‚Jurassic World‘ getan haben; die alte Rechnung „Gebt Ihnen einen neuen Saurier mit noch mehr Zähnen und Sie werden euch den Park einrennen“ (Zitat des Genetikers Dr. Henry Wu aus ‚Jurassic World‘) geht unserer Meinung nach aber nicht mehr auf. Zwar werden Fragen wie „Darf der Mensch Gott spielen?“ und „Welche Wesen sind würdig, am Leben erhalten zu werden?“ aufgeworfen, in der Flut an Actionsequenzen und halblustigen Dialogen aber nie beantwortet. Schade, denn hier hatte man auch erstmals in der Geschichte der Reihe das Gefühl, etwas von Michael Crichtons weitaus düsterer literarischer Vorlage von 1990 zu verspüren und nicht bloß einen generischen Blockbuster mit lebloser Hülle zu betrachten.

Der Beginn der wahren Jurassic World

Dass es einen weiteren Ableger geben wird, ist am Ende des Films wieder klar ersichtlich – es bleibt jedoch abzuwarten, ob das Franchise davor nicht wieder ausstirbt. Beendet wird mit einem Zitat von Chaostheoretiker Dr. Ian Malcolm (Jeff Goldblum) – und nein, es ist nicht „Das Leben findet einen Weg“ – der die Hoffnung auf eine originelle Storyline schürt und verdeutlicht, dass ein neues Zeitalter angebrochen ist. Die Zeit der „echten“ Jurassic World, in der die Menschen mit den Urzeitriesen in Koexistenz überleben müssen …

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