Josef Haders ‚Wilde Maus‘: Regiedebüt auf der Achterbahn

In Haders ‚Wilde Maus‘ ist eine Achterbahn die Metapher für ein Leben, das komplett aus der Bahn geraten ist

In Haders ‚Wilde Maus‘ ist eine Achterbahn die Metapher für ein Leben, das komplett aus der Bahn geraten ist

Die Dreharbeiten für ‚Wilde Maus‘, Josef Haders erste Regiearbeit, sind abgeschlossen. Im TV ist er derzeit mit einem neuen Landkrimi (‚Der Tote am Teich‘) und einem alten Brenner-Film (‚Komm süßer Tod‘) vertreten Film-Experte Horst-Günther Fiedler hat den Publikumsliebling, Kabarettstar, Schauspieler und Neo-Regisseur zum Interview getroffen.

Vierzig anstrengende aber erfüllende Tage hat Josef Hader hinter sich. Kürzlich wurden die Dreharbeiten zu seiner ersten Filmregiearbeit ‚Wilde Maus‘ offiziell beendet: Die letzte Klappe fiel in Mariazell. Bis das Drama um einen gefeuerten Musikkritiker in unsere Kinos kommt, wird noch einige Zeit vergehen.
Wir haben mit Hader über sein neues Betätigungsfeld gesprochen (immerhin: Die Dreharbeiten fanden in unmittelbarer Nachbarschaft von TV-MEDIA statt – wir haben dem Künstler quasi auf dem Weg von und zur Arbeit öfter mit Respektabstand über die Schulter geschaut).

Hader schrieb das Drehbuch zu ‚Wilde Maus‘, spielte die Hauptrolle und führte Regie

Interview: Josef Hader über seinen Regie-Erstling ‚Wilde Maus‘, Stanley Kubrick und das junge Hollywood

TV-MEDIA: Herr Hader, der letzte Drehtag ist überstanden – wie geht es Ihnen nach dieser neuen Erfahrung als Regisseur eines Spielfilms?
Josef Hader: Erschöpft. Es ist ja bei vielen österreichischen Filmen so, dass man nachher urlaubsreif ist. Das war auch bei den Brenner-Filmen so. Und diesmal war es nicht anders.

TV-MEDIA: Abgesehen von der Mehrarbeit, wenn man sich Buch, Regie und Hauptrolle aufbürdet, was ist der Unterschied, wenn man „nur“ spielt?
Josef Hader: Einerseits spart man Zeit, weil man nicht mit dem Hauptdarsteller streiten muss. Andererseits ist die Balance zu halten, auf das gesamte Projekt zu schauen, die Kolleginnen und Kollegen im Auge zu haben, wie man selber spielt – das habe ich mir eigentlich schwieriger vorgestellt. Ich bin halbwegs damit klargekommen. Das hängt auch damit zusammen, dass der Wolfgang Murnberger bei den Brenner-Filmen schon so großzügig war, mich ein bissel regiemäßig mitmachen zu lassen.

Georg Friedrich spielt in ‚Wilde Maus‘ ebenso mit wie Dortmund-‚Tatort‘-Kommissar Jörg Hartmann

TV-MEDIA: Keine neuen Herausforderungen?
Josef Hader: Das Einzige, was ich noch nie gemacht und vor dem ich größten Respekt hatte, ist die Kameraauflösung: In welchen und wie vielen Teilen erzählt man eine Szene? Da hatte ich unglaubliches Glück, nämlich zwei junge Kameramänner, Alexander Thalhammer und Xiaosu Han, die haben mir enorm geholfen. Wir haben das gemeinsam vorbereitet, und auch wenn man am Set immer ein bissel improvisieren musste, weil dann doch immer etwas ein wenig anders aussieht als geplant – es war wunderbar, wie wir stets ohne große Diskussionen einer Meinung waren. Die beiden waren nie auf einer Filmakademie, sondern sind seit zehn Jahren in der Welt unterwegs und machen einfach Filme. Die kommen aus einer Generation, die mit Bildern aufgewachsen ist, deswegen unglaublich leicht und fast intuitiv arbeiten und das wunderbar erklären können. Ich kann wiederum wunderbar erklären, wie ich eine Szene erzählen will – und wir haben einander wunderbar zugehört.

TV-MEDIA: Wird die Regieerfahrung Ihre Einstellung auch künftig „nur“ als Schauspieler ändern?
Josef Hader: Nein. Ich kümmer' mich als Schauspieler nicht um Auflösung, schau mich selber nie am Monitor an. Das würde mich nur von meiner Rolle ablenken. Wenn ich als Regisseur auch die Wahl habe, wie ich spiele, beeinträchtigt das die Schauspielerei nicht so stark. Wenn ich mir aber als Schauspieler Gedanken mache, wie der Film gemacht werden sollte und es nicht mitentscheiden kann – das wäre der sicherste Weg, um schlecht zu spielen.

Hader als 50-jähriger Musikkritiker Georg, der über Nacht die Anstellung bei einer Tageszeitung verliert und wenig Aussicht auf einen neuen Job hat

TV-MEDIA: Gibt es eigentlich einen erkennbaren Regiestil für Sie?
Josef Hader: Ich glaube, wenn Regie und Drehbuch in einer Hand waren, dass man schon einen Stil erkennt. Stil und bildliche Umsetzung hängen immer stark von der Geschichte ab. Grosse Regisseure, die ich auch sehr verehre – wie Stanley Kubrick – haben für jeden Film einen eigenen Stil und eine eigene Bildsprache entwickelt.


Ich bin mit dem jungen Hollywood der Siebzigerjahre aufgewachsen und verehre Stanley Kubrick

TV-MEDIA: Aus welcher Regie- oder Genrerichtung kommen Ihre einschlägigen Vorbilder?
Josef Hader: Ich bin mit dem jungen Hollywood der Siebzigerjahre aufgewachsen. ‚French Connection‘ oder ‚American Graffitti‘. DAs ist nach wie vor meine Lieblingsperiode. In meiner Generation waren die Fernsehserien ja eher harmlos und nicht so interessant – die haben uns nicht vom Hocker gerissen. Das waren vielmehr Filme, die am Freitag in der Nacht oder am Samstag gelaufen sind; die Filme, die um elf Uhr vormittags im sogenannten Schichtarbeiterprogramm wiederholt wurden. Dadurch bin ich jemand, der viel stärker vom Kinofilm geprägt ist und eigentlich mit Fernsehserien gar nicht so richtig warm wird. Obwohl ich weiß, dass es ganz tolle gibt. Ich schau auch immer wieder welche an, aber ich habe noch nie eine Staffel durchgeschaut. Das Langzeitformat ist einfach nicht meine Form. Ich bin Anhänger der Eventkunst, wenn sich jemand für 90 oder 100 Minuten was richtig Tolles überlegt hat. Das schau ich mir gern an.

Im neuen ORF-‚Landkrimi‘ gibt Hader den ehemaligen Landpolizisten Sepp Ahorner, der sich nur mehr für Wildtiere interessiert

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TV-MEDIA: War ‚Wilde Maus‘ immer dezidiert als der Film geplant, bei dem Sie erstmals Regie führen wollten – oder ist das einfach passiert?
Josef Hader: Das war immer der Film, bei dem ich Regie machen wollte. Ich wollte das schon lange und hab mir gedacht: Wenn ich das jetzt nicht mache, dann mache ich es nie – und hab mir auch die notwendige Zeit zum Schreiben gegeben. Das Problem war lange, das ich als Kabarettist ständig herumfahre und so nicht wirklich die Ruhe habe, wirklich was zu schreiben. Die Zeit habe ich mir jetzt endlich genommen. Im Vorjahr habe ich rund 80 Mal gespielt, jetzt nur 20 Auftritte pro Jahr. Ich wollte im Lauf des Jahres auch immer mehr mit Film zu tun haben, mehr Verständnis dafür bekommen. Ich habe heuer außerdem zwei Filmprojekte gemacht: Das eine war der oberösterreichische Landkrimi mit der Maria Hofstätter, das andere eine Stefan Zweig-Biografie, die Maria Schrader inszeniert hat. Völlig verschiedene Sachen, aber ich hab gedacht, das hilft mir.

TV-MEDIA: Stichwort Landkrimi: Was war das Besondere für Sie daran?
Josef Hader: Es war das erste Mal, dass ich länger mit der Maria Hofstätter zusammen gespielt habe. Wir hatten immer nur kurze Szenen bisher, sie war auch in ‚Indien‘ in einer kurzen Szene dabei. Wir kennen uns schon sehr lange, haben aber noch nie länger in einem Film miteinander zu tun gehabt. Sie kommt aus dem Mühlviertel, ich aus dem stark angrenzenden Waldviertel, wir haben in unserem Dialekt gespielt, den wir schon als Kinder gesprochen haben. Das war eine sehr schöne Arbeit, die man sicher auch im Film spürt. Die Landschaft, die Atmosphäre. Regisseur Nikolaus Leytner hat sehr darauf geachtet, dass nur Leute aus Oberösterreich mitspielen, dass es ein glaubhaftes, bäuerliches Milieu ist.

2016 geht es Hader gelassen an: Zur Ideenfindung will er ins Café gehen

TV-MEDIA: Was steht für 2016 auf dem Programm? Eher mehr neue Filme oder doch wieder verstärkt die Kabarettbühne?
Josef Hader: Ich kann gar nicht viel spielen, weil ich kein neues Programm habe. Die Aufgabe wird sein zu schauen, ob mir was einfällt. Ich werde mir Zeit nehmen, ins Café gehen und aufschreiben, was mir so an Ideen kommt. Ich will sehr gerne wieder einen Film machen, ich möchte aber auch gern wieder was Neues auf die Bühne bringen. Schauen wir einmal, wofür die besseren Ideen kommen!

Programm-Tipp

Am Donnerstag, den 3. 12. 2015 (ORF eins, 20:15) ist Josef Hader im ORF-Landkrimi ‚Der Tote am Teich‘ zusammen mit Maria Hofstätter zu sehen. Gleich danach um 21:55 gibt‘s ebenfalls auf ORF eins die Wolf Haas-Verfilmung ‚Komm, süßer Tod‘.
Wilde Maus‘ kommt frühestens im Dezember 2016, wahrscheinlich aber eher erst im Februar 2017 in die Kinos. Josef Hader möchte sich für Schnitt, Tonmischung und sonstige Postproduktionsarbeiten Zeit lassen.

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