Knallharter Job: Auslandskorrespondent – wie funktioniert Arbeit in Krisenzeiten?

Wenn man nicht an sicheren Schauplätzen Dienst tut wie Brüssel, Berlin oder Zürich, kann aus dem Auslandskorrespondenten schnell der Frontberichterstatter werden.

Beispiel Ägypten, Beispiel ORF-Mann Karim El-Gawhary, der in den vergangenen -Tagen wohl alle Hochs und Tiefs erlebt hat, die einem in dem Job widerfahren können. Wir verfolgten seine Arbeit bereits, noch ehe der friedliche Volksaufstand unter die Knüppel und das Feuer der autokratischen Kräfte geriet. Doch von Anfang an:

Noch bester Laune

Kairo, Dienstagnachmittag vergangener Woche. El-Gawhary sitzt in seinem Büro an der zentralen Niluferstraße; dass er arg eingespannt ist, merken wir u. a. daran, dass das Gespräch mit TV-MEDIA von drei An-rufen unterbrochen wird – beruflichen, versteht sich.
Unten ziehen seit den Morgenstunden Demonstranten vorbei, die zum von hier knapp 500 Meter entfernten Tahrir-Platz wollen. „Hören Sie, was sie skandieren?“, fragt der Nahost-Profi vergnügt. „,Wir bleiben, ihr geht!‘ und natürlich ,Stürzt Mubarak! Stürzt Mubarak!‘, einer ihrer Lieblingsrufe“, übersetzt er. Er lacht kurz und schüttelt dabei den Kopf, als ob er selber kaum fasst, was da gerade abläuft. Von Sorge keine Spur – obwohl seine Kollegin, die Zeit-im-Bild-Redakteurin Nadja Bernhard, tags zuvor am Flughafen der Hauptstadt verhaftet wurde …
„Das war nicht weiter tragisch“, schwächt er ab. „Die haben ihr die Kamera weggenommen, sie und das Team eine halbe Stunde auf die Wache gesetzt, dann kamen sie wieder frei.“ Und zur Gesamtlage meint der 47-Jährige, der seit 20 Jahren aus dem arabischen Raum berichtet: „Man kann hier momentan viel besser arbeiten als vorher, als sofort -irgendein Hilfspolizist angerannt kam und sagte: ,Hier darf man nicht filmen‘, kaum hatten wir die Kamera ausgepackt. Was in Kairo gerade stattfindet, ist ein riesiges Volksfest. Die Leute feiern, weil der Deckel endlich abgenommen wurde von drei Jahrzehnten Hosni-Mubarak-Diktatur.“

Schluss mit lustig

Einen Tag später ist die Party vorbei. Ägyptens Noch-Präsident lässt seine Schlägertruppen von der Kette, die u. a. gezielt Jagd auf die „läs-tigen“ ausländischen Journalisten machen. „Einen habe ich angerufen. Abgehoben hat einer der Gewalttäter, der sagte, den Kollegen schwer verprügelt zu haben“, so El-Gawhary am Ende eines blutigen Mittwochs ernüchtert. Er selbst entging Tätlichkeiten nur, weil er als ägyptischer Staatsbürger einen entsprechend „unverdächtigen“ Personalausweis zücken konnte…
Am Donnerstag eskaliert die Lage dann weiter. Mubarak-Schergen greifen das Gebäude der Produktionsfirma Video Cairo Sat an, in dem der ORF eingemietet ist. Da er auch aus dem Hotel hinauskomplimentiert wird, zieht sich Karim samt Crew ins Redaktionsbüro zurück. Von dort meldet er sich in der 22.00-Uhr-ZiB si-cherheitshalber vor verdunkelten Fenstern. Dietmar Ossenberg vom ZDF entdeckte während seines Liveberichts für das heutejournal den Farbpunkt eines Laserziel-geräts auf seiner Kleidung …
,Mit dem Schlimmsten rechnen‘.
Am Freitag entspannt sich die -Situation endlich, El-Gawhary – inzwischen flankiert von ORF-„Krisenurgestein“ Friedrich Orter – lässt sich ohne Sichtschutzmaßnahmen auf den Küniglberg schalten. Bis Montagabend (Redaktions-schluss von TV-MEDIA) ging es weiterhin vergleichsweise ruhig zu am Fuß der Pyramiden. Dennoch bleibt die Frage: Wie groß, wie -berechenbar ist das Risiko für Journalisten in einer Weltgegend, die plötzlich brennt? Laut der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ wurden während der dramatischen Unruhen 72 Medienvertreter festgenommen, weitere 75 körperlich angegriffen. Ein Fotograf der Zeitung Al-Taawon erlag seinen Schussverletzungen.
Roland Adrowitzer, Leiter der 26 ORF-Auslandsbüros (s. Info-Kasten), davor zwölf Jahre Kor-respondent in Bonn, London und Brüssel sowie TV-MEDIA-Gast-autor des vorliegenden Heftes: „Uns allen ist klar, dass man auch mit dem Schlimmsten rechnen muss, aber wir versuchen, das Risiko zu minimieren. So hat im aktuellen Fall das Zusammenspiel mit dem Außenministerium hervorragend funktioniert. Die haben sich toll für uns eingesetzt, zum Beispiel Ausweichquartiere angeboten, Begleitung zum Airport organisiert und uns ,Schutzbriefe‘ in arabischer Sprache ausgestellt.“
Überdies würden, wenn es hart auf härter kommt, Reporter auch heimgeholt nach Österreich, was in jüngster Vergangenheit aber erst einmal nötig war: im Februar 2004, als im Bürgerkrieg in Haiti das Hotel von Hanno Settele (heute in Washington stationiert) unter Beschuss lag und ihn die deutsche Bundeswehr ausflog.

Familie außer Landes gebracht

Obwohl El-Gawhary – Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste – seine Ehefrau und die drei Kinder außer Landes bringen ließ, „kann ich mir nicht vorstellen, dass Karim Ägypten freiwillig verlässt“, denkt Adrowitzer laut über den seit Tunesien im Staatsfunk multipräsenten Star seiner Truppe nach. „Er lebt da seit 20 Jahren, weiß, dass dort gerade Geschichte passiert. An der will er teilhaben.“
Der Angesprochene selbst versucht, so es denn um Leib und Leben geht, „aufzupassen und die Situation stündlich abzuschätzen“. Doch Gefahr hin oder her: „Das Schlimmste, das mir passieren kann, ist, dass ich nicht mehr ins Büro gehen kann.“ Ein wahrer Teufelskerl seiner Zunft!

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