Jenny Jürgens im Interview: „In seiner künstlerischen Schaffenskraft war mein Vater ein Getriebener"

Jenny Jürgens bei der Aufzeichnung der RTL-Gala ‚Merci Udo‘

Jenny Jürgens bei der Aufzeichnung der RTL-Gala ‚Merci Udo‘

Udo Jürgens ist unvergessen, seine Musik unsterblich. In der neuen Show ‚Merci Udo - Deutschland sagt Danke!‘ lässt Moderatorin Barbara Schöneberger seine Musik wieder aufleben, und Kinder, Enkelkinder sowie Prominente verraten in einer Zeitreise ihre ganz persönlichen Erinnerungen. Wir trafen im Rahmen der Aufzeichnung Udos Tochter Jenny zum Interview.

TV-MEDIA: Wie hat Ihnen die Aufzeichnung der großen RTL-Gala gefallen?
Jenny Jürgens: Es war ganz toll. Barbara Schöneberger hat zauberhaft moderiert und sie war auch mit ein Grund, warum wir die Einladung angenommen haben. Zum ersten Mal seit dem Tod des Vaters sind wir komplett aufgetreten, inklusive der Kinder meines Bruders. Es war eine tolle Power spürbar, die meinem Vater sicher gefallen hätte.


TV-Tipp: Die Show ‚Merci Udo - Deutschland sagt Danke!' ist am 2. 12. 2016 um 20:15 auf RTL zu sehen

TV-MEDIA: Es werden innerhalb der Show auch viele Anekdoten erzählt. Gibt es so etwas wie die allerschönste Erinnerung?
Jenny Jürgens: Nein, es sind hunderte Momente, an die ich mich gerne erinnere. Die erst zusammen ein komplettes Bild von der Persönlichkeit meines Vaters machen. Aber sehr gerne erinnere ich mich an die vielen gemeinsam verbrachten Abende. Er war ein nachtaktiver Mensch, der gerne in Restaurants ging. Bei einem guten Wein hatten wir viele intensive Gespräche darüber, was auf der Welt vor sich ging.

Anekdoten und Fotos von früher bei der RTL-Gala für Udo Jürgens

TV-MEDIA: Es kann für Sie als Kind nicht einfach gewesen sein, einen so berühmten Vater zu haben, der ständig von Fans verfolgt wurde ...
Jenny Jürgens: Das ist selbst heute als Erwachsene oft nicht leicht, wenn manche unsensibel vorgehen und die Balance zwischen Nähe und Distanz nicht kennen. Viele dachten, er sei ein Teil ihres Lebens, weil er via TV-Gerät in ihr Wohnzimmer einstrahlte. Als Kind war das für mich natürlich ein Störfaktor, andererseits gab und gibt es auch ganz reizende Menschen, die mir etwa sehr sensibel ihr Beileid bekundet haben.


Jenny über Udo Jürgens: In seiner künstlerischen Schaffenskraft war er ein Getriebener

TV-MEDIA: Stimmt der Eindruck, dass für ihn die Musik, die Kunst immer das Wichtigste im Leben war? Sogar wichtiger als die Familie?
Jenny Jürgens: Wir wissen, dass es so war. Aber das bedeutet nicht, dass er uns nicht auch sehr geliebt hat. Aber in seiner künstlerischen Schaffenskraft war er ein Getriebener, der ohne seine Musik und sein Klavier nicht hätte leben können. Gerade aber in seinem Älterwerden wurde das Bedürfnis größer, mit den Kindern Zeit zu verbringen. Ich war nie ein Freund davon, Menschen Ulitimaten zu stellen, weil man sie so sein lassen muss, wie sie sind. Gerade das verlangt man doch auch von den Eltern, wenn man erwachsen wird.

1984 sangen Udo und Jenny Jürgens das Duett ‚Liebe ohne Leiden‘

1984 sangen Udo und Jenny Jürgens das Duett ‚Liebe ohne Leiden‘

TV-MEDIA: Inwieweit hat Ihr Vater Sie in Ihrer künstlerischen Arbeit beeinflusst?
Jenny Jürgens: Er hat immer gesagt, dass gute Vorbereitung das einzige Mittel gegen Lampenfieber ist. Daran habe ich mich gehalten, die Aufregung ist dennoch geblieben (lacht) . Pünktlich zu sein, war ihm auch sehr wichtig und das haben wir Kinder verinnerlicht, denn auch wenn man nur fünf Minuten zu spät war, konnte er ungehalten werden.

TV-MEDIA: Zuletzt war Udo Jürgens mit der ‚Mitten im Leben‘-Tour unterwegs und sehr erfolgreich. Der Tod kam für die Fans völlig überraschend, für die Familie auch?
Jenny Jürgens: Pragmatisch gesehen weiß man als Kind, dass man sich eines Tages von den Eltern verabschieden muss. Aber er hat mit 80 so viel Vitalität ausgestrahlt, dreistündige Konzerte gegeben und war im Kopf total fit, dass wir nie im Leben mit diesem Zeitpunkt gerechnet hätten. Manche meinen, er hätte bei seinem Auftritt mit Helene Fischer zehn Tage vor seinem Tod gewirkt, als hätte er eine Vorahnung gehabt. Ich halte das für Quatsch.


Everybody‘s Darling is everybody‘s Depp

TV-MEDIA: War sein Tod Anlass für Sie, Ihr Leben neu auszurichten?
Jenny Jürgens: Große Veränderungen gab es schon vor fünf Jahren, als ich meinen jetzigen Ehemann kennengelernt und ein zweites Leben auf Mallorca aufgebaut habe. Verändert hat sich aber, dass sich die Prioritäten verschoben haben und die Familie für mich wichtiger wurde. Ich versuche auch weniger, die Erwartungen anderer zu erfüllen, denn wie man so schön sagt „Everybody‘s Darling is everybody‘s Depp“.

Video aus 1984: Udo und Jenny Jürgens singen zusammen ‚Liebe ohne Leiden‘


Udo & Jenny Juergens - Ich wuensch dir Liebe... von Augenblicke

TV-MEDIA: Wie belastend ist bzw. war der Streit um das Erbe?
Jenny Jürgens: Nachdem noch nicht alles geklärt ist, kann ich mich dazu leider nicht äußern. Ich bitte um Verständnis.

TV-MEDIA: Trotz der Turbulenzen kümmern Sie sich mit Ihrer Stiftung Herzwerk um finanziell schwache ältere und kranke Menschen. Warum liegt Ihnen gerade dieses Thema am Herzen?
Jenny Jürgens: Mit der Gründung 2009 wollte ich ein Zeichen für die Schwächsten der Gesellschaft setzen. Wer arm, alt und krank ist, braucht die Hilfe anderer. Ich werde mich für diese Menschen bis an mein Lebensende einsetzen und mich, sobald das Erbe freigegeben ist, auch privat mehr einbringen.

Von September 2014 bis Juli 2015 spielte Jenny Jürgens in der ARD-Telenovela ‚Rote Rosen‘ Jana Greve, die weibliche Hauptrolle der elften Staffel

TV-MEDIA: Wie geht es mit Ihrer Karriere weiter?
Jenny Jürgens: Mein Mann dreht viel, deshalb wäre ein Theaterengagement nur schwer umsetzbar, da wir auf Mallorca auch Tiere haben. Ich bin nicht wie mein Vater und nicht süchtig nach der Bühne. Aber ein schönes Filmangebot würde mich sehr freuen.

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