Interview mit ‚X Factor‘-Juror Thomas Anders

Ex-Modern-Talking-Sänger Thomas Anders ist nicht nur Juror bei ‚X Factor‘, sondern auch ein ambitionierter Hobbykoch

Ex-Modern-Talking-Sänger Thomas Anders ist nicht nur Juror bei ‚X Factor‘, sondern auch ein ambitionierter Hobbykoch

Ex-Modern-Talking-Sänger Thomas Anders tut es seinem „Ex“ Dieter Bohlen gleich und macht auf Juror. Beim TV-MEDIA-Interview über sein Sky-Engagement bei ‚X Factor‘ sind auch seine Vorliebe fürs Kochen und sein diesjähriger 55. Geburtstag zur Sprache gekommen.

Früher Freunde, dann Feinde, bald konkurrierende Kollegen – Thomas Anders und Dieter Bohlen schrieben als Modern Talking (‚You’re My Heart, You’re My Soul‘) Musikgeschichte, nach ihrem Aus blieb Anders der Musik treu (in Russland ist er etwa ein gefeierter Star). Dieter Bohlen festigte seinen Platz in den Geschichtsbüchern als Musikproduzent, viel mehr aber noch als großmauliger Castingshow-Juror mit Sprüchen, die meist unter der Gürtellinie angesiedelt sind (was ihm sogar eine Strafanzeige eines Ex-DSDS-Kandidaten einbrachte).

Juror, Mentor, Konkurrent

Jetzt zieht Thomas Anders nach und setzt sich ebenfalls auf den Jury-Sessel. Zwar nicht neben seinen Ex-Bandkollegen Bohlen (die beiden haben kein gutes Verhältnis), sondern neben Rapper Sido, Ignacio „Iggy“ Uriarte (Lions Head) und Jennifer Weist, Frontfrau der Berliner Rockband Jennifer Rostock: bei ‚X Factor‘ (ab 27. August auf Sky). Sie entscheiden nicht nur, welche Kandidaten in der neu aufgelegten Castingshow das Talent zum Musikstar haben, sondern werden im Laufe der Show auch zu Mentoren der Kandidaten und somit zu Konkurrenten.

Im Talk mit Thomas Anders

TV-MEDIA: ‚Modern Cooking‘: War der Titel Ihres ersten Kochbuchs von Anfang an klar?
Thomas Anders: Ja, der stammt von mir. Als man an mich herantrat, ob ich Lust hätte, ein Kochbuch zu machen, hatte ich diesen Titel sofort im Kopf. Es ist natürlich ein Wortspiel mit „Modern Talking“, logisch. Aber so wie ich koche und so wie es im Kochbuch geschildert ist, passt der Titel perfekt. Es ist modernes Kochen. Und damit impliziere ich, einfach zu kochen, mit guten Zutaten. Ich habe sicher 150 Kochbücher, auch von den ganz großen Köchen, aber die sind ja meistens doch etwas komplizierter. Meine liebsten Kochbücher sind die, in denen leckere und machbare Rezepte mit hochwertigen Zutaten einfach zubereitet werden. – Und das wollte ich auch mit meinem Buch erreichen. Dass sich mit ‚Modern Cooking‘ dann auch dieses wunderbare Wortspiel ergibt, das nimmt man gerne mit.

TV-MEDIA: Sie haben mit Ihrer Musik 125 Millionen Tonträger verkauft. Frech gefragt: Was ist denn Ihr Ziel mit dem Buch?
Anders: Ich hatte nie im Leben die Idee, ein Kochbuch zu machen. Die ursprüngliche Idee dazu kam vom Verleger, mit dem wir befreundet sind. Ralf Frenzel vom Tre-Torri-Verlag wusste, dass ich gerne koche, und hat an das Projekt geglaubt. Dann haben wir uns vor über zwei Jahren zusammengesetzt und gemeinsam Rezepte entwickelt und Ideen ausgetauscht. Dass das Buch dann so erfolgreich läuft und nach Veröffentlichung zum Teil auf Amazon-Listen über zwei, drei Monate ganz weit oben stand, konnte ja keiner ahnen, aber es macht mich schon ein bisschen stolz (lacht).


Meine Frau sagt immer: „Mir schmeckt nicht alles, was du kochst.“

TV-MEDIA: Es ist ein ungewöhnliches Kochbuch mit vielen persönlichen Geschichten drin und vielen überraschenden Rezepten, wie Bolognese mit Zitronengras oder Würstel mit Linsen-Mango-Salat. Sind das Ihre eigenen Kreationen?

Anders: Ja, mehr oder weniger. Wir haben zum Teil auch Dinge erarbeitet. Ich sammle gerne Rezepte, die mir gefallen, in einem Heft, das in meiner Küche in einer Schublade liegt. Da sind dann Gerichte dabei, die man gerne öfter kocht. Beim dritten Mal guckt man gar nicht mehr aufs Rezept und beginnt zu variieren. Das ist ein spannender Prozess, und so haben sich Rezepte entwickelt, die nach mehreren Jahren des Experimentierens nicht mehr dem Original entsprechen, sondern meine Handschrift tragen (lacht). Die Mengenangaben habe ich dann mit dem Verlag und den Ernährungswissenschaftlern erarbeitet. Dabei brauchte ich Hilfe, denn ich persönlich koche oft einfach aus dem Gefühl heraus …

TV-MEDIA: Wurde Ihnen das Kochtalent in die Wiege gelegt?
Anders: Meine Mutter hat immer gekocht, daher kennt man das. Ich fing vor 30 Jahren mit dem Kochen und Experimentieren an. Ich bin permanent unterwegs, und irgendwann war der Punkt, an dem ich keine Lust mehr auf Hotel- oder Gastronomieküche hatte. Um Freunde zu treffen, wollte ich nicht wieder in ein Restaurant gehen, ich war ja mal froh, zu Hause zu sein. Also musste ich, überspitzt gesagt, notgedrungen selber was zaubern. Dass mir das nebenbei auch noch Spaß gemacht hat – okay! So fing meine Leidenschaft fürs Kochen an. Damals waren es eher einfache Rezepte. Nudeln mit Tomatensauce, aber zumindest frisch und lecker gemacht. – Und in 30 Jahren kann sich ja viel entwickeln …

TV-MEDIA: Einen großen Part in der Rezeptentwicklung werden wohl Ihre Frau und Ihr Sohn einnehmen. Sind die beiden harte Kritiker?
Anders: Nein. Sagen wir so, meine Frau sagt immer: „Mir schmeckt nicht alles, was du kochst.“ Sie mag nicht so gerne Asiatisch. Mein Sohn wiederum liebt alles Asiatische, so wie ich. Da kann es dann gar nicht scharf genug sein. Ich weiß von meiner Frau, dass sie raus ist, wenn in einer Rezeptur Fischsauce drinsteht. Da muss ich ein anderes Dressing nehmen (lacht).


Kochen ist für mich einfach Krafttanken und Runterkommen.

TV-MEDIA: Wie schaut das im Hause Anders aus, kochen ausschließlich Sie?
Anders: Ja, so gut wie.

TV-MEDIA: Und Ihr Sohn, hat der auch schon Ambitionen?
Anders: Sagen wir so, er stellt sich nicht an den Herd und kocht. Aber er bat mich schon darum, ihm zu zeigen, wie man die Thunfischcreme macht …

TV-MEDIA: Ist Kochen auch ein Quell der Kreativität? Komponieren Sie zwischen Zwiebelschneiden und Schnitzelklopfen?
Anders: Nein. Kochen ist für mich einfach Krafttanken und Runterkommen. Zum Teil hat es schon fast meditative Aspekte, weil man anfängt, Nahrungsmittel auch bewusst zu sehen. Und der Vorgang des Essenzubereitens fängt ja schon beim Aussuchen von Nahrungsmitteln an. Allein wenn ich kleine Karotten in die Hand nehme, dann weiß ich schon, ob ich sie einfach im Ganzen dünsten oder kurz karamellisieren lasse. Da geht die Kreativität des Kochens schon los.

TV-MEDIA: Zum Kochen gehört auch das Danach, das Abwaschen. Bei Ihnen auch?
Anders: Punkt eins: Ich bin ein sehr ordentlicher Koch. Bei mir hat im Grunde nie eine Bombe eingeschlagen – wenn ich die Vorbereitungen für den ersten Gang erledigt habe, mache ich sauber. Erst danach fange ich mit dem zweiten an. Ich brauche einfach den Abschluss. Im Kochvorgang Dinge noch vorzubereiten, erzeugt immer Chaos.

TV-MEDIA: Das klingt danach, dass Sie ein sehr ordnungsliebender Mensch sind.
Anders: Ja, das bin ich auch. Wenn Sie meinen Schreibtisch sehen würden, würden Sie genau das Gegenteil behaupten. Aber der hat auch ein geordnetes Chaos (lacht).


Letztendlich soll alles so bleiben, wie es ist: wunderbar!

TV-MEDIA: Mit Ihrer Modern Talking Band sind Sie sehr viel unterwegs. Gehört es für Sie dann auch dazu, in Bolivien, Argentinien und Co auf den Markt zu gehen?
Anders: Nein, dafür ist gar keine Zeit. Bei der Fülle an Konzerten bleibt keine Zeit mehr für Kochgenuss oder Kultur in irgendeiner Form.

TV-MEDIA: In Österreich machen Sie leider nicht halt. Warum nicht?
Anders: Ich weiß es gar nicht. Ich bin ja viel in Wien, weil der Flughafen ein Drehkreuz für den Osten ist, aber leider nur am Flughafen. Aber da hat’s dann auch nicht für ein Konzert gereicht (lacht). Aber ich bin sehr viel privat in Österreich, wir machen hier unsere Winterurlaube.

TV-MEDIA: Und wie schmeckt Ihnen die österreichische Küche?
Anders: Ja, super lecker. Es gibt ja Länder, wo man lange suchen muss, bis was dabei ist, das einem schmeckt. Aber in Österreich findet man ja von der Vorspeise bis zur Nachspeise immer etwas. Ganz klassisch, das Wiener Schnitzel, das schmeckt auch nirgendwo so gut wie in Österreich. Oder die Frittatensuppe oder der Kaiserschmarren. Sachertorte. Ach. Und der Tafelspitz und einen schönen Veltliner dazu. Mhhhhh. Lecker.

TV-MEDIA: Zum Schluss: Sie feierten am 1. März Ihren 55. Geburtstag, quasi ein runder. Hat der geschmerzt?
Anders: Nein. Ich habe auch überhaupt kein Verständnis für Menschen, die sich über ihren Geburtstag aufregen. Zum einen sollte man dankbar sein, dass man ihn erlebt und überhaupt noch da ist. Zum anderen nützt das ganze Aufregen ja nichts, man wird ja so oder so älter. Es macht ja überhaupt keinen Sinn, sich zu verkriechen, dazu bin ich viel zu lebensfroh und lebensbejahend. Das Einzige, was schmerzt: Statistisch gesehen bin ich mit 55 über dem Zenit meines Lebens, es wird dann schon weniger. Das ist schon eine Sache, bei der ich mir denke, wenn ich da noch was rauszögern könnte … Aber letztendlich soll alles so bleiben, wie es ist: wunderbar!

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