Interview mit ORF-General Alexander Wrabetz: „Es gibt keine Garantie auf Erfolg“

Alexander Wrabetz, 58, steht in seiner dritten Amtszeit als ORF-General. Bleibt er bis Ende 2021?

Alexander Wrabetz, 58, steht in seiner dritten Amtszeit als ORF-General. Bleibt er bis Ende 2021?

Allen Ablösegerüchten ob neuer Regierungskonstellation zum Trotz: Alexander Wrabetz sitzt immer noch im Sattel. Seit 2007 tut er das. Und wie es aussieht, könnte er seine dritte Amtszeit (bis 2021) auch zu Ende bringen. In TV-MEDIA spricht der ORF-Generaldirektor über geplante Programmreformen und die Legitimation des ORF.

TV-MEDIA: Diese Woche endete die Bewerbungsfrist für die Channel-Manager von ORF eins und ORF 2. Nach jahrelanger Diskussion. Warum hat dieser Prozess so lange gedauert?
Alexander Wrabetz: Wir wollten das bereits vorliegende Konzept nicht mitten im Nationalratswahlkampf umsetzen. Die Redaktionen hatten anderes zu tun. Danach galt es zu klären: Werden wir mittelfristig überhaupt zwei Sender haben? Es war wichtig, dass das von der Regierung außer Streit gestellt wird, sonst hätten wir womöglich Manager eingeführt für Kanäle, die es gar nicht mehr gibt. Zuletzt: Die Standortfrage musste geklärt werden. Nun sind wir hier auf einem sehr guten Weg.

TV-MEDIA: Für Laien erklärt: Was bringen Channel-Manager für ORF eins und ORF 2?
Alexander Wrabetz: Die meisten unserer erfolgreichen Sender sind nach dem Channel-Prinzip organisiert. Nur unsere beiden wichtigsten Kanäle im Fernsehen haben im Gegensatz etwa zu Ö3, Ö1 oder ORF III bisher keine klare Verantwortung in der Struktur. Deshalb ordnen wir das neu. Künftig soll es je eine Person geben, die ausschließlich an das jeweilige Programm und sein Zielpublikum denkt.

TV-MEDIA: Viele im ORF sagen: Damit ist Streit zwischen Channel-Managern und Programmdirektorin Kathrin Zechner vorprogrammiert.
Alexander Wrabetz: Das denke ich nicht. Es geht auch nicht darum, auf Paragrafen von Organisationsanweisungen herumzureiten. Eine Organisation lebt davon, dass Menschen zusammenarbeiten. Die neuen Regeln werden sich einspielen und unseren Sendern nützen.

TV-MEDIA: ORF eins soll massiv umgestaltet werden. Kernstück: ein werktägliches Info-Magazin um 21.00 Uhr. Damit ändert sich der Programmablauf radikal, 90-Minuten-Filme am ORF eins-Hauptabend sind nicht mehr möglich. Nicht ein riskantes Unterfangen?
Alexander Wrabetz: Grundsätzlich geht es darum, den Anteil österreichischer Programme auf ORF eins deutlich auszubauen. Und das Magazin – ob es dann ZiB 21 oder anderswie heißt – hat ein sehr, sehr spannendes Konzept, das den ORF im Informationsfernsehen insgesamt weiterentwickeln wird und auch die Frage, ob ORF eins ein öffentlich-rechtlicher Sender ist, beantworten wird. Ich denke, dass wir zwischen der klassischen ZiB 1 um 19.30 Uhr und der ZiB 2 eine gut gemachte große Informationssendung sehr gut gebrauchen können. Das bringt natürlich Veränderungen mit sich, aber für die angesprochenen 90-Minuten-Filme haben wir ja immer noch die Primetime am Sonntagabend. – Ziel soll jedenfalls sein, an praktisch jedem Hauptabend eine österreichische Sendung zu zeigen.


Ein bis zu 45-minütiges Nachrichtenformat wird auch Eingewöhnungszeit brauchen

TV-MEDIA: Eine solche News-Show gibt’s in Österreich bislang nicht ...
Alexander Wrabetz: Ja, ein bis zu 45-minütiges, großes Nachrichtenformat wird auch eine Eingewöhnungszeit brauchen. Aber diese Zeit müssen wir uns nehmen.

TV-MEDIA: Sind weitere Änderungen geplant?
Alexander Wrabetz: Wir werden einige einstündige Unterhaltungsformate, die in dieses künftige Schema passen, ausprobieren. Die neue Kochshow am Freitag (Anm.: ,Meine Mama kocht besser als deine‘) war ein Anfang. Man muss sich einfach trauen, neue Projekte zu entwickeln. Am Mittwoch wiederum werden wir die ,DOK.eins‘-Dokumentationen zur regelmäßigen Einrichtung machen. Für den Herbst sind hier zehn Eigenproduktionen geplant. Am Montag und Dienstag sind wir mit unseren österreichischen Serien ohnehin gut aufgestellt. Am Donnerstag könnten künftig auch neue Unterhaltungsformate laufen, der Samstag wird den großen Shows – auch in Koproduktion mit deutschen Partnern –gewidmet. Und der Sonntag bleibt dem Hollywoodfilm vorbehalten.

TV-MEDIA: Am Beispiel der eher mit mäßigen Quoten gestarteten Kochshow könnte sich zeigen: Man benötigt manchmal sehr viel Geduld, bevor etwas zum Erfolg wird.
Alexander Wrabetz: Es hat ganz spannend angefangen, aber muss sich sicher einspielen. Im Übrigen ist das etwas, was wir für uns selbst und das neue ORF eins lernen müssen: Es gibt keine Garantie mehr, dass etwas ein Knaller wird. Wichtig ist vor allem, dass wir auf Innovation und Veränderung setzen.

TV-MEDIA: Kommen auch Änderungen in anderen Zeitzonen?
Alexander Wrabetz: Überlegungen laufen für den Vorabend oder den Spätabend. Digitalisierung, Artificial Intelligence etc. sind beispielsweise Themen der Zeit, für die wir aktuell keine eigene Sendung haben. Ein Magazin – nennen wir es Digital Times – wäre hier ein Anfang.

TV-MEDIA: Wo liegt die Schmerzgrenze bei den Marktanteilen für ORF eins?
Alexander Wrabetz: Der Reformprozess ist keine Frage der Quotenoptimierung. Wir wollen vorrangig unser Publikum zufriedenstellen. Mehr Leute sollen am Ende sagen: ORF eins ist mein Lieblingssender.

TV-MEDIA: Bei immer teureren Sportrechten: Welche Rolle wird der Sport auf ORF eins spielen?
Alexander Wrabetz: Wenn es möglich ist, die Formel-1- Rechte ab 2020 zu verlängern, dann sollten wir das tun. Das würde gut ins neue ORF eins passen. Das Publikum wünscht und erwartet das. Es müsste auch leistbar sein, weil uns ja andere Sportarten wie der Klubfußball ausgefallen sind. Dann haben wir künftig den gesamten Wintersport, die Formel 1 und die großen Spiele der Fußball-Nationalmannschaft.

TV-MEDIA: Die Samstags-Highlights der Fußball-Bundesliga ab kommendem Sommer sind noch immer nicht vergeben. Ist der ORF weiter dran?
Alexander Wrabetz: Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir mit dem Rechteinhaber Sky zusammenkommen. Was Live-Spiele betrifft, werden wir in den nächsten Jahren sehen, ob sich die „aggressiven“ Vermarktungsmodelle unserer Pay-TV-Kollegen wie DAZN auf Dauer ausgehen ...

TV-MEDIA: Wo in ORF 2 wird es – Stichwort Regionalisierung – Änderungen geben?
Alexander Wrabetz: Durch den Entfall von Bingo und der Brieflos-Show haben wir bald zusätzliche Sendeflächen am Samstag und Sonntag, die unsere Landesstudios bespielen sollen. Wir streben an einem der beiden Tage eine regionalisierte „Thema der Woche“-Sendung an – in jedem Bundesland soll es ein Magazin oder eine Talksendung geben, die das regional relevante Thema behandelt. Und: Am Mittwoch vor der ,ZiB 2‘ möchten wir ebenfalls ein regionales Fenster mit chronikalen Nachrichten austesten. Das ist kostenintensiv, aber wir werden es versuchen.


Am Ende geht es immer darum: Was will unser Publikum – und nicht vielleicht die Politik

TV-MEDIA: Apropos Brieflos-Show: Hat Peter Rapp eine Zukunft im ORF?
Alexander Wrabetz: Peter Rapp kennend, bin ich mir sicher, dass er nicht in ORF-Pension gehen wird.

TV-MEDIA: Zur Medienpolitik und der aktuellen Diskussion um ORF-Gesetz und Gebühren: Ist die Finanzierung des ORF gefährdet?
Alexander Wrabetz: Das ist die große Herausforderung: Dass wir es schaffen, die Diskussion über die Finanzierung des ORF und die Gebühren so zu führen, dass sie dann für die nächsten zehn Jahre wieder beendet ist und wir Planungssicherheit haben. Wir müssen zeigen, dass – für den theoretischen Fall einer Volksabstimmung über die Gebühren – wir diese genauso gewinnen können, wie sie das Schweizer Fernsehen gewonnen hat. Dazu müssen wir aber mit unserem Publikum kommunizieren: Welche sind die Erwartungen des Publikums, was stört das Publikum, was möchte es anders haben? Ich denke beispielsweise an eine Aktionswoche, wie sie Ö3 kürzlich auf Sendung brachte. Und: Wir beginnen demnächst mit sogenannten Town-Hall-Meetings, die in allen Bundesländern stattfinden sollen. Am Ende geht es immer darum: Was will unser Publikum – und nicht vielleicht die Politik.

TV-MEDIA: Konkret hat FPÖ-Vizekanzler Strache die Abschaffung der Gebühren verlangt. Mit ihm steht der ORF in einem Rechtsstreit, weil er Armin Wolf und den ORF der Lüge bezichtigt hat. Mit Armin Wolf hat sich Strache verglichen. Auch mit dem ORF?
Alexander Wrabetz: Entschuldigt hat er sich ja schon im Zuge des Wolf-Verfahrens. Jetzt geht’s darum, dass er seine Aussagen nicht wiederholt. Ich sehe hier auch gute Chancen für einen Vergleich.

TV-MEDIA: Zu immer wieder kursierenden Ablösegerüchten: Gehen Sie davon aus, Ihren ORF-Vertrag bis Ende 2021 erfüllen zu können?
Alexander Wrabetz: Ich bin bereit. Und ich gehe davon aus, dass es mit dem Stiftungsrat, der mich für fünf Jahre bestellt hat, auch unter neuen Mehrheitsverhältnissen weiter eine konstruktive Zusammenarbeit gibt. Die vergangenen Wochen zeigen das ja auch.

TV-MEDIA: Es ist auch von einem Vierer-Vorstand die Rede, dem sie angehören könnten ...
Alexander Wrabetz: Das Wichtigste ist, den ORF und seine wichtige Funktion für Österreich für die nächsten Jahre außer Streit zu stellen. Erst danach geht es um die Gremien, und das ist Sache des Gesetzgebers. Aus meiner Sicht muss sichergestellt sein, dass eine initiative Führung des Unternehmens möglich ist. – Welche Personen dann bestellt werden, das entscheidet sich erfahrungsgemäß ohnehin immer erst in der Nacht vor einer Wahl (lacht).

TV-MEDIA: Als vor einem Jahr ATV von der PULS-4-Gruppe übernommen wurde, sprachen Sie von „Anschluss“. Ist diese Einschätzung aufrecht?
Alexander Wrabetz: Es ist das eingetreten, was ich damals gesagt habe. Die große Marktmacht zeigt sich ja unter anderem an den Filmpaketen, die die Gruppe jüngst erworben hat.

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