Interview mit ‚ZiB‘-Chef Matthias Schrom

Interview mit ‚ZiB‘-Chef Matthias Schrom

Der neue Chefredakteur von ORF 2 verrät erstmals seine Pläne für die ORF-‚ZiBs‘. Plus: Wie er auf die Vorwürfe von Parteinähe reagiert.

Vor seiner Bestellung zum Chefredakteur wurde er – auch ORF-intern – heftig kritisiert. Jetzt stellte sich Matthias Schrom einem ersten Interview.

TV-MEDIA: Sie sind drei Monate im Amt. Woran erkennt man Ihre Handschrift in den ORF-News?
Matthias Schrom: Daran zum Beispiel, dass wir versuchen, aktueller zu sein, und auch mit kürzeren Sondersendungen in den Hauptabend gehen – wie zuletzt beim Brückeneinsturz in Genua. Oder auch am 19. September, für den wir eine Sondersendung zur EU-Ratspräsidentschaft planen. Das Ziel dahinter: schneller sein, aktueller sein, den Sehern Mehrwert bieten.

TV-MEDIA: Wie wurden Sie von der Redaktion aufgenommen – nachdem Sie bei einer internen Abstimmung ja nur neun Stimmen erhielten?
Schrom: Ich bin zehn Jahre hier und nur in dieser Rolle neu. Wir lernen uns sozusagen neu kennen – das Gefühl ist ein sehr gutes.


Ich war in meinem Leben bei drei Vereinen: bei zwei Fußballklubs und beim ÖAMTC

TV-MEDIA: Dennoch kein Vertrauensvorschuss …
Schrom: Das Abstimmungsergebnis war wohl die Bestätigung der Arbeit meines Vorgängers (Anm.: Fritz Dittlbacher – 48 Stimmen), aber keine Nicht-Bestätigung meiner bisherigen Arbeit.

TV-MEDIA: Entzündet hat sich das an Ihrer angeblichen FPÖ-Nähe. Wie entkräften Sie diese?

Schrom: Ganz einfach: Ich bin seit 1993 Journalist, bei Ö3, beim Privatradio, in zwei ORF-Landesstudios – Tirol und Wien – und in der ‚ZiB‘. In all der Zeit gab es keine politische Punzierung. Erst als ich mich für diesen Führungsjob beworben habe. Ich lehne diese Punziererei kategorisch ab. Ich will an der Qualität meiner Arbeit gemessen werden – und die wurde nie wegen einer Schlagseite kritisiert.

TV-MEDIA: Hat die FP auf Ihre Bestellung Einfluss genommen?
Schrom: Das weiß ich nicht. Die Idee, Chefredakteure für ORF eins und ORF 2 zu etablieren, ist jedenfalls deutlich älter als die neue Regierung.

TV-MEDIA: Sind Sie ein Blauer?
Schrom: Nein! Und ich bin auch nichts anderes. Ich war in meinem Leben bei drei Vereinen: bei zwei Fußballklubs und beim ÖAMTC.


Die ‚ZiB‘-Doppelmoderation bleibt – das unterscheidet uns klar von anderen Sendern

TV-MEDIA: Es wurde Ihnen auch mangelnde Führungserfahrung vorgeworfen …
Schrom: Die wenigsten Chefredakteure waren auch schon vor ihrer Bestellung in einer solchen Funktion. Das ist meist ein neuer Schritt. Und dass ich ehrgeizig bin, habe ich nie verheimlicht. Das ist in Österreich vielleicht unüblich. Außerdem: Ich war schon in jungen Jahren Programmchef bei der Antenne Tirol – mit voller Budgetverantwortung.

TV-MEDIA: Was stand in Ihrer Bewerbung als Chefredakteur?
Schrom: Drei Dinge: Das Publikum muss uns vertrauen können. Zweitens: die Erzählsprache, die Dramaturgie, die Grafiken der News – dort will ich einen Fokus hinlegen. Warum war die ‚Mini-ZiB‘ so erfolgreich früher? Weil sie die Seher von Anfang an mitgenommen hat und auch vielen Erwachsenen Orientierung geboten hat. Die Welt ist so chaotisch, umso mehr müssen wir diese Sicherheit, diese Orientierung bieten – ohne natürlich aus der ‚ZiB‘ eine ‚Mini-ZiB‘ zu machen. Und drittens: Wir müssen unsere Sendungen ständig weiterentwickeln.

TV-MEDIA: Was wird sich konkret ändern? Gibt’s neue Sendungen?
Schrom: Wir wollen die Marke ‚ZiB‘ jedenfalls noch besser nützen. Vielleicht in der Frühinformation, jedenfalls am Hauptabend oder möglicherweise mit der ‚ZiB 2‘ am Wochenende. Wir sind in der Entwicklung, im Oktober – nach einer internen Klausur – wissen wir mehr …

TV-MEDIA: Wird es neue Moderatoren geben? Bleibt die ‚ZiB‘-Doppelmoderation?
Schrom: Es kann mittelfristig immer Änderungen geben, aber die Doppelmoderation bleibt. Das unterscheidet uns klar von anderen Sendern.

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